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Kulmbach
Historie

Der Feind, der vorher Freund war

Ein beinahe vergessenes "Jubiläum": Vor 150 Jahren traten Bayern und Preußen im Krieg gegeneinander an.
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So sahen die Uniformen damals aus. Fotos: privat
So sahen die Uniformen damals aus. Fotos: privat
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Gerade einmal 150 Jahre ist es her, seit 1866 zum letzten Mal die Preußen gegen die Bayern Krieg führten. Heute, da im "gemeinsamen Haus Europa" die Kriegsgefahr zwischen einzelnen Nationen der EU hoffentlich endgültig überwunden ist, fragt man sich, wie es damals zwischen zwei deutschen Staaten zu einem Bruderkrieg kommen konnte.

Direkter Auslöser für diesen letzten innerdeutschen Krieg, der am 14. Juni 1866 begann, waren die Differenzen zwischen Preußen und Österreich um die Verwaltungshoheit über das von ihnen gemeinsam gegen die dänische Annexion verteidigte Schleswig und Holstein. Unterschwellig bestanden jedoch schon seit Jahrzehnten Spannungen zwischen den beiden Mächten über Machtverteilung und den Führungsanspruch bei der sich abzeichnenden nationalen Vereinigung in Deutschland.
Es ging um die Einheit des deutschen Vaterland und dabei vor allem um die Frage, wer dabei die Führungsrolle übernehmen sollte. Für den preußischen Kanzler Fürst Otto von Bismarck stand fest, dass das der preußische König Wilhelm I. sein sollte.


Einmarsch

Am 9. Juni 1866 marschierten preußische Truppen auch in Holstein ein, das eigentlich unter österreichischer Verwaltung stand. Am 14. Juni beschloss darauf der seit 1848 in Frankfurt am Main bestehende Bundestag mehrheitlich die Mobilisierung von Bundestruppen unter dem Präsidium Österreichs zwecks einer Bundesexekution.

Preußen sah sich daraufhin zu militärischem Vorgehen sowohl gegen Österreich als auch gegen das Bundesheer berechtigt. Unter Generaloberst Helmut von Moltke überschritt die preußische Armee die böhmische Grenze und schlug die Österreicher am 3. Juli 1866 in der Schlacht bei Königgrätz.

Gleichzeitig stießen die Preußen unter Friedrich Franz, dem Großherzog von Mecklenburg, gegen das von Prinz Karl Theodor von Bayern befehligte Bundesheer nach Franken vor. So mussten bayerische Soldaten, von denen viele ja auch aus Franken stammten, gerade auch in unserer oberfränkischen Region gegen die preußische Armee kämpfen.

In seinem zweibändigen Werk "Der deutsche Krieg von 1866" beschreibt der eher als Romanautor bekannte Theodor Fontane, was sich dabei in der Region zutrug:

"Von Volkmannsgrün aus unternahm die 2. Jägercompagnie und ein Dragoner-Detachement unter Hauptmann Passow einen Coup gegen das in der rechten Flanke gelegene, auch als Eisenbahnstation wichtige Culmbach. Culmbach, noch heute überragt von der malerisch auf hohem Felsen gelegenen Plassenburg, ist die zweite von den sechs bayreuthischen Städten. Ihre Hauptberühmtheit ist das Bier."

Vielleicht lockte dies mit. Um 3 Uhr hielt das Detachement überraschend vor der Stadt. Man erfuhr hier, dass die Plassenburg (jetzt Strafanstalt) eine Besatzung von drei Offizieren und 120 Mann habe. Die Lage war misslich genug, wenn jene Besatzung etwa Miene machte, sich zur Wehr zu setzen. Es kam aber nicht dazu ...

Hauptmann Passow besetzte den Bahnhof und ließ die Besatzung der Burg zur Übergabe auffordern. Ein bayrischer Offizier erschien als "Parlamentair", der in die Gefangennahme seiner Compagnie einwilligte, zugleich aber den Wunsch aussprach, die Bewachung der Sträflinge nach Abgabe der Gewehre weiter leisten zu dürfen. Das wurde gewährt und die Burg zur Absperrung der Eisenbahn besetzt.

Preußen und Bayern einigten sich also relativ friedlich. Trotzdem kam es auch in unserer Gegend immer wieder zu Zwischenfällen: Etwa, als das feindliche Heer herannahte, gerieten zum Beispiel die Mainleuser in Panik. Mit dem Ruf "Die Preißn kumma! Maleus wird beschossn!" errichteten sie auf dem Dorfplatz vor dem Bahnübergang eine Barrikade aus Wagen, Balken und Leitern, um die Feinde aufzuhalten.


Aug' in Auge mit dem Feind

Am Bahndamm gegen Schwarzach hatten sich Infanteristen verschanzt, erhielten aber den Befehl, südlich der Gleise zu bleiben. Gleichzeitig waren preußische Dragoner von Kulmbach gekommen und postierten sich lange Zeit unbemerkt auf der anderen Seite. Selbst als bemerkt wurde, wie nahe sich die Parteien gegenüberstanden, hatte keine von ihnen genug Kampflust zu einem Angriff.

Man begnügte sich damit, sich "abzutasten", dann zogen sich die Preußen zurück zum Geiersberg, der heutige Hornschuchshöhe, und überwachten von dort aus die Landstraße. In Veitlahm dagegen fielen Schüsse, als eine bayerische und eine preußische Patrouille aufeinanderstießen.

Ein unschuldiger Kirchgänger aus Danndorf kam dabei ums Leben. Andererseits kam es bei der Begegnung von Soldaten aus Nord- und Süddeutschland immer wieder zu friedlichen Szenen, wie sie zum Beispiel eine Anekdote darstellt, die aus verschiedenen Ortschaften erzählt wird: "Als zwei preußische Soldaten ihr zugewiesenes Quartier beziehen wollen, will sich die Hausfrau voller Angst verstecken.

Da rief der eine: ,Frau, erkennst du mich nicht mehr? Ich bin doch der Hausierer aus Lauscha, der immer einmal im Jahr zu euch gekommen ist!'"


Unmut über Besatzung

Von der oberfränkischen Bevölkerung im einst hohenzollerischen Markgrafenland wurden die Preußen nicht wirklich als Feinde angesehen. Natürlich stieß die Besatzung mit ihren Einquartierungen und Versorgungspflichten trotzdem auf ihren Unmut.

Ihr Hauptquartier bezogen die Preußen in Berneck, die Bayern zogen sich bis Seybothenreuth zurück. Dort wurden sie am 29. Juli 1866 vernichtend geschlagen.

Die Preußen setzten dann von Bayreuth aus ihren Mainfeldzug über Nürnberg (31.7.1866) bis Würzburg fort. Die letzte Schlacht fand schließlich im Mainfeldzug am 26. Juli 1866 bei Uettingen statt, und mit dem Frieden von Prag am 23. August 1866 endet der Krieg. Österreich muss den preußischen Annexionen und der geplanten Neugestaltung Deutschlands zustimmen.

So war der deutsch-deutsche Krieg vor 150 Jahren Voraussetzung der sogenannten kleindeutschen Lösung und der daraus am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles entstandenen Gründung des geeinten Deutschen Reiches ohne Österreich.
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