Wirsberg
Leistung

Bastian Potempka dreht in Wirsberg seine "Reinigungsrunden"

Mit 18 Jahren stand ihm die Welt offen, doch wenige Wochen später machte ihm ein schrecklicher Autounfall alle Hoffnungen zunichte. Heute kümmert sich Bastian Potempka in Wirsberg freiwillig um die Sauberkeit. Dafür bekommt er viel Anerkennung.
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Wieder einmal auf "Reinigungsrunde" in Wirsberg unterwegs: Bastian Potempka Foto: Werner Reißaus
Wieder einmal auf "Reinigungsrunde" in Wirsberg unterwegs: Bastian Potempka Foto: Werner Reißaus
Mit 18 Jahren stand ihm die Welt offen, doch wenige Wochen später machte ihm ein schrecklicher Autounfall alle Hoffnungen zunichte: Bastian Potempka, der damals kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Bademeister bei den Stadtwerken Kulmbach stand, war in jungen Jahren ein begeisterter Rock`n Roll-Tänzer und auch erfolgreicher Co-Kart Fahrer, aber seit nunmehr 19 Jahren beeinflusst ihn seine schwere Behinderung in nahezu allen Lebenslagen sehr stark.

Umso bewundernswerter ist es, dass es gerade den Lebensmut des 37-Jährigen nicht oder nur ganz selten beeinflusst. Er lässt sich nicht unterkriegen und hat vor allem in seinen Eltern einen riesigen Halt. Und trotz seiner körperlichen Behinderung engagiert sich Potempka immer wieder für eine saubere Gemeinde.

Nicht selten sieht man ihn am Straßenrand, wenn er mit seinem Spezialrad wieder als "Müllmann" unterwegs ist. Die Wirsberger schätzen diesen Dienst und dies ist Bastian Potempka das Wichtigste: Eine Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen.

Das sind für ihn ganz wichtige Lichtblicke in seinem Leben. Über sechs Monate lag er nach seinem Autounfall im Koma und musste danach noch zwei Jahre im Krankenhaus zubringen. Er würde so gern einer Arbeit nachgehen, aber seine Behinderung lässt das leider nicht zu. Und eines weiß er ganz besonders zu schätzen: "Ich weiß genau, dass ich ohne meine Eltern nicht mehr da wäre."

Den Antrieb für seine Arbeit als "Müllmann" der Gemeinde Wirsberg kam nicht von ungefähr: "Ich gehe ja oft spazieren oder fahre Fahrrad und wenn ich dann die Wege so entlang komme, da sehe ich links und rechts häufig Unrat oder einfach weggeworfene Sachen. Die Menschen sind doch so gescheit und sollten doch auch die Natur sauber halten. Sie reden nur drum herum und viele beklagen den unsauberen Zustand, aber keiner macht was. Das stinkt mir einfach. Ein Paradebeispiel ist der Weg ins Schorgasttal zum Schwimmbad. Ich bin erst vor kurzem mit zwei großen Plastiktüten voller Müll nach Hause gekommen."

Oft warf Potempka den gesammelten Müll in die eigene Tonne, doch er hat im Gespräch mit der Marktgemeinde einen Weg gefunden, den Abfall zum gemeindlichen Bauhof oder in den Container am alten Schützenhaus zu bringen. Seit drei Jahren ist er als "Müllmann" im Gemeindegebiet freiwillig tätig und wenn er auf den Radwegen außerhalb von Wirsberg unterwegs ist, dann wird auch dort der Unrat aufgehoben und entsorgt. Für ihn ist wichtig, dass er für diese Arbeit keine Zeitvorgaben hat: "Wenn ich grad Zeit habe, dann mache ich mit Eimer und Zange auf meinen Fahrrad auf den Weg."

Noch aus eigener Erfahrung weiß Potempka, das gerade im jugendlichen Alter oft Mutproben unternommen werden, aber seiner Meinung nach sollte man am nächsten Tag in der Lage sein, den angerichteten Schaden zu beseitigen. Wie etwa vor kurzem im ehemaligen Steinbruch im "Grund", als er gemeinsam mit seinem Vater große Reste von verbrannten Plastikteilen entsorgte. Er schüttelt mit dem Kopf: "Bei uns herrschte immer Zucht und Ordnung und meine Eltern haben mich da gut erzogen." Neben der Arbeit ist er aber auch gemeinsam mit seinem Vater am Tiergehege, um den Tiefpfleger Gerd Hofmann in seiner täglichen Arbeit zu unterstützen und hält auch einen Wanderweg im Schorgasttal sauber.

Es kommt schon vor, dass er auch gefragt wird, warum er unterwegs ist und da scheut er sich auch nicht, die passende Antwort zu geben: "Wenn ihr das nicht alles wegwerfen würdet, dann müsste ich das nicht aufsammeln." Mit der Antwort sorgte er natürlich bei seinem Gegenüber für kurzes Erstaunen. Natürlich schränkt ihn seine Behinderung oft ein und einmal passiertes es sogar, dass er samt seinem Dreirad in den Straßengraben rutschte, weil er sich dabei selbst überschätzte. Sein Dreirad wurde vor wenigen Tagen zum E-Bike umgerüstet und das erleichtert ihm das Fahren an Steigungen und davon gibt es in Wirsberg nicht Wenige.

Sein eigenes Zimmer hält er tip-top sauber und mittlerweile ist er auch in der Lage, sich gemeinsam mit seinem Vater ans Kochen zu wagen. Roulade mit Klößen hat es vor kurzem gegeben und zur Frage, ob es denn auch geschmeckt hat, sagte Bastian freudestrahlend: "Hey, bombastisch!" Und mit seinem Vater will sich Bastian auch in der Nachbarschaftshilfe engagieren, die von der Markgemeinde ins Leben gerufen wurde.

Natürlich bleibt die Arbeit auch der Marktgemeinde Wirsberg nicht verborgen und Bürgermeister Hermann Anselstetter stellt fest: "Ich finde es toll, dass Bastian aus freien Stücken seine "Reinigungsrunden" dreht und der Wegwerfmentalität mancher Zeitgenossen eine vorbildliche Bürgerhaltung entgegensetzt. Aus den Gesprächen mit mir weiß er, dass er keinerlei Zwang unterliegt, dass die Gemeinde auch keinerlei Erwartungshaltung hat. Er weiß aber, dass wir uns alle freuen, wenn es ihm Spaß macht, seinen Teil zu einer sauberen Landschaft beizutragen."

Für Anselstetter komme es auch nicht von ungefähr, dass Bastian Potempka solch ein freiwilliges Engagement vorlebt. Er war an der Hauptschule Untersteinach einer seiner besten Schüler. Vor seinem bitteren Unfall war er auf oberfränkischer Ebene im Jugendbereich einer der erfolgreichsten Rock'n Roll-Tänzer. "Als ich ihn in der neunten Klasse fragte, ob er nicht der ganzen Klasse einen Rock'n Roll-Kurs geben würde, hat er dies spontan gemacht. Ich habe großen Respekt vor ihm, wenn er sich da bückt und den Zivilisationsmüll anderer aufhebt", sagt Anselstetter. Selbstverständlich werde er ihm eine besondere Dankesgeste seiner Heimatgemeinde Wirsberg entgegenbringen.


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