Plassenburg

Der blutige Kampf gegen Wundbrand

Beim Kampf gegen Wundbrand half im 18. Jahrhundert oft nur eine drastische Maßnahme: die Amputation.
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Die Amputiersäge, die im Armeemuseum auf der Plassenburg zu sehen ist. Foto: Bernd A. Windsbacher
Die Amputiersäge, die im Armeemuseum auf der Plassenburg zu sehen ist. Foto: Bernd A. Windsbacher
Die blutigen und verlustreichen Schlachten der Schlesischen Kriege im 18. Jahrhundert forderten neben den vielen Toten oft bis zu 10 000 Verwundete auf jeder Seite. Der preußische König Friedrich der Große hatte zwar dafür gesorgt, dass sogenannte fliegende Lazarette dem Heere auf dem Marsch folgen sollten. Da er aber seine Pläne auch vor den eigenen Leuten bis zum Schluss geheim hielt, konnten diese medizinischen Einheiten meist erst sehr viel später am Schlachtort eintreffen.


Verletzte mussten lange warten


Hinzu kam die überdurchschnittliche Marschleistung der kämpfenden Truppe - oft bis zu 35 Kilometer am Tage -, die der schwerfällige medizinische Tross nicht einhalten konnte. Da das Bergen der Verwundeten während der Schlacht verboten war, mussten die Verletzten meist viele Stunden warten, bis sie gefunden und in Fuhrwerken der umliegenden Bauern in provisorisch eingerichtete Lazarette gebracht wurden. Wenn man Glück hatte, wurde man nicht schon vorher von plündernden Marodeuren ausgezogen.

Die Ankunft im Lazarett bedeutete aber noch keineswegs die Rettung. Da sich ein Arzt um mindestens 300 bis 400 Verwundete kümmern musste, dauerte es manchmal bis zu zwei Tage, bis die Betroffenen medizinisch versorgt werden konnten. Für nicht wenige war zu diesem Zeitpunkt schon eine lebensbedrohliche Situation eingetreten: der Wundbrand, ein infektiöses Phänomen, das damals nur durch eine einzige Maßnahme bekämpft werden konnte: die Amputation des Gliedes.


Hygienisch unzureichende Umgebung


In hygienisch unzureichender Umgebung verrichtete der Regiments-Chirurgus sein blutiges Handwerk. Ohne echte Narkose - der mitgeführte Branntwein war schon vor der Schlacht zur Stimulierung des Kampfesmutes an die Truppe ausgegeben worden - wurde blitzschnell das Fleisch rund um den Knochen aufgeschnitten, das Fleisch zurückgezogen und mit der Amputiersäge der Knochen abgetrennt, anschließend die Weichteile wieder nach vorne gezogen und vernäht. Auch das Ausbrennen der Wunde mit glühendem Eisen wurde praktiziert. Der ganze Vorgang dauerte nicht mehr als vier Minuten, wie Augenzeugen berichteten.

Die mit Stroh ausgekleideten Böden von Kirchen, Klostergebäuden oder Scheunen sollten nun die Ruhestätten dieser Verwundeten sein. Antiseptische Maßnahmen steckten noch in den Kinderschuhen. Man geht heute davon aus, dass nur zehn von hundert Amputierten den Eingriff überlebten.


Invaliden bekamen "Gnadentaler"


Bei gutem Willen des oft launischen Königs konnte der überlebende Invalide manchmal mit dem monatlichen "Gnadentaler" rechnen: zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Er war fast immer auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen. Das 1747 in Berlin errichtete Invalidenhaus konnte nur etwa 500 Personen aufnehmen und war immer überbelegt. Schreibkundige Invaliden hatten manchmal das große Glück, eine der seltenen gering dotierten staatlichen Stellen als Schreiber oder Bote zu bekommen. Dauerverletzte Unteroffiziere wurden auch in Schnellkursen als Lehrer ausgebildet und in den neu gegründeten Dorfschulen eingesetzt. Minderverletzte fasste man zu Invalidenkompanien zusammen und stationierte sie in Festungen.

Das Armeemuseum auf der Plassenburg konnte kürzlich eine dieser Amputiersägen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erwerben.

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