"Ich komme mir vor wie eine Bettlerin", sagt Maria H. "Mein Mann und ich wollen nicht, dass jeder weiß, dass unser Lohn nicht zum Leben reicht und wir auf Hartz IV angewiesen sind." Trotzdem hat die 45-Jährige sich an die soziale Beratungsstelle der Caritas gewandt, um für ihren Sohn Leistungen des Bildungspakets zu bekommen. "Aber dass das so kompliziert ist, hätte ich nicht gedacht." Die Finanzierung des Mittagessens im Kinderhort hat sie beantragt und den Zuschuss für die Musikschule. Beim Sportverein, in dem ihr Junge Fußball spielt, mag sie nicht nach einer Beitragsermäßigung fragen: "Wenn sich das rumspricht, wird er auch noch gehänselt, weil er arm ist."
So wie der Kulmbacherin geht es vielen Eltern, die mit Hartz IV knapp über die Runden kommen und kein Geld übrig haben, um das musikalische oder sportliche Talent ihres Nachwuchses zu fördern. Unwissenheit, Scham, die vielen Antragsformulare und das Bewusstsein, dass die möglichen Leistungen ohnehin nicht ausreichen, sorgen dafür, dass wenige die Möglichkeiten in Anspruch nehmen.

Ein zu enges Korsett


"Wenn man wirklich wollte, dass Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen mehr Chancen auf Bildung und bessere Berufe bekommen, hätte man nicht so hohe Hürden errichtet", kritisiert Agathe Wachter vom ökumenischen Arbeitslosentreff, die täglich mit Betroffenen zu tun hat. Und ihre Kollegin Marion Hofmann formuliert es noch drastischer: "Das Bildungspaket ist das Papier nicht wert, auf dem es steht."
Warum? "Es wird dem besonderen Bildungsbedarf der Kinder nicht gerecht. Die Vorgaben sind ein so enges Korsett, dass viele keine Leistungen bekommen, obwohl sie sie dringend bräuchten, sagt Hofmann. Beispiel Lernförderung: "Nachhilfe wird nur bezahlt, wenn die Versetzung gefährdet ist, nicht, wenn das Kind einfach bessere Noten erreichen will, um ans Gymnasium wechseln zu können oder den Quali zu schaffen."
Es ist keine Randgruppe, die auf Förderung angewiesen ist, betont Agathe Wachter: "Zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen leben von Hartz IV." Dass deren Eltern um jede Kleinigkeit für ihre Kinder betteln müssen, findet auch Pia Schmidt von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie "unwürdig".
Ohnehin decken die Zuschüsse nicht die Kosten für die Ausbildung der Kinder, macht Soraya Hebentanz von der Caritas deutlich. Denn der Zuschuss für Mitgliedsbeiträge und Musikunterricht ist auf zehn Euro monatlich begrenzt. Vor allem für Alleinerziehende seien zusätzliche Ausgaben kaum zu stemmen.

Diese Erfahrung hat auch Kerstin K. gemacht. Die Kulmbacherin ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern.
Mehr über die Probleme und welche Lösung sie sich wünscht, lesenSie in der Dienstagsausgabe der Bayerischen Rundschau.