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Stadtsteinach
Holz

"Botschafter der Bäume" kommt nach Stadtsteinach

Viele kennen Erwin Thoma als Holzpapst oder Botschafter der Bäume. Am 10. November kommt der Österreicher nach Stadtsteinach.
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Erwin Thoma Foto: privat
Erwin Thoma Foto: privat
Ab 19.30 Uhr hält er in der Steinachtalhalle einen Vortrag zum Thema "Leben mit Holz". Er möchte explizit die Botschaft der Bäume hörbar machen.Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Sie werden Holzpapst genannt. Was sagen Sie zu diesem Titel?
Erwin Thoma: Das gefällt mir gar nicht. Ich sehe mich doch viel mehr als Botschafter der Bäume.

Was fasziniert Sie am Thema Holz?
Der Stoff aus den Bäumen kann viel mehr als die meisten Menschen ahnen. Da steckt High Tech gleichermaßen drin wie spektakuläre Gesundheitslösungen für Menschen, die schon lange suchen.

Wollten Sie schon von Anfang an Holzhäuser bauen - oder wie kamen Sie zu der Auseinandersetzung mit diesem Thema?
Mein Traumberuf war Förster und das bin ich auch geworden.
Dann habe ich nach und nach gespürt, dass in den Bäumen noch viel mehr verborgen ist. Dem bin ich nachgegangen und dann durch einige Zufälle bei der Holzforschung und dem Bau von Häusern aus Holz gelandet.

Sie hatten in ihrer eigenen Familie die Konfrontation mit nicht-biologischen Baustoffen. Wie war das - und was hatte das für Auswirkungen?
Das war so ein Zufall. Wir konnten eine Allergie unserer Kinder ausheilen, indem wir unser damaliges Haus von herkömmlichen Industriebaustoffen entkernt haben und mit reinem Holz ausbauten. Das hat meinen weiteren Berufsweg sehr geprägt.

Sie sind auch ein Verfechter des Mondholzes. Wann muss das Holz geerntet werden?
Kurz gesagt, Mondholz ist dauerhafter. Mondholz ist gegen Pilze und Insekten derart widerstandsfähig, dass in Kombination mit richtiger Verarbeitung auf jeden chemischen Holzschutz verzichtet werden kann. Das ist ein Segen, denn genau dadurch entfaltet Holz all seine medizinisch nachgewiesenen Stärkungen für den Körper.

Aber bleibt Holz nicht gleich Holz?
Holz bleibt natürlich Holz. Aber genau darum geht es. Wenn wir es verleimen oder mit anderen giftigen Chemikalien versehen, dann verändert sich die Wirkung auf unsere Gesundheit und für die Umwelt dramatisch.

Viele sagen, beim Mondholz handelt es sich um einen Marketinggag.
Das ist zum Glück inzwischen in der Wissenschaft kein Thema mehr. Die Wirkung von Mondholz wurde an der renommierten Eidgenössischen Technische Hochschule in Zürich wissenschaftlich mehrfach belegt. In meinem Buch "Holzwunder" habe ich die ganze wissenschaftliche Erforschung des Themas ausführlich beschrieben. Wer heute noch immer an Mondholz zweifelt, kennt den letzten Stand der Wissenschaft nicht.

Sie bauen Ihre Holzhäuser in aller Welt. In wie vielen Ländern waren Sie schon tätig und was begeistert die Menschen?
Wir haben mit unseren Partnerbetrieben, den Handwerkern in den Regionen, allein in den letzten zehn Jahren über 1000 Holz-100-Bauten in über 30 Ländern errichtet. Da war alles dabei - vom kleinen Einfamilienhaus bis zu Großhotels. In Japan haben wir eine Kirche gebaut. Und wir haben auch das erste Haus in Gebäudeklasse fünf in einer deutschen Großstadt nur mit Holz gebaut. Es war also alles dabei, was wir uns erträumt haben.

Dürfen Holzhäuser überhaupt überall errichtet werden?
Ja, heute schon. Aber natürlich gibt es immer noch länderweise Einschränkungen die je nach Bauordnung sehr verschieden sind. Da lernt man kennen, was Lobbying heißt.

Wie erfolgt die Dämmung?
Wir bauen am liebsten Passivhäuser und energieautarke Gebäude ganz ohne Dämmung. Den Dämmwahn der letzten Jahre haben wir nie mitgemacht. Viel mehr haben wir mit unserer Holz-100-Wand den Weltrekord in Wärmedämmung für ein statisch tragendes Material entwickelt. Und damit bauen wir eben ganz ohne Dämmstoffe und ohne belastende Materialien.

Wie langlebig sind Holzhäuser?
Wir geben 50 Jahre Garantie. Das ist meines Wissens nach für die Bauwirtschaft einmalig. Sonst gelten gesetzliche Garantien von drei und fünf Jahren. Allein daran sehen Sie, welch großartige Qualität möglich wird, wenn Holz ohne problematische Verbundzonen mit anderem Material verarbeitet wird. Wir gehen von einer Lebensdauer unserer Häuser von rund 500 Jahren aus.

Wie gewährleisten Holzhäuser den Brandschutz?
Auch in diesem Feld ist die Firma Thoma ein Pionier. Wir konnten in den Neunzigerjahren erstmals 180 Minuten Brandwiderstand zertifizieren. Das war damals sechs Mal besser als der Stand der Technik. Das Prinzip dahinter ist leicht zu verstehen: Holz brennt gut, so lange es dünn und von Luft umspült ist. Sobald es aber ganz dick als volles Holz verarbeitet wird, brennt es gar nicht mehr. Es verkohlt an der Oberfläche und ist im Brandfall besser berechenbar und dauerhafter als Stahl und Beton.

Müssen Holzhäuser auch außen aus Holz sein - oder wie sind sie mit den Gestaltungssatzungen und Bauvorgaben vereinbar?
Holzhäuser können mit jedem Material "angezogen" werden. Innen wie außen wird etwa ein Drittel unserer Häuser verputzt oder auch mit modernen Materialien versehen.

Was kosten Holzhäuser?
Wenn wir heute sehen, was beispielsweise für die Entsorgung von Styropor bezahlt werden muss, dann sind chemisch unbelastete Holzhäuser im Lebenszyklus sicher mit Abstand die kostengünstigste Lösung. Geringe Mehrkosten bei der Errichtung entstehen vor allem für Bauherren, die immer noch aufwändige Haustechnik in ein Holz-100-Haus einbauen, obwohl es gar nicht nötig wäre. Aber hier denken die meisten Menschen noch in den Erfahrungen aus den Stein und Betonhäusern. In Summe kann man sagen, dass ein Vollholzhaus, wenn es vom Anfang an richtig geplant wird, mit herkömmlichen Häusern absolut wettbewerbsfähig ist. Für Puristen haben wir sogar Mobilien, also stapelbare Häuser mit Containermaßen. Hier können Sie ab 35 000 Euro ein komplettes, kompaktes, kleines Haus mit 17 Quadratmetern haben, das sofort bezugsfähig ist.

Funktionieren alle Bausteile - von fränkisch über den Kubus-Bau bis hin zur Toskana-Villa in Holz?
Ja, wirklich alle. Und wir haben in den erwähnten 30 Ländern, in denen wir bislang bebaut haben, auch wirklich alle Baustile umgesetzt.

Welche Auswirkungen haben die verschiedenen Holzsorten? Gibt es Holz für bestimmte Menschen?
Es gibt sicher bestimmte Baumarten, die zu einer bestimmten Lebenssituation gut passen. Das ist aber vor allem ein Thema für den Tischler und den Innenausbau. In der Baukonstruktion verwenden wir die Nadelhölzer Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche.

Sie schreiben auch Bücher. Ihr neuestes beschäftigt sich mit der Rückkehr der Bäume. Worum geht es da - was ist die Quintessenz?
Es ist in allen Bereichen des Lebens viel, viel besser, mit der Natur zu arbeiten als gegen sie. Am Beispiel Bauen und Wohnen kann das besonders schön gezeigt werden. Wir bauen heute komplizierteste Häuser mit unüberschaubarer Technik und Dämmwahn, nur um Energie zu sparen. Wer dagegen das richtige Material nimmt - reines, nachwachsendes Holz -, der kann energieautarke Häuser ganz ohne diese Belastungen bauen. Das selbe gilt aber auch für viele Bereiche des Lebens.

Woran arbeiten Sie zurzeit?
An der Botschaft der Bäume, damit sie für viele Menschen nicht nur hörbar, sondern auch leistbar und lebbar wird. Dafür arbeiten wir in unserem Forschungszentrum und in unseren Produktionsbetrieben.

Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus, Sie haben ja so vielfältige Betätigungsfelder?

Am Morgen gehe ich in den Stall unserer Kleinlandwirtschaft. Füttern, Ausmisten, ein Schaf streicheln, den Kopf eines Pferdes auf der Schulter liegen spüren, das erdet wunderbar. Danach Dusche, Frühstück mit meiner Frau, und dann ins Büro oder in den Wald oder zu einer Baustelle. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden und ich achte sehr auf Ruhezeiten und einen guten Ausgleich zwischen konzentrierter Arbeit und Zeit im Wald, bei den Tieren und bei körperlicher Arbeit.

Wie viele Vorträge halten Sie im Jahr - und wo?
Das ist sehr verschieden. Aber ich kann leider nicht alle Vortragsanfragen erfüllen. Irgendwie versuche ich einen Mix aus Universitäten und Lehreinrichtungen, regionalen Veranstaltungen und örtlichen Initiativen hinzubekommen. Die Botschaft der Bäume ist heute wichtiger denn je.

Sie haben auch als Unternehmer viele Preise bekommen. Wofür?
Wir haben in vielen Bereichen Pionierarbeit geleistet. Von der sonnenkraftgetriebenen Fabrik über technische Neuerungen. Da gibt es viele Innovations- und und Umweltpreise. Besonders freuen mich Anerkennungen für die abfallfreie Fabrik und das abfallfreie Bauen. Und natürlich sind auch die sozialen Themen gewürdigt worden. Wir sind schon mehrfach als frauenfreundlichster Betrieb der Steiermark ausgezeichnet worden.

Was versprechen Sie sich von dem Vortrag in Stadtsteinach?
Die Kombination der Veranstalter mit Planern, Handwerk, Bund Naturschutz und Energieagentur ist einfach toll. Das erinnert mich an einen gesunden Mischwald. Da tun sich auch vor Ort Tiefwurzler mit Flachwurzlern, Pionierbäume mit den ganz Großen, Laub- mit Nadelbäumen und so weiter zusammen. Verschiedene Kompetenzen, die vor Ort kooperieren, die bringen einfach das bessere Ergebnis.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten - was wäre das?
Obwohl wir in unserer Gesellschaft vieles zum Besseren ändern, bin ich etwas ungeduldig. Ich wünsche mir einen raschen Umbau von der Wegwerfgesellschaft hin zur Kreislaufwirtschaft, die auf die Kräfte und Möglichkeiten der Natur aufbaut. Wenn uns das gelingt, werden unsere Enkelkinder hier genauso gut leben können, wie wir das heute tun."

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