Heinersreuth
Tradition

Bei den oberfränkischen Jägern ist absolute Präzision gefragt

Waidmänner aus ganz Oberfranken trafen sich in Heinersreuth, um sich auf die Bockjagd vorzubereiten.
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Die Jagdhorngruppe bereicherte das Treffen mit diversen Einlagen. Foto: Klaus Rößner
Die Jagdhorngruppe bereicherte das Treffen mit diversen Einlagen. Foto: Klaus Rößner
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Regungslos sitzt der Mann da. Hoch konzentriert. Er kontrolliert seine Atmung. Sein Zeigefinger baut Druck auf. Dann, urplötzlich, ein lauter Knall. Ein Schuss peitscht durch den Wald. "Ein Achter, rechts", ruft ihm der Beobachter am Spektiv zu. Dann, ein paar Klicks am Zielfernrohr später, schließt die Büchse auf den Fleck genau. Ab jetzt fallen nur noch Zehner ...

Es ist ein Ritual, wenn ein Schütze seine Waffe einschießt. Im besten Fall verschmilzt er dann mit ihr zu einer Einheit. Abzugsweg, Druckpunkt und viele andere Parameter müssen passen, will man gute Ergebnisse "erzielen". Denn es geht um absolute Präzision, wenn der Schuss sitzen soll.


Verborgen im Wald


Um diese Fähigkeiten aufzufrischen und zu verbessern, treffen sich alljährlich Waidmänner aus ganz Oberfranken auf Schloss Heinersreuth. Dort, einige hundert Meter entfernt vom hochherrschaftlichten Anwesen, besitzt Ludwig Freiherr von Lerchenfeld einen eigenen Schießstand.

Verborgen im Wald und abgesichert nach allen Seiten, damit nichts passieren kann, justieren die Jäger zum Auftakt der Bockjagd im Mai ihre Waffen. Unterstützt werden sie dabei von fachkundiger Hand: Matthias Kümmet und dessen Vater Gerd von der gleichnamigen Kronacher Büchsenmacher-Werkstatt stehen als Fachleute zur Verfügung.


Eine liebgewonnene Tradition


Die Teilnahme an diesem Termin im Frühjahr ist für die Waidleute eine liebgewordene Tradition. "Mein Urgroßvater hat diesen Stand vor hundert Jahren erbaut. Schon sehr lange gibt es diesen Brauch bei uns," sagt Ludwig Freiherr zu Lerchenfeld, selbst ein passionierter und versierter Jäger. Er führt die Jagdtradition des Hauses fort, gibt sie weiter an seine Familie. Seine Frau und Kinder sind beim Anschießen mit von der Partie.

Das alljährliche Treffen im Frühjahr hat eine wichtige Funktion. Denn der Jäger muss versiert sein und taktfest im Umgang mit seiner Waffe. Da braucht es ständiges Training. Schließlich geht es dabei auch um das Thema Sicherheit.

Das unterstreicht Otto Kreil, der stellvertretende Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Kulmbach. Wenn man im Schießkino trainieren wolle, müsse man zum Beispiel bis nach Schweinfurt fahren. Da ist die Gelegenheit vor der Haustür in Heinersreuth eine willkommene und bequeme Alternative.


Neuer Wettbewerb


Der Jagdschutz- und Jägerverein lässt sich einiges mehr einfallen, um seine Mitglieder fit zu halten im Umgang mit der Waffe. Dazu hat er einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen. Errungen werden kann die "BJV-Schwarzwildnadel für Ansitz und Bewegung", wie es etwas hölzern heißt. Dabei können sich die Schützen in drei Stufen messen und jeweils drei Schüsse auf die Frischlings-, Überläufer- und Keilerscheibe abgeben.

Wer drei letale Treffer landet, erhält die Nadel mit grünem Rand. Beim Pendant mit gelbem Rand sind drei Serien zu je fünf Schuss sicher zu platzieren auf die Schwarzwildscheibe beziehungsweise den Laufenden Keiler. Die höchste Stufe in Rot erreicht nur der, der sich dem Wettbewerb im Schießkino stellt. Dort sind fünf Serien zu je drei Schuss im freihändigem Anschlag auf Schwarzwildsequenzen abzugeben.



Otto Kreil gewinnt


Viele Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, bereits erste Erfahrungen mit dem neuen Wettbewerb zu sammlen. Darüber hinaus messen sie ihre Geschicklichkeit beim Schuss auf die Ehrenscheibe. Den Wettbewerb gewinnt Otto Kreil. Der Baron überreicht dem Vogtendorfer einen geschnitzten Schwarzkittel.

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