Laden...
Bayreuth
Gericht

Brutaler Rockerüberfall: Halswirbelbruch beim Opfer wurde zu spät erkannt

Der Prozess um den brutalen Rockerüberfall "Grave Diggers" gegen "Free Easy Riders" wurde am Dienstag fortgesetzt. Das Opfer, das beinahe im Rollstuhl landete, erzählte von seinen schweren Verletzungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit Fußtritten gegen Kopf und Oberkörper haben die sechs Angeklagten das am Boden liegende Opfer fast bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und schwer verletzt. Symbolbild: BR-Archiv
Mit Fußtritten gegen Kopf und Oberkörper haben die sechs Angeklagten das am Boden liegende Opfer fast bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und schwer verletzt. Symbolbild: BR-Archiv
Elf Zeugen waren ursprünglich vorgesehen am 2. Verhandlungstag, aber ein einziger bestimmte den Tagesablauf: das Opfer, ein heute 51-jähriger Mann, zuletzt Außendienstmitarbeiter, wohnhaft in Wunsiedel. Der Mann, Präsident der "Free Easy Riders Gold City", wurde am 10. September 2010 in Goldkronach von Mitgliedern der rivalisierenden "Grave Diggers" (Totengräber) um ein Haar zu Tode geprügelt. Stundenlang schilderte er vor Gericht das Geschehen und die Folgen in allen Einzelheiten.

Wie berichtet, müssen sich sechs Mitglieder der "Grave Diggers" im Alter zwischen 26 und 53 Jahren aus Bayreuth, Erbendorf, Kirchenlamitz, Röslau und Thierstein wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. "Die Schmerzen waren unerträglich", sagte der Mann. Zu allem Überfluss hatten die behandelten Ärzte einen Halswirbelbruch viel zu spät erkannt. Das Krankenhaus hatte das Opfer sogar wieder nach Hause geschickt. Erst ein Bayreuther Neurochirurg hatte den Halswirbelbruch diagnostiziert und eine sofortige Operation eingeleitet.

Ein Jahr lang krankgeschrieben

"Es hing alles am seidenen Faden, ich kann wirklich von Glück sprechen, dass ich nicht im Rollstuhl gelandet bin", so der Zeuge. Nach der Operation sei er dann zunächst auf Reha gewesen, danach hätten ihn die behandelnden Ärzte rund ein Jahr lang krankgeschrieben. Richtig Fuß fassen konnte der Mann beruflich seitdem nicht mehr. Er muss unter anderem mit einer Stahlplatte zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel leben, seine Frau ist seit dem Überfall psychisch beeinträchtigt.

Schuld sind seinen Worten zufolge die sechs Angeklagten, die er alle im Gerichtssaal identifizierte, zwei sogar mit Namen. Unter einem Vorwand hatten sie ihn am späten Abend des 10. September 2010 aus dem Clubheim in Goldkronach gelockt. So wie man es aus Filmen kennt, hätten sie sich in Poser-Stellung mit verschränkten Armen vor ihm aufgebaut. Als er flüchten wollte, habe ihm einer mit dem Fuß zwischen die Beine geschlagen. Dann sollen ihm die Männer entweder CS-Gas oder Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben, ehe sie den wehrlos am Boden liegenden mit Schlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper fast bis zur Bewusstlosigkeit verprügelten.

Erst als die Ehefrau des Opfers und dessen Söhne ins Freie kamen, flüchteten die Männer. Im Rettungswagen hatte der 51-Jährige später nicht einmal mehr seinen Namen gewusst.
Mehr und mehr wurde mit der Befragung des Opfers auch klar, dass es tatsächlich um ein Patch, also um einen Aufnäher, auf der Kutte (Lederjacke) der "Free Easy Riders Gold City" ging. 24 Zentimeter war der Patch groß und zeigte "Uncle Sam als Knochenmann", wie es der 51-Jährige beschrieb.

Für Insider blutiger Ernst

Schon bei der Gründung der "Free Easy Riders" habe es deshalb Probleme gegeben. Immer wieder seien er und seine Mitglieder von den "Grave Diggers" aufgeforderte worden, den Patch abzumachen, immer wieder seien er und seine Mitstreiter bedroht worden. Ernst genommen habe er das alles nie. Was für einen Außenstehenden völlig kindisch erscheint, ist für Insider blutiger Ernst, denn letztlich geht es um Gebietsansprüche, um Einfluss und um Macht. Offensichtlich wollten die "Grave Diggers" in den Landkreisen Bayreuth und Wunsiedel keinen zweiten Motorradclub dulden.

Am ersten Verhandlungstag hatten die angeklagten Männer, die alle einen Beruf haben und in Arbeit stehen, keine Angaben zur Sache gemacht. Für die Verhandlung wurden insgesamt sechs Verhandlungstage bis zum 21.Juli angesetzt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren