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Kulmbach
Standesamt

Die Kulmbacher mögen Marie und Paul

Die Eltern wählen in der Mehrzahl traditionelle Vornamen, wie die Statistik für 2016 beweist. Aber nicht jeder Blödsinn ist bei der Namenswahl erlaubt.
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Paul (8) trägt einen Namen, der seit Jahren sehr beliebt ist. Foto: Songyi Han
Paul (8) trägt einen Namen, der seit Jahren sehr beliebt ist. Foto: Songyi Han
Von Jakob Weber


Nach wie vor die unangefochtene Nummer 1: Wie schon 2015 war auch im Vorjahr der Name Marie im Landkreis Kulmbach der häufigste Mädchenname. 14 Mädchen wurden so getauft. Knapp dahinter lag Lena (13). Sophia, im Vorjahr noch auf Platz 2, sackte auf Rang 8 ab. Das geht aus der Statistik des Standesamts Kulmbach hervor.

Bei den Buben gab es auf den Spitzenpositionen deutlichere Schwankungen. 2015-Spitzenreiter Leon wurde von Paul abgelöst, für den sich ebenfalls 14 Eltern entschieden. Ben, der bundesweit schon seit 2011 den ersten Platz belegt, kam in Kulmbach nicht einmal mehr unter die ersten zehn Ränge. Den 2. Platz belegte Tim - eine Kurzform des althochdeutschen Dietmar und des altgriechischen Timotheus, was "der Ehrenwerte" oder "der Gottesfürchtige" bedeutet.

In der Mehrheit waren erneut traditionelle Namen, aber auch einige exotische Varianten tauchten auf. So erfreuen sich der Name Milan und die weib-liche Form Mila zunehmender Beliebtheit.


Forscher ermittelt Rangliste

Eine amtliche Statistik für Vornamen in Deutschland gibt es nicht. Deshalb hat es sich der Namensforscher Knud Bielefeld zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr die bundesweiten Geburtsmeldungen aus Standesämtern, Krankenhäusern und Geburtshäusern zusammenzutragen. Daraus ermittelt er die Rangliste der beliebtesten Vornamen.
Hier ist klar zu erkennen: Die Mehrheit der Namen in Deutschland ist traditionell, oft werden auch Kurzformen verwendet. Meist werden Vornamen aus der antiken Mythologie und von mittelalterlichen Stammesbezeichnungen hergeleitet. Wortneuschöpfungen sind die absolute Ausnahme.

Außerdem orientieren sich Eltern nicht selten an Prominenten. Siehe Elyas M'Barek - die Popularität des Schauspielers dürfte für das Interesse am Vornamen Elias verantworlich sein.


Rumpelstilzchen geht nicht

In Fällen, in denen die Namenswahl dem Kind Probleme bereiten könnte, behält sich das Standesamt das Recht vor, den Eltern zu widersprechen. McDonald, Möhre, Porsche, Rumpelstilzchen, Verleihnix oder Whisky wurden abgelehnt.


Glosse: Dem Risiko des Kevinismus entgehen

Es gibt Namen, die waren in der Liste der beliebtesten Vornamen über eine lange Zeit vertreten. Und dann, urplötzlich: der Absturz. Innerhalb weniger Jahre verschwanden sie völlig aus dem Geburtenregister. Ein Musterbeispiel ist der in den 90er Jahren beliebte Jungenname Kevin. Gemeinsam mit Chantal und "Schakkeline" bildet er heute ein Synonym für das Trio der hyperaktiven, sozial schwachen und schlecht erzogenen Klischee-Jugendlichen.

Aber wie kann ein Name so in Verruf geraten? Tatsächlich existieren Studien, die belegen, dass die Träger bestimmter Namen in der Schule unfair behandelt werden oder in der Gesellschaft eine vergleichsweise ungünstige Position haben. Ob diese Erkenntnisse nun begründet sind, oder nicht - kaum eine Mutter will ihrem Kind eine solche Vorbestimmung mit in die Wiege legen.

Um der Kevin-Falle bei der Namensgebung zu entkommen, gibt es jedoch ein praktisches Hilfswerkzeug: das Kevinometer. Die für Apple und Android erhältliche App prüft anhand von sprachwissenschaftlichen Analysen, soziologischer Forschung und historischen Ranglisten, wie hoch das "Kevinismus-Risiko" eines Wunschnamens ist.

Rund 60 000 Namen, darunter vor allem die aktuellen Modenamen, umfasst die Datenbank der Anwendung bisher. Die Funktionsweise der Applikation ist einfach: Man gibt den gewünschten Namen in ein Textfeld ein, wählt das Geschlecht des Kindes - und in Sekundenschnelle wird die sogenannte "Kevinwahrscheinlichkeit" des Namens in Prozent angezeigt.

Auch für Eltern, die nicht darüber nachdenken, ihr Kind Kevin oder Justin zu nennen, bietet die App einen Nutzen: Sie ist immerhin ein praktisches Mittel, um Uneinigkeit bei der Namenswahl elegant und prozentgenau zu lösen.
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