Kulmbach
Interview

Der Ehrenbürger mag Kulmbach - aber nicht das Bierfest

Thomas Gottschalk plaudert 1993 im Gespräch mit der MGF-Schülerzeitung "Ventilator" frei von der Leber weg.
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Thomas Gottschalk 1997 als Dirigent der Bierfest-Kapelle. Foto: BR-Archiv
Thomas Gottschalk 1997 als Dirigent der Bierfest-Kapelle. Foto: BR-Archiv
Thomas Gottschalk mag seine Heimatstadt Kulmbach - aber deswegen noch lange nicht das Bierfest. Das verriet der Ehrenbürger im Interview, das ein Schulfreund und ich mit ihm vor 22 Jahren als Mitarbeiter der MGF-Schülerzeitung "Ventilator" führten. "Einfach ein Zelt hinstellen, sich reinsetzen und saufen" - wo liege da der Sinn? Das fragte sich Thomas Gottschalk 1993 am MGF, als er Ehrengast bei der 100-Jahr-Feier war. Seinen Tipp - "Beim Oktoberfest stellen sie wenigsten zwei Achterbahnen daneben!" - haben die Macher der Bierwoche zum Glück nie verwirklicht. Wohin auch mit denen im engen Kulmbach?


Gewohnt undiplomatisch

Trotzdem lässt sich Gottschalk auch heute noch immer mal wieder im Bierzelt blicken. Er trinkt selbstverständlich Festbier aus, aber immer auch in Maßen und dirigiert schon mal die Kapelle (Bild).

Unsere provokante Frage, ob er denn nicht gerne mal einen auf dem Bierfest "draufmachen" wolle, beantwortete "Thommy" 1993 gewohnt undiplomatisch: "Ich kann einfach nicht mehr vors Kriegerdenkmal reihern, ohne dass es auffällt." Gottschalk ist damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität, die er vor allem "Wetten, dass ..?" zu verdanken hat. Die Sendung gibt er zwar 1992 ab, übernimmt sie aber Anfang 94 wieder.

Gottschalk plaudert im "Ventilator"-Interview frei von der Leber weg, sorgt für etliche Stilblüten. Auch zu der 1988 eröffneten Kulmbacher Stadthalle hat er eine klare Meinung: "Die EKU damals war schöner!" Wie wohl sein Urteil nach der anstehenden Umgestaltung des Zentralparkplatzes ausfallen wird?


Weitsicht: Wohnort USA

Und der Showmaster beweist Weitsicht. Denn schon vor 22 Jahren ist sich Gottschalk sicher, dass er seinen Lebensabend nicht in Kulmbach verbringen werde. Die USA als Wohnort ziehe er aus dem einfachen Grund vor, weil man dort "seine Ruhe hat".

Doch auch nach dem Tod seiner geliebten Mutter Rutila 2004 besucht er immer wieder seine Heimatstadt, dessen Stadtrat ihn 2001 zum Ehrenbürger macht, verputzt gerne "a Paar im Ganzen", die zu seiner Schulzeit "80 Pfennige gekostet haben", wie er sich noch gut erinnert.


Das komplette Interview


Nachfolgend das komplette Interview mit der MGF-Schülerzeitung "Ventilator" vom Juli 2013

Anlässlich unseres 100-jährigen Jubiläums im Juli weilte auch der prominenteste Schüler des MGFG für zwei Tage in Kulmbach: Der Showmaster Thomas Gottschalk, in Bamberg geboren und in Kulmbach aufgewachsen, trat 1960 in unsere Schule ein und ließ diese 1971 mit dem Abitur in der Tasche hinter sich. Im Rahmen der Feierlichkeiten gelang es uns, den alten und neuen "Wettkönig" nach seinen Zukunftsplänen, seinen Erinnerungen und Verbindungen zur Bierstadt und etlichem mehr zu befragen.

Ventilator: Thommy, wir beurteilen Sie ihren Wechsel vom öffentlich-rechtlichen zum privaten Fernsehen?
Gottschalk:
Ja, natürlich hat sich das für mich finanziell gelohnt, weil das private Fernsehen ganz einfach in einer anderen Situation ist. Beim Öffentlich-Rechtlichen war ich eine feste Größe und wurde dementsprechend auch bezahlt, und das Private hat mich als Star eingekauft und bezahlt mich auch als solchen.

