Neudrossenfeld
Haushalt

Baugebiet hat für Gemeinde Neudrossenfeld Vorrang

Mehr Bürger, höhere Beteiligung an der Einkommensteuer: Die Neudrossenfelder Räte wissen, wie sie die Finanzen im Griff behalten. Auch in diesem Jahr kann wieder viel investiert werden. Kämmerer Wolfgang Schröder legte ein solides Zahlenwerk vor.
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Die Ausweisung eines neuen Baugebiets hat für die Gemeinde Neudrossenfeld Priorität, wie bei der Verabschiedung des Haushalts deutlich wurde. Foto: Symboldbild Andrea Warnecke/dpa
Die Ausweisung eines neuen Baugebiets hat für die Gemeinde Neudrossenfeld Priorität, wie bei der Verabschiedung des Haushalts deutlich wurde. Foto: Symboldbild Andrea Warnecke/dpa
Den ersten Haushalt seit seinem Amtsantritt im Mai 2014 hat Bürgermeister Harald Hübner mit geschlossener Zustimmung des Gremiums verabschiedet. Er verbreitete die Genugtuung, dass das von Kämmerer Wolfgang Schröder akribisch verfasste Zahlenwerk eine stabile Finanzlage der Kommune wiedergibt. Es ist - wie schon in der Vergangenheit - solide aufgestellt und von erheblichen Investitionen geprägt. "Wir haben gut gewirtschaftet und das zahlt sich aus", fasste Hübner zusammen.

Keine neuen Schulden

Und alles werde ohne Neuverschuldung auf den Weg gebracht, freute sich Hübner. Höhere Schlüsselzuweisungen und die Einkommensteuerbeteiligung würden zusätzlich helfen. "Wenn Neubürger zuziehen, lohnt sich das." Deswegen müsse ein neues Baugebiet Priorität haben. Der Bürgermeister vertrat auch die Auffassung, dass die Gemeinde eine gute Grundlage für eine weitere positive Entwicklung hat. Es bestehe kein Zwang zu einer Straßenausbausatzung - trotz schlechter Steuer- und Umlagekraft.

Laut Kämmerer Schröder hat der Etat ein Gesamtvolumen von 8,6 Millionen Euro, wovon 5,43 Millionen im Verwaltungshaushalt und 3,17 Millionen Euro im Vermögenshaushalt enthalten sind. "Volumenmäßig ist es der viertgrößte in der Geschichte der Gemeinde", sagte er. Durch seine mittelmäßige Steuerkraft gehöre Neudrossenfeld zwar nicht zu den Leistungsstärksten im Landkreis Kulmbach, dennoch werde es durch geschickten Einsatz der Mittel problemlos möglich sein, eine ausgewogene Haushaltspolitik zu betreiben. "Neue Investitionen mit Maß und Ziel sind sinnvoll und notwendig, weil Stillstand Rückschritt ist", so der Kämmerer.

Besonders hob Schröder die hohen Tilgungsraten hervor, im Jahr 2015 seien das stolze zwölf Prozent. Der Schuldenstand habe um 32 000 auf rund 2,16 Millionen Euro gesenkt werden können, was einer pro-Kopf-Verschuldung von 564 Euro entspreche. "Damit liegen wir ein ganzes Stück unter dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden in Bayern."

Als wichtigste Einnahmen im Verwaltungshaushalt nannte er die Einkommensteuerbeteiligung mit rund 1,99 Millionen Euro und die Schlüsselzuweisungen mit knapp einer Million Euro. Unverändert blieben Grundsteuer und Gewerbesteuer. Die größten Ausgaben im Verwaltungsetat sind die Kreisumlage mit 1,326 Millionen Euro und der Verwaltungs- und Betriebsaufwand mit 1,3 Millionen Euro. Weiterer großer Posten: Die Personalkosten, die 1,26 Millionen Euro betragen. Der Vermögenshaushalt lebt bei den Einnahmen vor allem aus den Mitteln, die noch aus der Ortskernsanierung zufließen, was mit Zuweisungen und Beiträgen 1,226 Millionen Euro ausmacht. Die Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt beträgt stattliche 642 000 Euro.

Hohe Investitionen schlagen bei den Ausgaben zu Buche mit 1,5 Millionen Euro für Baumaßnahmen, knapp einer halben Millionen Euro für Darlehenstilgung. Die Vereine bekommen 83 000 Euro.

