Kulmbach
Bauarbeiten

Der Abriss verändert das Stadtbild

Im Unteren Stadtgäßchen in Kulmbach wird derzeit das Haus mit der Nummer vier abgerissen. Was hat der Eigentümer damit vor?
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Aktuell sind nur noch die Umrisse des alten Hauses im Unteren Stadtgäßchen zu sehen. Lange wird es nicht mehr dauern, bis auch diese Mauern verschwunden sind.  Foto: Lisa Kieslinger
Aktuell sind nur noch die Umrisse des alten Hauses im Unteren Stadtgäßchen zu sehen. Lange wird es nicht mehr dauern, bis auch diese Mauern verschwunden sind. Foto: Lisa Kieslinger
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Dieser Tage fuhr Marion Sosniok zufällig durch das Untere Stadtgäßchen in Kulmbach. "Ich war wie vom Donner gerüttelt, als ich sah, dass sie unser altes Zuhause abreißen", erzählt sie. Als Kind lebte sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder in dem Haus mit der Nummer vier.

Übrig ist davon nun kaum mehr etwas. Nur die Wände des unteren Stocks stehen noch. Daneben ein großer Haufen Steine, auf dem ein Bagger seine Arbeit verrichtet. Aus dem Inneren holt er einen großen Stein nach dem anderen und legt ihn auf die andere Seite. In ein paar Tagen wird von dem Haus nichts mehr zu sehen sein. Beim Vorbeigehen fragen sich viele Kulmbacher, warum das Haus abgerissen wird. Und viel wichtiger: Was soll an dieser Stelle entstehen?

Die Stadt Kulmbach wusste von den Plänen für das Gelände nichts und konnte aus datenschutzrechtlichen Gründen auch keine Auskunft über den aktuellen Eigentümer geben.


Wem gehört das Haus?

Die Spurensuche beginnt mit einem alten Adressbuch von 1996. Darin sind die Bewohner des Hauses im Unteren Stadtgäßchen 4 aufgelistet. Über dem Namen von Marion Sosniok steht ein weiterer ehemaliger Mieter, der den Namen Guido von Stephani ins Spiel bringt. Und Treffer: Vor sieben Jahren hat die Londoner Immobilienfirma Red Brick Ltd. auf Vermittlung von Guido von Stephani mehrere Immobilien in Kulmbach gekauft. Doch das ist nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit.

Die Londoner Firma investiert in der ganzen Welt. Von Schottland über Bulgarien bis nach Kambodscha. Für Kulmbach gibt Guido von Stephani Tipps, welche Immobilien kaufenswert sind. Er ist früher mit den beiden Geschäftsführern der Firma Red Brick Ltd., Matthew Keller und Martin Loat, zur Schule gegangen. Seit über 20 Jahren lebt er nun schon in Kulmbach.

Auf Nachfrage erklärt Guido von Stephani, warum das Haus abgerissen wird: "Es war komplett marode und teilweise sogar am Einstürzen." Zudem sei es nicht schützenswert gewesen. "Zwei Drittel waren neu und der Teil, der historisch war, war komplett verbastelt", erklärt er. Wenn das Haus weg ist, sollen auf diesem Gelände private Parkplätze entstehen.

Für Marion Sosniok verschwindet mit dem Abriss des Hauses ein Stück ihrer Kindheit. Doch die Erinnerung bleibt.

Auszug aus dem Kulmbacher Stadtarchiv: Haus-Nr. 89 [169], Stadtlehen, Unteres Stadtgäßchen 4

1552 Steffan Schirmer

1560 Jung Wolf Schirmers Hof ist 65 Schuh lang und 50 Schuh breit, samt einen daran anstoßenden Gärtlein

1564 Contz Reuß steuert 1 Ort und 31 Pfennig von 70 fl. Vermögen

1574 Jobst Wirt, Meurer

1579 Contz Reuß, Jobst Wirt

1629 Hans Reuß hat von seiner Mutter das Haus im "Vogts Gäßlein beim Mittelbad" erkauft

1752 Des verstorbenen Christoph Lorenz Fleischmann, Bürgermeister, Erben: Catharina Fleischmann geb. Hoffmann, Witwe und Johann Sebastian sowie Christoph Lorenz Fleischmann, Chirurg, besitzen das am "Culmbach" gelegene Haus.

1760 Johann Sebastian Emanuel Fleischmann, Ratsschreiber

1789 Des verstorbenen Johann Emanuel Sebastian Fleischmanns Witwe Magdalena Sophia, Johann Ennoch Popp, Flößinspektor, bekommen das Haus vererbt

1825 Adolarius Meyer, Chirurg von Ennoch Poppum 850 fl. erkauft
1882 Christian Ruckdeschel, Schneidermeister

1901 Johann Bär, Kaufmann

1931 Georg Bär Erben

1957 Anna Herold

1967 Anna Böller


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