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Kulmbach
Konzert

Big-Band-Jazz im Kulmbacher CVG-Forum

In der Bierstadt ist die Jazz-Szene lebendiger denn je. Beredter Beweis dafür ist das Big-Band-Konzert am Freitagabend im Forum des Caspar-Vischer-Gymnasiums (CVG).
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Eine Stimme, so samtweich wie frischgesponnene Seide: Paula Kammerer. Foto: Stephan Stöckel.
Eine Stimme, so samtweich wie frischgesponnene Seide: Paula Kammerer. Foto: Stephan Stöckel.
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Zum zweiten Mal wird mit ausgelassenen Swing-, Jazz- und Funkrhythmen eine künstlerische Brücke zwischen den beiden Kulmbacher Gymnasien, dem CVG und dem Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium (MGFG), geschlagen. Rund 200 Besucher sind begeistert vom harmonischen Miteinander.

Aber auch einer der Akteure, für den Kulmbach bis vor einem halben Jahr ein weißer Fleck auf der Landkarte des Jazz gewesen war, und der an diesem Abend seinen Abschied feiert, zieht den Hut vor den jungen Talenten und alten Hasen, die in der fränkischen Provinz den Jazz zum Blühen bringen. Sein Name: Jo Diermeyer. Der junge Gitarrist, der am CVG Musik unterrichtet hatte, weiß wie im Jazz der Hase läuft. Nach seinem Lehramtsstudium hat er drei Monate in New York gelebt, der pulsierenden Jazz-Metropole: "Ich ging in die Clubs und fragte die Profis spontan nach ihren Auftritten, ob sie mir nicht Unterricht geben würden", erzählt der Referendar, der an seine Seminarschule ins oberbayerische Mühldorf am Inn zurückkehrt.

Was wird ihm von Kulmbach in Erinnerung bleiben? "Die kleine, aber feine Musikszene. Jeden dritten Montag im Monat gibt es hier sogar eine Jam-Session im Jugendzentrum ‚Alte Spinnerei‘", sprudelt es aus dem 31-jährigen sogleich heraus. Die Impulse für die hiesige Szene gehen nicht nur von den beiden Gymnasien aus. Das weiß auch Georg Kösnter: "Das freie Improvisieren in lockerer Runde und der Besuch der städtischen Musikschule, tragen ebenfalls dazu bei, dass der Jazz blüht und gedeiht." Der Musiklehrer am CVG ist einer der treibenden Motoren der Szene, der aus dem Big-Band-Konzert eine feste Einrichtung im Kulturkalender der Stadt machen möchte.

Bei der zweiten Veranstaltung dieser Art bildet er mit Diermeyer und Thomas Schimmel, dem Leiter der CVG-Big-Band, sowie Paula Kammerer (Gesang/MGFG), Jonas Pfisterer (Bassist/CVG) und Niklas Müller (Schlagzeug/CVG), die sich über die Musikschule und die Sessions kennengelernt haben, eine kleine, aber feine Combo. Verglichen mit den Big Bands der beiden Schulen zelebriert das Sextett kammermusikalischen Jazz in Vollendung. Mit einer Stimme, so samtweich wie frischgesponnene Seide, interpretiert Paula Kammerer den Klassiker "Lullaby Of Birdland", den einst große Jazz-Diven wie Ella Fitzgerald gesungen hatten. Hier halten sich die Instrumentalisten noch wohltuend zurück, doch bei dem Funkklassiker "Just The Two Of Us" zeigen sie - allen voran Diermeyer - was wirklich in ihnen steckt. Der Niederbayer lässt die Saiten seiner Gitarre regelrecht glühen, hinterlässt so einen bleibenden Eindruck beim Publikum.

Auch nicht von schlechten Eltern sind die großen Klangkörper der Schulen, die stilistisch breit aufgestellt sind. Als Dirigient Edgar Stübinger der MGFG-Big-Band die ersten Töne entlockt, erscheinen Miss Piggy und Kermit der Frosch vor dem geistigen Auge der Zuhörer. Keine Frage, dass war die Titelmelodie der "Muppets Show"! Locker, leicht vorgetragen von einem Ensemble, dass eine harmonische Einheit bildet. Die CVG-Bigband, dirigiert von Thomas Schimmel, stellt ihr Licht ebenfalls nicht unter den Scheffel. Mit einer frischen Brise lateinamerikanischer Klänge zaubert sie gute Laune in die Herzen der Zuhörer, die sich an einem kalten Winterabend an heißen Rhythmen und flotten Bläsersätzen erwärmen.

Mit rhythmischen Klatschen holen die Fans die beiden Orchester zum großen, gemeinsamen Finale zurück auf die Bühne. Zu den rassigen Klängen des Klassikers "Play That Funky Music" hätte man am liebsten die Stühle beiseite geräumt und voller Leidenschaft getanzt.
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