Eisenwind

Das Gedächtnis funktioniert wieder

In siebenmonatiger Arbeit hat Jürgen Müller das Archiv der Gemeinde Rugendorf auf Vordermann gebracht. Bis zurück ins Jahr 1632 hat er die Unterlagen der Kommune neu geordnet.
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Jürgen Müller zeigt das so genannte Dorfbuch aus dem Jahr 1659. Auch dieses Werk stammt aus dem Rugendorfer Gemeindearchiv, das der 63-Jährige in siebenmonatiger Arbeit neu geordenet hat. Foto: Matthias Beetz
Jürgen Müller zeigt das so genannte Dorfbuch aus dem Jahr 1659. Auch dieses Werk stammt aus dem Rugendorfer Gemeindearchiv, das der 63-Jährige in siebenmonatiger Arbeit neu geordenet hat. Foto: Matthias Beetz
Die "Archivmaus des Landkreises", wie sich der 63-Jährige selbst schmunzelnd nennt, hat wieder zugeschlagen: In siebenmonatiger Arbeit hat Jürgen Müller die zum Teil Jahrhunderte alten Unterlagen der Gemeinde Rugendorf neu geordnet. Das Archiv als Gedächtnis der Gemeinde - es funktioniert wieder.
Dass die Berge von Akten, Rechnungen und Belegen, die in der Gemeindekanzlei, dem Stadtsteinacher Rathaus und vor allen in den Rugendorfer Schule auf Aufarbeitung warteten, den Willmersreuther anfangs nicht aus der Ruhe gebracht haben, erklärt Müller ganz einfach. "Ich bin schon seit den 1980er Jahren in der Archivpflege tätig", sagt der Kunsthistoriker, der zwischendurch auch schon für das Kronacher Kulturreferat gearbeit hat. Kasendorf, Mainleus und Stadtsteinach sind einige seiner Stationen im Landkreis Kulmbach, an denen er Archive in Ordnung gebracht und übersichtlich gestaltet hat.

Für sieben Monate war Geld da


Das Gastspiel der "Archivmaus" in Stadtsteinach war letztlich der Ausgangspunkt dafür, dass auch Rugendorf in den Genuss seiner Dienste kommen durfte. "Ein Archiv leistet man sich nur, wenn auch genügend Geld da ist", kommentiert der Stadtsteinacher VG-Vorsitzende und Rugendorfer Bürgermeister Martin Weiß den glücklichen Umstand, dass es für die Arbeit in Stadtsteinach eine öffentliche Förderung gab und für Rugendorf noch Mittel für sieben Monate zur Verfügung standen.

"Die älteste Rechnung, die ich gefunden habe, stammt aus dem Jahr 1632, also mitten aus dem Dreißigjährigen Krieg", erzählt Jürgen Müller über seine Arbeit unter dem Dach der Rugendorfer Schule. "Das war eine Losauer Gemeinderechnung."

Das Dorfbuch von 1659


Dass er Sensationelles in den Unterlagen entdeckt hat, kann der 63-Jährige nicht behaupten. "Die ganz wichtigen Dinge wie Stadtbücher sind sicher im Staatsarchiv", betont er. "Aber es sind schon einige interessante Sachen dabei", ergänzt Müller und verweist beispielsweise auf das Dorfbuch von 1659.
Müller hat die zum Teil in althochdeutscher Sprache verfassten Unterlagen aus Rugendorf, Eisenwind, Feldbuch, Kübelhof, Losau, Poppenholz und Zettlitz bis in die Zeit der Gebietsreform geordnet und ist dabei nach dem bayerischen Einheitsaktenplan vorgegangen. Der ist nach Sachgebieten einer Verwaltung wie zum Beispiel Kassen- und Rechnungswesen, Steuererhebungen oder Feuerlöschwesen aufgebaut. Für die archivische Bestandsgliederung, so erzählt er, die einzelne Abteilungen wie Urkunden, Amtsbücher oder Druckschriften aufweist, seien zu wenig Unterlagen vorhanden gewesen.

Wenn das Rugenorfer Archiv nun in einem Top-Zustand ist und Jürgen Müller am Montag dem Gemeinderat den "Schlüssel" dazu, das so genannte Findbuch, überreichen kann, ist das nicht nur ein "Aushängeschild für die Gemeinde", wie Müller meint, sondern auch von Vorteil für die tägliche Arbeit der Verwaltung und die von Heimatforschern und geschichtlich interessierten Menschen. Was Georg Weisath aus Zettlitz nur bestätigen kann. Zusammen mit Walter Kynast aus Losau wird er bis 2016 zur 700-Jahr-Feier von Rugendorf eine Ortschronik anfertigen. Aber das ist eine andere Geschichte ...
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