"Sonnenschein und Wärme - das ist gut für Stimmung und Seele", freute sich der Vorsitzende des DGB-Ortskartells, Detlef Ramming, über den guten Besuch im Mönchshof-Biergarten.
"Im Handel geht die Angst um", sagte Betriebsrätin Angela Gantke und betonte, dass sie ausdrücklich für die gesamte Branche spreche und nicht für ihren Arbeitgeber Real ("Ich will da morgen wieder hin"). "Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst davor, krank zu werden, Angst vor dem Älterwerden, Angst, ausspioniert zu werden, und Angst vor dem Verdrängungswettbewerb", so Gantke.
Viel zu viele Leiharbeiter, viel zu viele Arbeitnehmer, die nicht nach dem Tarifvertrag bezahlt werden, viel zu viele geringfügig Beschäftigte und sogar Scheinselbstständige gebe es im Handel, so die Betriebsrätin. Auszubildende würden nicht übernommen oder nur mit Befristung. Und nicht selten gebe es nur Löhne von 4,50 Euro pro Stunde. Bei Öffnungszeiten von 7 bis 20 Uhr von Montag bis Samstag komme man auf 78 Wochenarbeitsstunden, doch selbst Vollzeitkräfte schafften offiziell nur 37,5 Stunden - und viele Abteilungen seien gerade mal mit einer Person besetzt.
"Jeder, der ein bisschen Mathematik kann, muss drauf kommen, dass das nicht funktionieren kann", so Angela Gantke. "Sonntagsöffnungen sind einfach nicht leistbar. Haben denn die Beschäftigten im Handel keine Familien?", klagte sie.
Die Betriebsrätin kritisierte ferner, dass Ruhezeiten nicht eingehalten werden. "Es ist nicht einmal gewährleistet, dass zwischen dem Arbeitsende und dem Beginn elf Stunden Ruhe liegen." Pausen würden nicht gemacht, oder aber man werde permanent gestört. Viele Beschäftigte klagten über eine ständige Überforderung. Ein weiteres Problem sei das permanente Outsourcing und Umstrukturieren - fast immer zu Lasten der Arbeitnehmer.
Der Höhepunkt sei aber die Situation bei Schlecker gewesen. "Dank der unsäglichen FDP hat es nicht einmal eine Transferlösung gegeben", prangerte Gantke an. Sie betonte, dass vor allem die Schlecker-Beschäftigten im ländlichen Raum schwer betroffen seien, denn hier würden Ersatz-Arbeitsplätze fehlen. "Wir fordern, dass endlich Schluss ist mit der neoliberalen Gewinnmaximierung", sagte die Rednerin und trat mit Vehemenz für gerechte Löhne und soziale Sicherheit ein.
Genau das war auch das Thema des Hauptredners: Jan Körper von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hatte sein Referat zum Thema "Gute Arbeit für Europa: Gerechte Löhne, soziale Sicherheit" nach einer Kundgebung von Martin Kannegiesser in letzter Minute geändert. Er machte die DGB-Maifeier in Kulmbach zu einer ganz persönlichen Abrechnung mit dem Arbeitgeberpräsidenten.