Ventilator:
Zur Zeit fallen Sie mehr durch negative Presse wie die Geschichte mit der Scientology-Sekte auf. Glauben Sie nicht, dass Ihr Abtritt von "Wetten, dass...? einen großen Imageverlust nach sich gezogen hat?
Gottschalk: Das sind Entscheidungen, die man ganz bewusst trifft. Die ganze Situation hat sich ja geändert, die Quoten marschieren ja alle runter. Früher hat die ganze Familie "Wetten, dass...?" geguckt und 20 Millionen waren vor dem Fernseher. Die Situation hat sich doch durch die 20 Kanäle total geändert. Dein Kanal hat heute nicht mehr soviel Wirkung wie früher. Es ist ganz klar, dass ich wieder eine Samstagabend-Show machen muss, und wenn es dann auch nur ein paar Millionen Zuschauer sein werden. Aber ich habe ganz klar gesagt, ich mach jetzt mal zwei Jahre Pause und die Nachtsendung, denn du kannst in dem Geschäft nicht dein ganzes Leben ganz vorne sein. Du musst das Recht haben, auch mal sagen zu können, ich zieh mich erst einmal zurück und dann kannst du ja wieder zuschlagen. Das wird ja demnächst wieder passieren - im Januar geht"s ja wieder mit "Wetten, dass...?" los.

Ventilator: Mir persönlich haben früher die Radioshows mit Günther Jauch bei BR 3 gut gefallen. Wird es sowas vielleicht mal wieder geben?
Gottschalk: Mit dem Günther bin ich nach wie vor gut befreundet, ich könnte mir durchaus vorstellen, mit ihm mal eine Fernsehshow zu mache, aber das Thema Radio ist für mich sicher erledigt. Radio hat natürlich nicht mehr die Bedeutung wie damals, als BR 3 in Bayern das einzige war, was man hören konnte.

Ventilator: Wie ist Ihr privater Musikgeschmack zur Zeit?
Gottschalk: Naja, da bin ich ein bisschen hängengeblieben. Das einzig Aktuelle, was mir einfällt, ist von den "Proclamers", aber ansonsten bin ich mehr oder weniger tatsächlich in den Sechzigern hängengeblieben. Ich mach jetzt auch wieder eine Oldiesendung. Es gibt aber schon ein paar neue Bands, die mir gut gefallen, wie zum Beispiel "Eurythmics". Aber ne Rod-Stewart-LP ist mir immer noch lieber als irgendso eine Rap-Scheiße!

Ventilator: Sie haben mal gesagt: "Immer wenn ich MTV schaue, hüpfen drei Neger um eine brennende Mülltonne." Wie ist Ihre Meinung zur momentanen Musikentwicklung?
Gottschalk: Na gut, die hüpfen da immer noch, aber es ist so, dass ich MTV so zwischendurch als optisches Radio einschalte. Die modernen Schnitttechniken, die neue Musik, die andere Generation ist zwar faszinierend, mich betrifft es aber nicht mehr.

Ventilator: Sie haben eine Stiftung gegründet, in der die Hälfte Ihres Einkommens fließt. Könnten Sie bitte mal kurz die Aufgabengebiete dieser Stiftung erklären?
Gottschalk:
Wenn man so eine Stiftung anfängt, denkt man natürlich erstmal, dass man überall und allen helfen kann, was sich bald als absolut unmöglich erweist. Ich habe mich eben auf misshandelte und missbrauchte Kinder spezialisiert, von denen es leider immer mehr gibt, und wir versuchen jetzt ein Haus zu finanzieren, wo solche Kinder mal aus der Familie rauskommen, oder Familienangehörige, die unter so einem Druck mit den Kindern auskommen müssen, Unterstützung finden. Das ist schon eine sehr zeitraubende und wichtige Angelegenheit.

Ventilator: Welchen Bezug haben Sie heute noch zu Kulmbach?
Gottschalk: Meine Mutter lebt ja noch hier und ich war in der Schule hier, und wenn man die Bänke sieht - ich sitz sicher auf einem Stuhl, wo man vielleicht schon mal vor 20 Jahren gesessen hat, so wie der aussieht... (Das Interview wurde im Relizimmer in der alten Turnhalle geführt). Das war halt die klassische Einrichtung damals. Und auf dem Trampolin da unten bin ich sicher auch schon mal drauf herum gehüpft. Manche Sachen sind aber ganz anders als damals, wie der Schulhof, der ist jetzt gepflastert u.s.w. , aber es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man wieder mal hier ist.

Ventilator: Es stört Sie auch nicht, wenn die Kinder um Sie herumhüpfen und Autogramme wollen?
Gottschalk: Nein, da muss man sich einfach drauf einstellen.

Ventilator: Mal ehrlich: Könnten Sie sich vorstellen, auf dem Bierfest mal wie früher richtig voll zu sein?
Gottschalk: Schwer möglich, denn wenn ein besoffener Gottschalk von irgendeinem Idioten fotografiert werden würde.... Ich kann einfach nicht mehr vors Kriegerdenkmal reihern, ohne dass es auffällt.

Ventilator: Sie haben auf einer Discoparty in der Realschule mit Thommy Ohrner als DJ fungiert. Würden Sie so etwas mal wieder machen?
Gottschalk: Ich glaube nicht, dass die Platten, die ich heute auflegen würde, noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken würden, und ich wüsste auch nicht mehr, was ich spielen müsste, damit getanzt wird. Gut, ich mach jetzt zwar im ZDF die Oldiesendung, aber da weiß ich, dass das Publikum entsprechend ist, aber ich glaube nicht, dass irgendwelche Kids die Latschen wegen mir hochheben.

