Kulmbach
Verhandlung

Brand im Kreis Kulmbach: Zündete sich der Angeklagte im Streit selbst an?

Einem Garagenbrand mit ungewöhnlicher Ursache spürt das Amtsgericht Kulmbach nach. Ausgelöst hat das Feuer wohl ein 41-Jähriger, der sich während eines Zwists mit seiner Freundin mit Benzin übergoss. Beide wurden schwer verletzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Feuerwehr hatte den Garagenbrand am 25. November 2013 im Landkreis Kulmbach schnell unter Kontrolle. Der Fall hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel, denn das Feuer soll auf äußerst ungewöhnliche Weise ausgebrochen sein. Foto: Symbolbild News5 / Herse
Die Feuerwehr hatte den Garagenbrand am 25. November 2013 im Landkreis Kulmbach schnell unter Kontrolle. Der Fall hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel, denn das Feuer soll auf äußerst ungewöhnliche Weise ausgebrochen sein. Foto: Symbolbild News5 / Herse
Die schweren Brandverletzungen machen ihm heute noch zu schaffen, auch am Donnerstagnachmittag im Saal 17 des Kulmbacher Amtsgerichts. Dort sitzt der 41-Jährige aus dem Landkreis auf der Anklagebank. Zur Last gelegt werden ihm fahrlässige Brandstiftung und Körperverletzung nach einem Feuer in einer Garage im Landkreis. Eines der Opfer ist er selber - die anderen beiden: eine 92-Jährige, die mit im Haus wohnte und eine Rauchgasvergiftung erlitt, sowie seine Verlobte. Die Verletzungen waren so gravierend, dass das Paar in eine Nürnberger Spezialklinik gebracht und mehrfach operiert werden musste. Auch Hautverpflanzungen waren nötig.

In der Garage aneinandergeraten

Ausgang des Übels war offenbar ein Streit der beiden im Haus, das der Mutter der 31-Jährigen gehört. Die Auseinandersetzung war so laut, dass sogar die aufgeschreckten Nachbarn überlegten, die Polizei zu holen. Die Beziehungskiste sollte sich für die beiden Streithähne zu einer dramatischen Situation verschärfen: Denn plötzlich, bekundete die Lebensgefährtin, soll ihr Freund sich mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet haben. So jedenfalls berichtete es die 31-Jährige schon in jener verhängnisvollen Nacht des 25. November 2013 einem Sanitäter und einem Streifenpolizisten. Beide waren zum Anwesen des Paares gerufen worden, als von dort die Nachbarn das Feuer in der Garage gemeldet hatten. Der Sachschaden wird mit rund 30 000 Euro angegeben.
Während der Angeklagte gestern in der Verhandlung angab, sich nicht an die entscheidenden Minuten mehr erinnern zu können, hatte seine Lebensgefährtin vor Amtsrichterin Sieglinde Tettman Folgendes ausgesagt: Ihr Freund soll sich seiner Arbeitsbekleidung entledigt und während des Streits plötzlich mit Benzin übergossen haben. Es sei wohl eine Verzweiflungstat gewesen, da er fälschlicher Weise angenommen hatte, sie habe ihm den Laufpass geben wollen.
Allerdings gab es Differenzen in den Aussagen, wie genau der Angeklagte und auf Grund der Verpuffung schließlich auch seine Freundin durch die Flammen schwere Verletzungen an Rumpf, Beinen und Armen erlitten. In ihrer mündlichen Vernehmung hatte die Frau erklärt, sie habe im Gerangel ihrem Freund das brennende Feuerzeug aus der Hand geschlagen, so dass es zu Boden fiel. Das wollte sie gestern so nicht bestätigen.
Allerdings beteuerte sie nun: "Unsere Beziehung ist jetzt perfekt, wir wollen heiraten." Ihr Verlobter sprach von einem "heilsamen Schock". Beide hätten, teils durch Entzug in einer Klinik, den Drogen mittlerweile abgeschworen.

Amphetamin und Alkohol im Blut

Dass beide in der Unfallnacht erheblich den gefährlichen Aufputschmitteln zugesprochen hatten, belegten Blutuntersuchungen: Er und sie hatten sowohl Alkohol als auch Amphe tamine ("Crystal") intus, Letzteres in nicht unerheblicher Menge. Das veranlasste Verteidiger Alexander Schmidtgall zu der Überlegung, die Aussagen der Zeugin von einem psychologischen Gutachter überprüfen zu lassen. "Die Mischung kann die Wahrnehmung erheblich beeinflussen. Wer weiß, ob sich der Vorfall tatsächlich so ereignet hat, wie sie es schildert."
Richterin Tettmann hielt dem entgegen, dass die Zeugin diese Aussage mehrfach bei Vernehmungen gemacht habe, wenn auch immer "in Varianten". Der Streifenpolizist, der die Verletzte am Unfallort befragt hatte, sagte aus, sie habe auf ihn einen wachen Eindruck gemacht und logisch auf seine Fragen reagiert. Über den 41-Jährigen äußerte der Zeuge, er habe offenbar kurz mit dem Gedanken gespielt zu türmen oder sich im Gebäude zu verschanzen, weil er angeblich nicht wieder ins Gefängnis wollte. Der Mann ist aktenkundig. Sein Verhalten kam auch einer Nachbarin komisch vor. Sie habe beim Wahrnehmen des Feuers sofort einen Zugang in die brennende Garage gesucht. "Ich habe gerufen: ,Ihr müsst raus!'" Dabei soll ihr der Angeklagte die Tür zunächst vor der Nase zugeschlagen haben. Schließlich schaffte es die 31-Jährige ins Freie und fuhr noch den in der Garage abgestellten Wagen nach draußen, um zu verhindern, dass die Flammen auf den Tank übergreifen und eine Explosion die Folge gewesen wäre.

Fortsetzung: nächsten Freitag

Zur Klärung des Unfallhergangs hätte Richterin Tettmann gerne auch einen Kripobeamten gehört, der die Brandspuren ausgewertet hat, doch der Fachmann war verhindert. Er soll bei einem Fortsetzungstermin am kommenden Freitag aussagen.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren