Untersteinach
Ausbildung

Das Spezialtraining für Jagdhunde

Beim Kurs des Jagdgebrauchshundevereins in Untersteinach wir das Grundgehorsam geübt. Tiere und Besitzer sind mit Feuereifer bei der Sache.
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Auch das gehört dazu: Auf dem Übungsplatz in Untersteinach dürfen sich die jungen Hunde vor dem Training erst mal richtig austoben. Fotos: Adriane Lochner
Auch das gehört dazu: Auf dem Übungsplatz in Untersteinach dürfen sich die jungen Hunde vor dem Training erst mal richtig austoben. Fotos: Adriane Lochner
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"Sitz! Bleib!" So lauten die Kommandos. Doch die meisten Hunde springen aufgeregt auf dem Platz herum. Man kann es ihnen nicht verdenken. Alle sind zwischen sechs Monaten und einem Jahr alt - es ist ihr erster Schultag. An der Leine gehen, Sitzen, Platznehmen oder Liegenbleiben sind Lerninhalte, die an eine ganz normale Begleithundeausbildung erinnern. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass die meisten Herrchen grün angezogen sind und es sich bei den Azubis um Jagdhunde handelt.

Der Kurs zum Grundgehorsam, den der Jagdgebrauchshundeverein Oberfranken veranstaltet, hat begonnen. Teilnehmer aus Kulmbach und Bayreuth kommen ab sofort regelmäßig zum Übungsgelände in Untersteinach. Das Training zum Grundgehorsam dauert acht bis zehn Wochen. Im Juni findet eine Abschlussprüfung statt, ehe es weiter geht mit der Ausbildung zur jagdlichen Arbeit, mit der "Brauchbarkeit". Dabei wird das Suchen und Apportieren von Wild geübt.


Erlegtes Wild bringen

"Bei uns gibt es keine Hetzjagd. Das heißt: Die Hunde sollen das Wild nicht töten. Bei der Brauchbarkeit trainieren wir für die Arbeit nach dem Schuss. Die Hunde sollen erlegtes Wild zum Jäger bringen und verletztes Wild suchen, auch bei Verkehrsunfällen", sagt Harald Höhn, der Vorsitzende des Jagdgebrauchshundevereins. Den gibt es seit 125 Jahren. Höhn ist seit 30 Jahren Vorsitzender.

"Heutzutage haben wir ein höheres Verkehrsaufkommen als früher. Gehorsam steht bei der Hundeausbildung an erste Stelle", betont er. Hunde, die beispielsweise nicht auf das Kommando "Halt" oder "Down" gehorchen, würden bei Bewegungsjagden oft überfahren.


Früher wurde hart bestraft

Laut Höhn haben sich die Ausbildungsmethoden sehr verändert. Früher gab es die sogenannte Parforce-Dressur, bei der viel auf Härte und Zwang geschaut wurde. Gearbeitet wurde mit Stachelhalsband und Elektroreizgeräten. Letztere sind heute verboten. "Wir bilden konsequent und streng aus, aber ohne Gewalt. Ich möchte niemanden sehen, der seinen Hund schlägt oder tritt. Wir arbeiten positiv mit Belohnung", stellt auch Ausbilderin Heike Fillweber fest.

Es gibt etwa Vorsteh-, Schweiß-, Stöber-, Erd- oder Apportierhunde. Während Ausbilder Klaus Lenke von der Rasse Deutsch Drahthaar überzeugt ist, bevorzugt Fillweber Flat-Coated Retriever. Das sind Apportierspezialisten. Die Züchterin führt ihre Welpen spielerisch an die Arbeit heran.


Spaß bei der Jagd

"Mit Hilfe von Apportier-Spielzeug lernen sie, Gegenstände in den Fang zu nehmen", erklärt sie. Auf diese Weise hätten die Hunde von klein auf Spaß und seien motiviert bei der Jagd. Fillwebers Hunde sind vor allem auch Familienhunde, die Seite an Seite mit ihren Kindern leben.


Die Blutspur

Ähnlich ist das beim 56-jährigen Kursteilnehmer Rainer Frankenberger aus Thurnau. Seine Leyra, eine Kleine-Münsterländer-Hündin, lebt auch nicht draußen im Zwinger. Frankenberger geht seit 18 Jahren zur Jagd. Leya soll ein Allrounder werden, Enten und Hasen bringen oder verletzte Rehe anhand der Blutspur finden. Dafür übt er mit seiner Hündin auch fleißig zuhause. Überraschenderweise machen aber nicht nur Jäger den Kurs mit. Der 63-jährige Besitzer einer Deutsch-Drahthaar-Hündin aus Kasendorf geht nicht zur Jagd. Er sagt: "Ich möchte eine artgerechte Ausbildung für meinen Hund."


Die jüngste Teilnehmerin

Die jüngste Teilnehmerin ist die elfjährige Stella Reinhardt aus Miami. Sie lebt mit ihrer Familie in Kulmbach und geht am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium zur Schule. Ihr Hund, ein Deutsch-Kurzhaar-Rüde namens Amboss, soll ihren Vater Steven später bei der Jagd in den USA unterstützen. Zum Beispiel soll er Vögel und Hirsche finden, die Steven mit Pfeil und Bogen erlegt. Ob Stella später selbst mit Amboss zur Jagd geht, weiß sie noch nicht. Fest steht - das Hundetraining gemeinsam mit ihrem Vater macht ihr großen Spaß.


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