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Kulmbach
Bundestagswahl

Der Geheimniskrämer von der AfD Kulmbach-Lichtenfels

Wie Kreisvorsitzender Georg Hock um den heißen Brei herumredet. Kommt vielleicht Ex-CSU-Mann David Bendels als Direktkandidat?
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AfD-Kreisvorsitzender Georg Hock will die Presse bei der Nominierung eines Bundestagskandidaten nicht dabei haben. Foto: Jochen Nützel
AfD-Kreisvorsitzender Georg Hock will die Presse bei der Nominierung eines Bundestagskandidaten nicht dabei haben. Foto: Jochen Nützel
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Wie möchte die AfD am liebsten wahrgenommen werden? Gar nicht alternativ, sondern als ganz normale Partei. Bürgerlich, demokratisch legitimiert, aber überhaupt nicht extrem, sondern mitten drin im Parteienspektrum der Bundesrepublik.

AfD-Sprecher auf allen Ebenen werden nicht müde, darauf hinzuweisen. Dazu zählt auch Georg Hock, Vorsitzender im Kreisverband Kulmbach-Lichtenfels. Aber wenn's drauf ankommt, sind er und die selbsternannten Alternativen für Deutschland vor allem eines: Sie sind Geheimniskrämer.


Posten zu vergeben

Mit der Gewissheit, nächstes Jahr - voraussichtlich mit einem satten Ergebnis - in den Bundestag einzuziehen, sind derzeit bei der AfD Posten zu vergeben. Bundestagsmandate, die durchaus lukrativ sind.

So gibt es bei den Nominierungsversammlungen immer wieder Ungereimtheiten. Auch vor vier Wochen im AfD-Kreisverband Kulmbach-Lichtenfels. Kreisvorsitzender Hock wollte sich in Lichtenfels zum Direktkandidaten im Wahlkreis 240 aufstellen lassen - doch die Versammlung musste kurzfristig abgesagt werden. Der hiesige AfD-Chef hatte "vergessen", Mitglieder aus dem Raum Bamberg einzuladen. Er begründete auf Anfrage die Panne damit, dass "eine nicht bekannte Mengenbegrenzung" seines E-Mail-Programms dazu geführt habe, dass nicht alle wahlberechtigten Mitglieder eingeladen worden sind.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schon damals ist spekuliert worden, dass Absicht dahinterstecken könnte. Einige Parteimitglieder, die nicht genannt werden wollten, haben unlautere Motive vermutet.


Ein Gegenkandidat?

Offenbar sind Gegenkandidaten aufgetaucht, die dieselben Ambitionen haben wie Hock. Immer wieder wird auch gemunkelt, dass der Lichtenfelser Ex-CSU-Mann David Bendels antreten könnte. Der Mitbegründer der CSU-Basisbewegung "Konservativer Aufbruch" hat im Sommer sein CSU-Parteibuch abgegeben, weil er für seine Absicht, bei einer Veranstaltung der AfD in Hessen zu sprechen, scharf kritisiert worden ist.

Auf Nachfrage bestreitet Bendels aber eigene Ambitionen. "Da ich kein Mitglied der AfD bin, werde ich auch nicht kandidieren", versichert er.

Trotzdem scheint sich der AfD-Kreisvorsitzende seiner Sache alles andere als sicher zu sein. Nachdem er schon vor zwei Monaten erklärt hat, dass man von seiner Kandidatur ausgehen könne, hält er sich jetzt auffallend zurück: Über die angedeutete Kandidatur werde er kurzfristig entscheiden, erklärt er am Samstag. "Das hängt auch von möglichen anderen Kandidaturen ab, von denen ich allerdings bis heute nur vage Kenntnis habe. Dezidiert oder gar schriftlich liegt mir bis heute keine Kandidatur anderer Interessenten vor", so Hock.


Kein Wort über Ort und Zeit

Was die Nominierungsversammlung selbst angeht, hüllt sich der Kreisvorsitzende in Schweigen. Er bestätigt lediglich: "Ja, es gibt einen Termin für die verschobene Aufstellungsversammlung." Kein Wort über Ort oder Zeit. Auch auf eine zweite Nachfrage kommt nichts.

Hat er die Daten nicht im Kopf, wie es bei der AfD mitunter der Fall ist? Wie in Stuttgart, als die Partei jüngst zwei Bundestagskandidaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit nominierte. Man habe, so der dortige Kreisvorstandssprecher, aufgrund vorübergehender personeller Probleme im Kreisvorstand "vergessen" (sic!), den Medien eine Einladung zukommen zu lassen.


Helsinki oder Berlin

Das dürfte bei Hock ausgeschlossen sein. Dass er am Samstag nicht weiß, was Sonntag geplant ist. Er hat die Nominierung schließlich vorbereitet, die lauf Homepage des AfD-Kreisverbands bereits am 18. Dezember stattfinden soll. Wahlweise von 17 bis 20 Uhr in "Berlin" oder von 18 bis 21 Uhr in "Helsinki".

Mit anderen Worten: Die AfD will ihr Süppchen kochen, ohne dass ihr jemand reinspucken kann. Zuschauer sind unerwünscht, nachdem es in jüngster Zeit internen Streit gegeben hat. Als da wären: Rücktritt der Beisitzerin Mandy Myszak oder offene Kritik vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Markus Dossenbach (beide Bad Staffelstein) an seinem Kollegen Edwin Hübner (Himmelkron), der in bester "Reichsbürger"-Manier die Ostgebiete für Deutschland reklamiert und über den Beginn des Zweiten Weltkriegs gesagt hat: "Ich unterstelle einfach, dass wir in den Krieg getrieben wurden." Genügend Sprengstoff, dass man lieber unter sich bleibt.

Also doch keine ganz normale Partei. Denn alle Mitbewerber - von der CSU bis zur Linken - haben kein Problem, die Medien einzuladen.

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