Heinersreuth

Das Steinkreuz am Ködnitzer Rangen und sein Geheimnis

Der mittelalterliche Sühnestein beim Pinsenhof, der an ein Verbrechen erinnert, ist zerbrochen. Harald Stark macht sich für seine Restaurierung stark.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bruchstein: Zusammen mit Kreisheimatpfleger und Kastellan Harald Stark (hinten) untersucht Helmut Popp aus Trebgast ("unser Plassenburg-Steinmetz") das beschädigte Steinkreuz. Foto: Stephan Tiroch
Bruchstein: Zusammen mit Kreisheimatpfleger und Kastellan Harald Stark (hinten) untersucht Helmut Popp aus Trebgast ("unser Plassenburg-Steinmetz") das beschädigte Steinkreuz. Foto: Stephan Tiroch
+3 Bilder
Am Ködnitzer Rangen, unweit von Heinersreuth, hat sich das Drama abgespielt. Vielleicht wurde ein Mann im Streit erschlagen, vielleicht wurde ein Nebenbuhler aus Eifersucht erstochen. Was hier - am Weg von der Plassenburg nach Trebgast - vor 500 oder 600 Jahren genau passiert ist, wissen wir nicht. Aber ein mittelalterliches Steinkreuz erinnert an diese Begebenheit.


Von Traktor gerammt?

Der Sühnestein stand in der Flur zwischen Pinsenhof und Haaghof - jetzt liegt er. In der Mitte durchgebrochen. Werner Hofmann, ehemaliger Burgführer und Stadtführer, hat vor mehr als zehn Jahren die Beschädigung entdeckt und Kreisheimatpfleger Harald Stark informiert. "Vermutlich ist der Stein von einem Traktor gerammt und beschädigt worden", so Stark.

Flurdenkmäler sind im Landkreis Kulmbach in den vergangenen Jahren immer mehr verschwunden. Zahlreiche Grenzsteine, Steinkreuze oder Martern sind verschollen, dem Straßenbau zum Opfer gefallen oder auch gestohlen worden. Spektakulärster Fall: die historische Salzlecke im Ziegelhüttener Forst. Dieser tonnenschwerer Trog wurde 1997 von Dieben aus dem Wald abtransportiert.


Relikt der Rechtspflege

Für Stark ein Grund mehr, sich darum zu kümmern, dass der denkmalgeschützte Sühnestein vom Ködnitzer Rangen restauriert wird. "Es handelt sich um ein Relikt der mittelalterlichen Rechtspflege. Davon gibt es noch einige in unserer Gegend, die sind aber an zwei Händen abzuzählen", erklärt der Plassenburg-Kastellan.

Er datiert den Stein auf das 15. oder frühe 16. Jahrhundert. Auf jeden Fall aus der Zeit vor dem Reichstag in Regensburg 1532, als das bis dahin geltende germanische Recht vom römischen Recht abgelöst wurde. Die Strafverfolgung war ab sofort Staatsangelegenheit.

Bis dahin konnte man sich bei Verbrechen wie Totschlag oder Diebstahl privat einigen. "Die Geschädigten oder Hinterbliebenen haben eine Geldentschädigung bekommen. Der Täter musste zur Buße eine Wallfahrt nach Jerusalem, Santiago oder Aachen machen und in Tatortnähe an einem Weg einen Sühnestein aufstellen. Dadurch sollten die Vorüberreisenden aufgefordert werden, für den Verstorbenen und die armen Seelen im Fegefeuer zu beten", erläutert Stark. "Bei heimtückischem Mord oder Straßenraub funktionierte so was nicht. Das waren todeswürdige Verbrechen."


Polizei hat ermittelt

Wie es zur Beschädigung des Steines kam, ist nicht geklärt. Grundstückseigentümerin Liselotte Vetter, Pinsenhof, erinnert sich: "Die Polizei hat damals ermittelt und Traktoren überprüft. Aber herausgekommen ist nichts."

Von ihr hat Stark das Einverständnis, tätig werden zu dürfen. Auch das Landratsamt sieht kein Problem, die denkmalpflegerische Erlaubnis zu erteilen. Laut Kreisbaumeister Andreas Schülein erfolgte wegen der Instandsetzung des Steins bereits eine Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Was Stark jetzt noch fehlt, ist: Geld. Der Kostenvoranschlag für die Restaurierung beläuft sich inklusive Bergung des Sandsteins auf 4300 Euro. Er hofft auf einen Zuschuss von Gemeinde, Landkreis und Denkmalamt.


Sponsoren gesucht

"Aber wir werden auch Sponsoren brauchen, die etwas zum Erhalt des Denkmals beitragen möchten", sagt er. Daher haben die Freunde der Plassenburg ein Spendenkonto eingerichtet. "Wenn genügend Geld zusammenkommt, soll's heuer noch losgehen", kündigt Stark an.

Er hat sich für die Steinarbeiten bereits einen Fachmann ausgeguckt: "Unseren Plassenburg-Steinmetz Helmut Popp." Dem Trebgaster ist der Schaden bekannt. Die Bruchstelle könne mit Natursteinkleber und Edelstahlankern repariert werden, meint er.


Bauhof könnte helfen

Bürgermeister Stephan Heckel-Michel begrüßt Starks Initiative. Die Gemeinde Ködnitz sei informiert. Über eine finanzielle Zuwendung müsse der Gemeinderat entscheiden. Heckel-Michel kann sich aber vorstellen, "dass wir Bauhofleistungen einbringen, dass unser Bauhof die Bergung des Steins und den Transport zum Restaurator übernimmt".


Spendenkonto

Sühnestein Der Verein Freunde der Plassenburg hat bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach für die Restaurierung des Steinkreuzes ein Spendenkonto eingerichtet. IBAN: DE86 7715 0000 0101 5934 65.

Spendenbescheinigung Für Beträge ab 50 Euro wird eine Spendenquittung ausgestellt. Dazu müssen Name und Anschrift auf der Überweisung angegeben werden. Sonst ist die Zusendung der Bescheinigung technisch nicht möglich, so Vorsitzender Peter Weith.


Drei Heimatpfleger im Landkreis

Im Landkreis Kulmbach wurden die Bezirke der ehrenamtlichen Kreisheimatpfleger neu aufgeteilt. Die Zuständigkeiten sind jetzt so geregelt - Stadt Kulmbach: Uwe Franke (neu/für Ruprecht Konrad); alter Landkreis Kulmbach: Harald Stark (für Dieter Schmudlach); ehemaliger Landkreis Stadtsteinach: Siegfried Sesselmann (neu/für Harald Stark). Die Bestellung der Kreisheimatpfleger erfolgt ohne zeitliche Begrenzung. Deren Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich des Denkmalschutzes
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren