Kulmbach
Auszeichnung

Bayerische Rundschau verleiht 2. Bürgerpreis

Zum zweiten Mal hat die Bayerische Rundschau den Bürgerpreis verliehen. Er wird vergeben in den Kategorien Soziales, Jugendförderung und Zivilcourage. Die Preisträger in diesem Jahr sind Ingrid Beck, Martin Ständner und das Ehepaar Heidi und Peter Hennings.
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Die Preisträger 2013: (von links) Ingrid Beck, Martin Ständner sowie Heidi und Peter Hennings. Fotos: Jochen Nützel
Die Preisträger 2013: (von links) Ingrid Beck, Martin Ständner sowie Heidi und Peter Hennings. Fotos: Jochen Nützel
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Den Preis in der Kategorie "Soziales" ging an das Ehepaar Heidi und Peter Hennings.
Wie kann man als einzelner Mensch dazu beitragen, dass es auf der Welt ein wenig gerechter zugeht? Dieses Thema beschäftigt Heidi und Peter Hennings schon seit vielen Jahren. Und das Ehepaar hat Wege gefunden, seinen Beitrag dazu zu leisten: Beide engagieren sich in der Kulmbacher Arbeitsgruppe von Amnesty International, Heidi Hennings außerdem im "Weltladen".

Mit der Situation der Asyl suchenden hat Peter Hennings sich schon während seiner beruflichen Tätigkeit als Pfarrer, zuletzt als Dekan in Kronach befasst. "Mich hat das Thema immer sehr interessiert, und als ich 1995 in den Ruhestand ging und wir nach Kulmbach zogen, wurde ich Mitglied der Gruppe." Deren Sprecher ist er seit einigen Jahren. "Als Theologe gehe ich von dem Begriff der Gerechtigkeit Gottes aus, aber die erreichen wir nicht, ohne uns auch selbst um Gerechtigkeit zu bemühen", sagt Henning. Die Frage der Menschenrechte sei für ihn auch eine Glaubensfrage.
Dass er die Machthabenden der Welt nicht direkt beeinflussen kann, beeinträchtigt das Engagement des 81-Jährigen nicht: "Es geht darum, bei möglichst vielen Menschen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo etwas faul ist, wo Menschenrechte nicht geachtet werden."
Beispiel Russland: Hier wird die Kulmbacher Amnesty-Gruppe unter dem Motto "Freiheit statt Kontrolle" am 14. Dezember wieder Unterschriften für einen Brief an Wladimir Putin sammeln. "Weil diese Aktionen weltweit stattfinden, können sie oft tatsächlich etwas bewirken. Ein Drittel unserer ,Briefe gegen das Vergessen' hat Erfolg." Doch auch darüber hinaus gibt es viel Arbeit für Amnesty: "Die Flüchtlingsfrage beschäftigt uns sehr."
Heidi Hennings ist ebenfalls viel für Amnesty unterwegs und setzt sich außerdem für fairen Handel ein - und das schon seit 30 Jahren. "Wenn man es schafft, die Lebensbedingungen der Menschen in armen Ländern zu verbessern, schafft man damit die wichtigste Grundlage für Gerechtigkeit und Frieden. Letztlich ermöglicht man den Leuten damit, dass sie nicht mehr aus ihrem Elend fliehen müssen, sondern in ihrer Heimat bleiben können."
Die 77-Jährige erinnert sich an die Anfänge des Dritte-Welt-Ladens in Kronach, der 1981 als ökumenisches Jugendprojekt gegründet wurde. "Einer unserer Söhne war dabei, doch nach dem Abi tur konnten er und seine Freunde nicht weitermachen. Da sind dann halt 1983 die Mütter eingesprungen."
Nach dem Umzug in Heidi Hennings Heimatstadt Kulmbach stellte sie sich auch hier in die Dienste des Weltladens. "Das Konzept überzeugt mich: Im fairen Handel steckt Gerechtigkeit."


Vom Opfer zur selbstbewussten Ratgeberin

Den Mann hatte sie über eine Partnerbörse kennengelernt. Der erste Eindruck: positiv. "Das könnte was werden", dachte Ingrid Beck damals, doch die Bekanntschaft entwickelte sich zum Alptraum, noch bevor eine Beziehung daraus wurde. Eifersüchtige Kontrolle auf Schritt und Tritt, SMS im Minutentakt, das E-Mail-Konto gehackt, Anrufe Tag und Nacht, Auflauern an allen denkbaren Orten. Eine Anzeige bei der Polizei, Kontaktverbot - all das interessierte den Stalker nicht. "Im Januar 2008 hielt ich den Druck nicht mehr aus, war kurz davor, mir das Leben zu nehmen", erzählt die 45-Jährige.

Doch Ingrid Beck hat es geschafft, sich aus ihrer Opferrolle zu befreien. Seit fünf Jahren hilft sie anderen Stalking-Opfern, sich zu wehren und wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie gründete die private Initiative "Gemeinsam gegen Stalking", die 2010 zum gemeinnützigen Verein wurde: Dank einer Nürnberger Stiftung konnte Ingrid Beck dort sogar ein Jahr hauptberuflich in der Beratung tätig sein. "Leider gab es keine Anschlussfinanzierung, und ehrenamtlich waren für mich allein die vielen Anfragen nicht zu bewältigen. Deshalb haben wir den Verein kürzlich aufgelöst."
Für Ingrid Beck eine traurige Entscheidung, weiß sie doch, wie dringend die Betroffenen Unterstützung brauchen und wie rar Angebote dieser Art sind: 200 Stalking-Opfern hat sie schon helfen können - durch Zuhören, konkrete Verhaltenstipps, Vermittlung von Rechtanwälten und Therapeuten.
Diese Erfolgsbilanz beeindruckte auch die gemeinnützige Gesellschaft "Helfende Herzen und Hände" in Bayreuth. Unter deren Dach hat die Initiative "Gemeinsam gegen Stalking" jetzt wieder eine Zukunft - und Ingrid Beck kann Stalking-Opfern weiterhin helfen, dem Psychoterror zu entkommen.


Wegbegleiter für talentierte Sportler

Lehrer, Vorbild, Wegbegleiter, Freund, Vater figur - für die Mädchen und Jungen, die Martin Ständner als Trainer des UAC Kulmbach betreut, ist er all das in einer Person. Seit 30 Jahren entdeckt und fördert er junge Wurftalente und ebnete vielen den Weg zum Erfolg.
Martin Ständner war in jungen Jahren selbst ein ehrgeiziger Sportler. Als 15-Jähriger begann er mit dem Hammerwerfen, mit 18 wurde er Bayerischer Jugendmeister. "Leider fehlte mir damals die richtige Anleitung. Mit einem guten Trainer hätte ich es sicher noch weiter bringen können."
Was ihm selbst fehlte, bietet Ständner seither dem UAC-Nachwuchs an. Wie sieht eine gute Jugendarbeit aus? "Man muss Talente erkennen, sie fördern, dabei aber auch weitsichtig handeln", sagt der erfahrene Trainer, der nicht auf den schnellen Erfolg setzt, sondern behutsam und gewissenhaft am Leistungsstand seiner Schützlinge schraubt. Von Druck hält Ständner wenig, "aber wenn jemand ein gewisses Leistungs niveau und den nötigen Ehrgeiz hat, dann erwarte ich schon, dass er den Trainingsplan einhält". Wer deutscher Jugendmeister werden will, muss fünf bis sechs Mal pro Woche trainieren - nicht nur Werfen, sondern auch Sprungkraft, allgemeine Athletik, Kraft und Beweglichkeit.
Das verlangt auch vom Trainer viel. Fast jeden Abend und an den meisten freien Tagen ist Ständner im Einsatz. Seine Freizeit opfert der 58-Jährige, der im Bayerischen Brauereimuseum arbeitet, gerne, denn es ist "eine sehr erfüllende Aufgabe, die mich auf Trab hält".
Er freut sich mit seinen Sportlern über ihre Erfolge und er leidet mit ihnen, wenn's mal nicht so gut läuft wie erhofft. "Schön ist es vor allem mitzuerleben, wenn sich ein Sportler weiterentwickelt und wir dann gemeinsam den nächsten Schritt gehen können."


Landrat Söllner: "würdige Preisträger"

"Die Bayerische Rundschau hat für ihren 2. Bürgerpreis sehr gute und würdige Preisträger ausgewählt", sagte Landrat Klaus Peter Söllner bei der Verleihung am Donnerstagabend im Hotel Dobrachtal. Die Geehrten seien hervorragende Beispiele dafür, dass es sich lohnt, Zivilcourage zu zeigen und für andere Menschen einzutreten - sei es für mehr Demokratie und Freiheit, aber auch für die Förderung junger Talente in einer Sportart, die nicht wie der Fußball groß im Fokus der Öffentlichkeit stehe.
"Wir als lokales Medium berichten gern über bürgerliches Engagement - und wir prämieren es auch", betonte Walter Schweinsberg, Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken, in seiner Rede. Die Preisverleihung geschehe nicht vor dem Hintergrund eines irgendwie gearteten Geschäftsinteresses. "In unserer Firmenphilosophie spielt der Wert der Heimat eine große Rolle. Dem wollen wir mit der Würdigung in Form des Preises Rechnung tragen und die Verbundenheit der Zeitung mit den Menschen in der Region verdeutlichen."
"Warum dieser Preis? Weil es zahlreiche Menschen im Landkreis gibt, die viel Gutes tun, ohne darüber zu reden und kein großes Aufhebens darum machen", lobte BR-Redaktionsleiter Alexander Müller die Ausgezeichneten. " Wir aber sind sehr wohl der Meinung, dass sie für Ihr Tun eine besondere öffentliche Würdigung verdienen."


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