Trebgast
Theater

Bühne wird Räuberburg

Räuber, Graugnome und Wilddruden erobern jetzt die Trebgaster Naturbühne. Am Freitag findet die Premiere des Kinderstücks "Ronja Räubertochter" statt.
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Die beiden Räuberkinder Ronja (Annika Ködel) und Birk (Paul Konrad) Foto: Dieter Hübner
Die beiden Räuberkinder Ronja (Annika Ködel) und Birk (Paul Konrad) Foto: Dieter Hübner
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"Spaziergänger, Wanderer, Jogger und Verkehrsteilnehmer, bitte aufpassen: Zwischen der auf Kreisstraße KU 10 von Trebgast nach Eichholz, und der fast parallel verlaufenden KU 15 von Trebgast nach Lindau, können Ihnen in der Zeit vom Freitag, 27. Mai, bis Sonntag, 14. August, im Waldstück am Wehlitzer Berg Räuber und sonstige unliebsame Gesellen, wie Graugnome und Wilddruden, begegnen. Es handelt sich dabei gleich um zwei rivalisierende Banden, die sich für elf Wochen vorübergehend hier niederlassen und ihr Unwesen treiben (...) Es könnte auch sein, dass Sie unvermutet auf zwei zehn- bis zwölfjährige Kinder treffen, die auf die Namen Ronja und Birk hören  ..."


Tickets und Termine online

Soweit die offizielle Mitteilung, die am Mittwoch von der Naturbühne Trebgast an die Redaktion herausgegeben wurde. Der Wehlitzer Wald wird zur Räuberhöhle.
Vorsitzender Siegfried Küspert gibt noch einige Verhaltenshinweise: "Bitte bleiben Sie in diesem Bereich auf den ausgeschilderten und markierten Wegen und rechnen Sie in diesen elf Wochen stets mit dem Schlimmsten. Versuchen Sie nicht, den Helden zu spielen, falls es doch zu einer zufälligen Begegnung mit einem oder mehreren dieser vorübergehenden Waldbewohner kommen sollte." Küspert rät trotzdem allen, den Bereich nicht weiträumig zu umfahren, sondern Ruhe zu bewahren, und sich das Spektakel sogar anzuschauen. In weiser Voraussicht wurden dafür bereits bestimmte Termine festgelegt, die im Internet unter www.naturbuehne-trebgast.de einsehbar sind. Dort können auch die jeweils erforderlichen Tickets reserviert und gebucht werden.

Bei den Recherchen stoßen wir auf Hinweise darauf, dass die Aktion von langer Hand vorbereitet wurde. Urheberin dieser Räubergeschichte ist die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Mit ihrem Buch von 1981, in dem sie Position ergreift für Freiheit, Emanzipation, Treue, Respekt, Freundschaft und Liebe, und gegen Vorurteile, Konkurrenzdenken und Gewalt, hat sie den Stein ins Rollen, beziehungsweise die Räuber in den Mattiswald gebracht.

Für die Inszenierung vor Ort ist Isabella Leicht verantwortlich, die in München ihren Lebensmittelpunkt hat, und dort als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin ausgebildet wurde. "Diese Vielfalt bietet mir die Möglichkeit, sehr viel freier zu arbeiten und nicht von einem Arbeitgeber abhängig zu sein", erklärt sie auf Nachfrage.


Regisseurin war selbst Ronia

Sie hat schon in Episoden von Fernsehserien, beispielsweise bei "Weißblaue Wintergeschichten" (Sendetermine 2017, ZDF), "Hubert & Staller" und Rosenheim-Cops", mitgewirkt. 2010 spielte sie auf der Luisenburg im Volksstück "Tannöd" und im Musical "Rocky Horror Show" die Hauptrolle der "Janet". Und auch als "Ronja" stand sie bereits auf der Bühne. Als Regisseurin arbeitet sie auch immer wieder in Oberammergau, wo zwischen dem zehnjährigen Rhythmus der Passionsspiele andere Stücke aufgeführt werden.

Leicht bekennt, durch einen "Komplizen" auf die Naturbühne aufmerksam geworden zu sein. "Zu Hermann J. Vief, der im letzten Jahr, zusammen mit Marion Beyer, hier sehr erfolgreich ,Don Camillo und seine Herde' inszeniert hat, besteht seit Jahren ein loser Kontakt. Ich habe mir deshalb 2015 ein Stück in Trebgast angeschaut, fand die Bühne ganz toll, und dann ging es ganz schnell."


Stück passt zur Bühne

"Mir fällt kein Kinderstück ein, das besser in diesen Wald passen würde", ist die Regisseurin von der Naturkulisse begeistert. "Die Zuschauer werden zwar keine echte Burg sehen. Damit hätten wir nur einen großen Teil des Areals verdeckt. Unsere Räuberburg ist einfach die ganze Bühne. Da wird auch die Fantasie der Besucher etwas gefordert." Leicht versucht, mit möglichst wenig Technik auszukommen. "Dafür werden wir die Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser als Grundpfeiler einbauen." Wenn es wirklich emotional wird, setzen Musikpassagen mit Gitarre, Querflöte und viel selbstgebastelten Instrumenten, wie Donner und Fußschellen aus Kronenkorken, noch einen drauf.

Spannend sei es gewesen, die 26 Aktiven mit einer Altersspanne von sechs bis 66 Jahren unter einen Hut zu bringen, beschreibt Leicht die Vorbereitungen "Da geht es um mehr als nur Regie zu führen. Da ist man auch als Mentor, Coach und Psychologe gefragt."


Leicht verspricht ein Happy End

Jetzt kommt sie also mit "Ronja Räubertochter" auf den Trebgaster Kulturhügel. Die Ankunft der Räuber, Graugnome, Rumpelwichte und Wilddruden ist für 20.30 Uhr am morgigen Freitag angekündigt. Es ist zu befürchten, dass sie mit lautem Getöse auf sich aufmerksam machen werden. Während sich die Räuberanführer Mattis und Borka spinnefeind sind, lernen sich ihre Kinder Ronja und Birk zufällig am Höllenschlund kennen und freunden sich an, sehr zum Unwillen ihrer Sippen. Am Ende zeigen die beiden Kinder, dass die Liebe stärker ist als der Hass und - anders als bei Shakespeares "Romeo und Julia" - gibt es ein Happy End.
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