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Car-Wrapping: Verpackungskünste aus Untersteinach

Der Untersteinacher André Weber hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Car-Wrapping, das Folieren von Autos, ist längst nicht mehr nur in der Tuner-Szene ein Thema.
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Mit handwerklichen Fähigkeiten und Fachwissen gelingt André Weber die Autofolierung. Foto: Matthias Beetz
Mit handwerklichen Fähigkeiten und Fachwissen gelingt André Weber die Autofolierung. Foto: Matthias Beetz
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Wer die Karosserie seines Fahrzeugs mit Folie überziehen lässt, der muss nicht unbedingt ein Autonarr oder Design-Fan sein. André Weber aus Untersteinach kennt viele Argumente, die für eine solche Investition sprechen. Als Folierer - neudeutsch Car-Wrapper genannt - hat er ständig damit zu tun.

Peter Müller hat dieser Tage in eine Dachfolierung investiert. "Der alte Überzug war einfach unansehnlich geworden und offensichtlich auch von minderer Qualität", erklärt der Kulmbacher. Er musste also davon ausgehen, dass sich die Beschichtung nach und nach komplett verabschiedet. Und das wollte er nicht. "Die neue Folie ist unumgänglich, sonst kann man den Wagen nicht mehr verkaufen", sagt er. Also wandte er sich an André Weber.
Dass die Spezialfolie nicht einfach mal so hingeklebt wird, das wusste der Kulmbacher. Dass Folie allerdings auch ein Gedächtnis hat, das Probleme machen kann, war ihm neu.


Schutz, Werterhaltung und Design

André Weber erfüllt mit seiner Tätigkeit die verschiedensten Ansprüche. Die einen wollen mit einer Folierung nur den Lack ihres Wagens schützen; die anderen schauen bei der Anschaffung gleich auf den Wiederverkaufswert ihres fahrbaren Untersatzes. Und wiederum andere kombinieren: Sie kaufen einen Neuwagen in gängiger Lackierung, um ihn später wieder problemlos abstoßen zu können. Und zwischendrin bekommt der Wagen eine Folierung nach eigenem Geschmack. "Personalisieren" nennt das der Fachmann.

André Weber ist gelernter Offset-Drucker und hat rund zehn Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Sein Interesse für Fahrzeuge ("Ich war schon immer autobegeistert") führte ihn frühzeitig in die Tuner-Szene - und letztlich mit dem eigenen VW Golf zu einem Folierer in den Osten. Aus dem grauen Allerweltsauto wurde dort binnen kurzer Zeit ein mintgrüner Renner - und aus André Weber ein Car-Wrapping-Fan. Wrapping kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie einpacken.

Der inzwischen 30-Jährige absolvierte eine Ausbildung zum Werbetechniker und übernahm einen Job bei der SD-Verkehrsmittelwerbung in Kulmbach, die überall im Bundesgebiet Busse und Straßenbahnen mit Werbeaufdrucken bestückt.


Vom Hobby zum Beruf

30 Prozent seines Arbeitspensums, so schätzt Weber, gehen inzwischen auf das Konto seiner Nebenbeschäftigung "Car-Wrapping". "Das Hobby zum Beruf gemacht", sagt der Untersteinacher zufrieden, der sich durch ständiges Üben und die Freundschaft zu Marco Dittl alle Raffinessen der Folierkunst beigebracht hat. Dittl ist kein Geringerer als der Weltmeister im Car-Wrapping.

Den Großteil seiner Kundschaft machen die Auto-Enthusiasten aus. "Die wollen einfach etwas anderes haben, kein Auto von der Stange", erzählt Weber. Für andere gilt sogar: Auffallen um jeden Preis.

Darauf ist die Branche inzwischen gut vorbereitet: Es gibt Fahrzeugfolien in nahezu allen Designs und Ausführungen. Ob Digitaldruck mit Bildern, Mustern und Schriften oder Folien mit Spezialeffekten wie Carbon-, Leder oder Stoff-Style - die Auswahl ist riesig. Sogar Folien mit Metalleinschlüssen, die nach und nach rosten, sind zu bekommen. "Aber dieser Trend ist vorbei", sagt Weber, der auch eigene Design-Vorschläge anfertigt.

Von der Vorstellung, dass man ein Auto mal auf die Schnelle selbst "bekleben" kann, kommt jeder ab, der dem Untersteinacher einmal bei der Arbeit über die Schultern schaut. Es gibt keine vorgefertigten Formstücke, jedes Karosserieteil wird individuell zugeschnitten. Und zwar nicht mit einem Messer oder einer Schere, sondern mit einem Spezialfaden, der jegliche Lackschäden ausschließt.

Sind Rundungen - zum Beispiel an Stoßstange oder Spiegel - zu folieren, dann kommt Fachwissen um Temperaturen und Dehnungseigenschaften ins Spiel. Und auch das "Gedächtnis" einer Folie sollte man nicht außer Acht lassen. Immerhin will so ein Stück Plastik immer wieder in seine Urform zurück. André Weber weiß, wie man diese Memory-Eigenschaft ausschaltet. Wer mehr darüber erfahren will, der kann sich auch auf der Homepage (www.weber-wrapping.de) des Untersteinacher Verpackungskünstlers informieren.


Sinkende Kosten

In der Tuner-Szene ist Car-Wrapping seit Jahren bekannt und beliebt. "Jetzt ist der Trend auch beim Normalverbraucher angekommen, die Nachfrage steigt stetig", hat André Weber festgestellt. Das liegt wohl auch daran, dass die Kosten für eine Fahrzeug-Folierung die einst schwindelerregenden Höhen verlassen haben. Ein "eingepackter" Golf ist schon ab 1000 Euro zu bekommen.

Was die aktuellen Trends angeht, sind Matt-Töne und personalisierte Designs nachgefragt. Für Peter Müller war das aber kein Thema. Sein Wagen sollte nur wieder ordentlich aussehen. Das Ergebnis? Der Kulmbacher ist vollauf zufrieden: "Besser als neu." Für ihn ist es durchaus vorstellbar, André Weber auch für die Möbelfolierung zu engagieren, die er anbietet. Aber das ist eine andere Geschichte...
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