Ventilator: Die würden dann vielleicht nur wegen Ihnen kommen und nicht wegen der Musik.
Gottschalk: Aber dann stimmt irgendetwas nicht mehr, dass passt einfach nicht mehr zusammen.

Ventilator: Wenn man sich in Ihrem Jahrgang so umhört, merkt man schnell, dass sie früher schon als "Mr. Spontanität" galten. Vor kurzem habe ich gelesen, dass Herr Thomas von RTL drei Skriptschreiber für Sie beschäftigt. Ist das eine Presseente?
Gottschalk: Nein, das ist Quatsch mit den drei Skriptschreibern. Fernsehen von damals ist anders als Fernsehen von heute. Ich mach jetzt dieses Late-Night-Konzept, das es in Amerika gibt. Tony Cason heißt der berühmteste Late-Night-Talkmaster in den Staaten, der hat vielleicht 30 Skriptschreiber. Ich hab überhaupt keine Leute, die mir irgendwelche Gags machen, ginge gar nicht, weil ich so was auch nicht könnte. Es gibt aber drei Leute bei mir, die sich in der Ecke Humor etwas überlegen - entweder nimmt man es dann oder man nimmt es nicht. Wenn du jeden Tag so eine Nummer machen musst, ist das gar nicht einfach, aber das Meiste kommt bei mir schon aus dem Bauch.

Ventilator: Also ist Ihr Mundwerk doch nicht verloren gegangen?
Gottschalk: Nein, weil sonst könnte ich es gleich lassen und nur etwas vortragen. Aber es hat sich doch alles geändert. Früher war ich in der Radio-Show ein Mann und bin da hingegangen und habe gemacht, was mir eingefallen ist. Jetzt hab ich vielleicht 40 Mitarbeiter.

Ventilator: Aber es ist doch sicher schwer, jeden Tag witzig und unterhaltsam zu sein. Geht man da nicht ein bisschen verloren?
Gottschalk: Ich hab früher auch jeden Tag Radio gemacht. Diese Late-Night-Show gucken einfach nur eine bestimmte Anzahl von Leuten. Du kannst nicht jeden Tag um 23.15 Uhr Fernsehschauen. Die Sendung lebt auch nicht von den Gags. Die Sendung ist ein amerikanisches Format, was wir hier etablieren wollen, und ich mach es einfach mal ein paar Jahre lang.

Ventilator: Im Moment sin Sie sehr viel in den Staaten. Könnten Sie sich vorstellen, auch dort als Showmaster einzusteigen oder wollen Sie dort nur anonym bleiben?
Gottschalk: Im Grunde ist es deswegen, dass man dort seine Ruhe hat, denn in den USA kennt mich fast keiner. Im Moment mach ich drüben einen Film mit Whoopy Goldberg, Sister Act II, wo ich den deutschen Großvater Wolfgang spiele.

Ventilator: Wohin wollen Sie ihren Alterssitz legen?
Gottschalk: Mit 70 ist es eher wahrscheinlich, dass ich in Kalifornien bin als in Kulmbach!

Ventilator: Sie haben letztes Jahr Solidarität mit dem FC Bayern München gezeigt. Sind Sie als Franke kein Club-Fan?
Gottschalk: Ne, nur weil Nürnberg näher an Kulmbach liegt als an München? In Nürnberg war ich vielleicht nur einmal beim Spiel. Aber der ATS Kulmbach liegt mir natürlich näher als vielleicht Bayern Hof.

Ventilator: So, jetzt will ich mal Ihre vielgerühmte Schlagfertigtkeit testen. Was fällt Ihnen spontan zu folgenden Stichworten ein?
- Plassenburg: Stand damals schon da!
- Stadthalle: Die stand damals gottseidank noch nicht da. Ich finde den ganzen Platz verhunzt. Die EKU war schöner!
- Bratwürste: Die gab`s und gibt"s immer noch. A Paar im Ganzen haben damals 80 Pfennig gekostet.
- Ausgstraafta: Das konnt ich mir damals allein wegen der Mädels und dem Zwiebelgestank nicht leisten!
- Bierfest: Da stand ich noch nie drauf! Einfach ein Zelt hinstellen und sich reinsetzen und saufen. Beim Oktoberfest stellen sie wenigstens zwei Achterbahnen daneben!

Ventilator: Wenn da immer so viel los ist, dann muss es doch irgendjemand gefallen?
Gottschalk: Ja, mir aber nicht!

- Old Castle: War architektonisch immer ein Schandfleck. Deswegen ist es ganz gut, dass es weg ist. War aber früher das Zentrum meines musikalischen Schaffens!
- McDonalds jetzt auch in Kulmbach: Ach, ist mir neu!




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