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Konzert

Cello-Klänge inmitten von Dampfrössern

Meisterschüler des Hauses Marteau musizierten im Lokschuppen des Deutschen Dampflok-Museum.
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Meng-Hsuan Shieh aus Taiwan, "Elisa" Seungyeon Hong aus Korea, Julia Carrasco Martinez aus Spanien und Christoph Pickelmann aus Deutschland zeigten sich beim Konzert im DDM in Bestform. Foto: Adam
Meng-Hsuan Shieh aus Taiwan, "Elisa" Seungyeon Hong aus Korea, Julia Carrasco Martinez aus Spanien und Christoph Pickelmann aus Deutschland zeigten sich beim Konzert im DDM in Bestform. Foto: Adam
Tonnenschwer stehen die alten schwarzen Dampflokomotiven im Lokschuppen des Deutschen Dampflokomotivmuseums. Es liegt diese besondere Mischung aus Motorenöl und technischen Betriebsstoffen in der Luft. Doch während normalerweise Technik- und Eisenbahnfreaks in den alten Lokschuppen pilgern und die alten Reichsbahn-Schätzchen bewundern, ging es diesmal um feinsinnige Kunst. Denn die internationale Begegnungsstätte des Bezirkes Oberfranken - das Haus Marteau - machte im Dampflokomotivmuseum Station.
Professor Reiner Ginzel von der Hochschule für Musik und Theater in München hat vier seiner Schützlinge mitgebracht: Julia Carrasco Martinez ist 24 Jahre alt, sie kommt aus Spanien. Für das Konzert im Lokschuppen hatte sie sich die schwerste Cellosuite von Johann-Sebastian Bach ausgesucht: die Suite Nr. 6. Bach hat das Werk eigentlich für ein fünfsaitiges Cello geschrieben, doch moderne Celli haben nur vier.
Deshalb erfordert das Werk akrobatische Lagen-Übungen und stellte schon rein technisch höchste Anforderungen. Julia Carrasco Martinez meisterte es spielerisch.


Gefällige Interpretation

Christoph Pickelmann (28) aus Oberbayern hat sich die Bach-Suite Nr. 1 - das Prelude, die Sarabande und das Menuett I und II ausgesucht. In sehr gefälliger Weise interpretierte Pickelmann die tänzerischen Stücke, arbeitete Steigerungen schön heraus, ohne zu übertreiben.
"Elisa" Seungyeon Hong (20) aus Korea und Meng-Hsuan Shieh (23) teilten sich Bachs Suite Nr 3. in C-Dur, ebenfalls ein anspruchsvoller Klassiker für Cellisten. Seungyeon Hong hat sich die Allemande und die Courante ausgesucht, Meng-Hsuan Shieh die Sarabande, die Bourrées und die Gigue. Beide Cellisten zeigten Potenzial und großes Können. So arbeitete Seungyeon Hong die tändelnd-spielerischen Elemente deutlich heraus, Meng-Hsuan Shieh zeigte bei dem fast schon priesterlichen Schreittanz, der Sarabande, dass er auch ernste Passagen "sehr erwachsen" intonieren kann. Aber auch die leichten Bourrées und die Gigue gelangen Meng-Hsuan Shieh mit wunderschönem Ton.
Beim Konzert im Lokschuppen präsentierten sich die vier Nachwuchs-Cellisten, von denen man sicherlich in den nächsten Jahren noch einiges hören wird, allerdings nicht nur solistisch, sondern sie hatten - gemeinsam mit dem Professor - auch Quartett-Werke zum Genießen einstudiert. Die Palette reichte von Georg Christoph Wagenseils "Sonata in D" bis zum Vorspiel von Giuseppe Verdis "La Traviata" oder Richard Wagners "Feierlichem Stück".


Raritäten auf Lager

Während draußen die Sonne leicht unterging und den Himmel über dem Lokschuppen rosarot färbte, erklang "La Poesia" von Saverio Mercadante - die Kulisse bot ein prächtiges Naturschauspiel. Doch Reiner Ginzel hatte noch andere Raritäten auf Lager. Sein Sohn hatte das Gitarrenstück "Asturias" von Isaac Albéniz für Celli umgeschrieben - eine äußerst gelungene Komposition. Denn das Celloquartett zupfte das Stück - und imitierte die Gitarren in perfekter Weise. Sogar die Akkorde.