Kulmbach
Glosse

Der Taube droht keine Gefahr

Manchmal wird man gründlich missverstanden. Dann zum Beispiel, wenn man etwas Böses denkt.
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Foto: Spy Museum/dpa
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Ich glaube, ich muss mal was klarstellen: Ich liebe Tiere!

Wirklich. Ich trage Spinnen aus der Wohnung, statt sie zu zertreten. Ich füttere fremde Katzen durch, die klammheimlich in mein Haus eindringen. Ich vertraue darauf, dass die Schnecken mein Salatbeet von selbst wieder verlassen, ohne dass ich mit Schneckenkorn oder Schere drohen muss. Und ja: Ich mag auch Vögel. Sogar Tauben.

Das haben etliche Leser meines jüngsten Burggeflüsters vor einigen Tagen nicht so ganz glauben mögen. In der Tat hatte ich von gemeinen Gedanken geschrieben, die mir durch den Kopf schwirren, wenn die alte, graue Taube wieder einmal im Morgengrauen auf dem Kirschbaum vor meinem Schlafzimmer durch lautes "Guruuh, guruuh, guruuh" meine Nerven bis auf Äußerste strapaziert.

Aber, Leute: Es war doch nicht so gemeint! Nie würde ich dem Tier was tun, würde weder zur Zwistel greifen noch Nachbars Kater zu Jagdausflügen anstiften.

Solche Gedanken sind eher ein Akt der Seelenhygiene. Man verflucht ja auch den Nachbarn, der morgens um sechs den Automotor warm laufen lässt, oder den unbekannten Anrufer, der sich nachts um drei verwählt hat. Man fühlt sich erleichtert hinterher. Wirklich tun würde man keinem was.

Sehen Sie: Genauso ist das mit der Taube.

Und schließlich gibt es bald eine andere Lösung für das Problem: Demnächst kommt ein Gärtner und fällt den Baum.
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