Vielschichtig sind die geplanten Investitionen mit 648 000 Euro für das Gewerbegebiet Brücklein, die Ortskernsanierung von Neudrossenfeld mit 430 000 Euro, der Breitbandausbau mit 270 000 Euro und der Straßenbau mit 175 000 Euro. Die Gemeinde investiert auch viel in Sicherheit (Feuerwehren) und Jugendarbeit. So werden für die Kosten der Umrüstung auf Digitalfunk 50 000 Euro und für die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos für die Wehr Neudrossenfeld rund 390 000 Euro aufgewendet, weitere 27 000 Euro für die Schulausstattung und 18 000 Euro für die Kinderspielplätze.

Rücklagen sollen steigen

Die Rücklage beträgt zum 31. Dezember 2015 knapp 63 000 Euro. In den kommenden Jahren ist eine stetige Zunahme geplant. Schröder abschließend: "Von 2000 bis einschließlich 2015 haben wir fast 22 Millionen Euro investiert, davon neun Millionen aus Eigenmitteln. Das kann sich sehen lassen, das ist bei der verhältnismäßig niedrigen Verschuldung eine solide Haushaltspolitik."

Dass bei dem soliden Haushalt die Statements der Fraktionen positiv ausfielen, war naheliegend.
Rudi Bock (SPD/OL) nannte den Haushalt nachhaltig, wirtschaftlich sinnvoll und zukunftsorientiert. Ein bisschen Bauchschmerzen habe er mit den hohen Vorleistungskosten für das Baugebiet Brücklein. Im Hinblick auf die Vereinsförderung mahnte er eine Kontrolle für die Benutzungszeiten der Dreifachturnhalle an, außerdem bedauerte er die niedrigen Ansätze für die Kinderspielplätze. Seine persönliche Anmerkung: "Nicht immer denken, was es kostet, sondern, was es uns bringt."

Heidemarie Nitsch (FuG) freute sich, dass ein relativ hoher Betrag für die Straßensanierung und weiterhin keine Ausbaubeitragssatzung eingeplant ist. Auch gefiel ihr die weitere Schuldentilgung. Beim Ausbau des Gewerbegebiets Brücklein dürfe aber der Kostenrahmen nicht überschritten werden.

Silvia Eichner (CSU) nannte die Investitionen richtungsweisend: "Wir sind eine breit aufgestellte Gemeinde mit mehr Wahrnehmung durch das Bräuwerck". Ein neues, attraktives Baugebiet sei dringend notwendig, der Straßen- und Gebäudeunterhalt müsse kontinuierlich abgearbeitet werden. Ein von der CSU seit Jahren gefordertes Straßenzustandregister sei endlich in den Etat eingeflossen. Ihr Fazit: "Wenn ich alles aus unternehmerischer Sicht betrachte, hat die Gemeinde mutig und mit überschaubarem Risiko zukunftsweisende Investitionen angestoßen".

Peter Rösch (FW) stellte die Steigerung der Vermögenswerte ohne Schuldenvermehrung ins Blickfeld. "Das soll uns erst eine Gemeinde mit vergleichbarer Finanzkraft nachmachen". Die Wiederaufstockung der abgeschmolzenen Rücklage würde zudem ein unverzichtbares Finanzpolster schaffen.

Thomas Erlmann (Wählergruppe Waldau) sagte, die Gemeinde könne auf Grund des Haushaltes agieren und nicht nur reagieren. Er hoffe aber, dass der Fokus wieder mehr auf die Außenorte gerichtet wird.


Der Haushalt in Zahlen

Volumen 8,6 Millionen Euro.

Verwaltungshaushalt 5,43 Millionen Euro.

Einnahmen Einkommensteuerbeteiligung: 1,989 Millionen Euro; Gewerbesteuer: 400 000 Euro; Grundsteuer A und B: 307 000 Euro; Schlüsselzuweisung: 994 000 Euro.

Ausgaben Kreisumlage 1,326 Millionen Euro; sächlicher Verwaltungs- und Betriebsaufwand: 1,304 Millionen Euro; Personalkosten: 1,259 Millionen Euro; Zuweisungen und Zuschüsse: 774 000 Euro; Gewerbesteuerumlage: 76 600 Euro; Zinsen: 39 700 Euro.

Vermögenshaushalt 3,17 Millionen Euro.

Einnahmen
Entnahme aus der Rücklage: 364 000 Euro; Zuführung vom Verwaltungsetat: 642 000 Euro; Zuschüsse, Beiträge: 1,22 Millionen Euro; Darlehen 450 000 Euro.

Ausgaben Baumaßnahmen: 1,59 Millionen Euro; Anschaffungen für Anlagevermögen: 517 000 Euro; Vereinszuschüsse: 83 000 Euro.

Verschuldung 2,159 Millionen Euro zum 31. 12. 2015.

Rücklagen 62 000 Euro zum 31. 12. 2015.
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