Brücklein
Theater

Brückleiner Gruppe: Lokalkolorit und Gags am Fließband

Die Brückleiner Gruppe überzeugt in dem Vierakter "Ein unvergesslicher Wahlkampf". Björn Sommerer erntet wahre Lachsalven. Nach der Premiere haben die Fans noch fünf Mal Gelegenheit, das lustige Stück zu sehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine tragende Rolle im doppelten Wortsinn spielte Björn Sommerer beim Auftritt der Theatergruppe Brücklein. Fotos: Horst wunner
Eine tragende Rolle im doppelten Wortsinn spielte Björn Sommerer beim Auftritt der Theatergruppe Brücklein. Fotos: Horst wunner
+6 Bilder
Vorab ein Kompliment an die gesamte Mannschaft der Theatergruppe Brücklein: Mit der Komödie "Ein unvergesslicher Wahlkampf" gelingt den sieben Akteuren ein flüssiger, durchgängiger und mit vielen Gags gespickter Vierakter, der keine Wünsche offen lässt. Textsicher und auch für eine Premiere selbstsicher, präsentieren sich die Laienschauspieler - alle mit jahrelanger Bühnenerfahrung ausgestattet - von ihrer Sonnenseite. Es gab nichts auszusetzen, das Ensemble agierte sozusagen topfit.

Das Stück lebt von einer Menge Lokalkolorit. Da sind das Eishaus, die Dreifachturnhalle und eine geplante Tiefgarage neben dem Bräuwerck Wahlkampfziele, der Polit-Wettstreit selbst zwischen dem amtierenden Bürgermeister und seiner als Gegenkandidatin auftretenden Ehefrau birgt viele Überraschungsmomente.
Ein BH nimmt die entscheidende Funktion ein. Er beeinflusst als corpus delicti quasi den Ausgang der Wahl, die so geplant ist. Mehr wird nicht verraten, man muss sich persönlich vom Happy- End überzeugen. Gelegenheit dazu besteht noch bei fünf weiteren Auftritten.


Anspielungen - rein zufällig

Regisseurin Susanne Hofknecht, gleichzeitig kaum benötigte Souffleuse, hat die Rollen klug verteilt, die Spannung hoch gehalten und mit Fingerspitzengefühl Personen aus der Gemeindeverwaltung eingebaut. Anspielungen zum richtigen Leben wären rein zufällig.

Eine gewisse Aktualität lag darin, dass Björn Sommerer den amtierenden Bürgermeister spielen darf, ein Amt, das er bei der Kommunalwahl 2014 knapp verpasste. Er liefert, wie gewohnt, wieder eine schauspielerische Glanzleistung ab, offeriert Gemütszustände von Hysterie bis zur überlegten Ruhe und Lässigkeit. Und sein Rock'n-Roll-Hüftwackler löst Lachsalven aus. Sommerer zieht alle mimischen Register, ein Schwergewicht des Theaters im wahrsten Sinn des Wortes.

Silke Strobel hat sprachliche Schwerstarbeit zu vollbringen, verschiedene Charakterzüge zu zeigen und die Bandbreite von der keifenden Ehefrau bis zur Grande Dame zu bewältigen. Selbst im Sieg als Gegenkandidatin für das Bürgermeisteramt beweist sie Größe. Mit Resolutheit, einer Portion Hübschsein und etwas Intrige überwindet sie spielend leicht hohe Hürden. Ihr gebührt ein Sonderlob.

Und was wäre Brücklein ohne Frank Stöcker, dem geborenen Volksschauspieler. Man muss ihn mögen, denn er ist ein verschmitzt hintergründiger Mime, dessen treuer Blick und trockener Humor Bände sprechen. Er ist für komische Momente zuständig und nutzt das profihaft.

Marco Zapf verkörpert den typischen Lokalpolitiker, konservativ und mit dem richtigen Riecher. Die frühere Reserviertheit hat er abgelegt, springt voll auf den Wahlkampfzug auf.

Annika Schott und Tanja Herrmannsdörfer strahlen Pep und Eleganz aus. Beide fügen sich wunderbar ein, sorgen für die intellektuelle Note.

Bliebe noch Alexander Jungwirth als Gemeindesekretär. Besser kann man eine Amtsperson nicht spielen, ihm gelingt auch die Gratwanderung des alternden Liebhabers.

Insgesamt eine sehr gelungene Aufführung, die vom zahlreichen Premierenpublikum heftig beklatscht wird. Der Besuch ist empfehlenswert.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren