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Kulmbach
Studium

Bachelor: Wirtschaft kritisiert Absolventen-Qualität

Bei einer Umfrage des Industrie- und Handelskammertages ließen 50 Prozent der Unternehmen kein gutes Haar an der Qualität von Bachelor-Absolventen. Ob Kulmbacher Betriebe in das Klagelied einstimmen? Oder gibt es Alternativen zum Uni-Bewerber?
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Studierende an der Hochschule - was ist ihr Bacherlor-Abschluss wert? Die Wirtschaft jedenfalls scheint nicht viel vom Light-Diplom zu halten...Foto: Uwe Anspach/dpa
Studierende an der Hochschule - was ist ihr Bacherlor-Abschluss wert? Die Wirtschaft jedenfalls scheint nicht viel vom Light-Diplom zu halten...Foto: Uwe Anspach/dpa
Diese Watsch'n war deutlich: Die deutsche Wirtschaft äußert sich zunehmend enttäuscht über die Fähigkeiten von Uni-Bachelor-Absolventen. Das jedenfalls geht aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Demnach sieht nur die Hälfte der 2000 interviewten Unternehmen die Erwartungen an die Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss erfüllt. Oft moniert: die angeblich mangelhafte Praxisorientierung der Studiengänge. Die jungen Leute, heißt es, seien mit ihrem Wissen, aber auch ihren Ansichten und Vorstellungen zu weit weg von der Wirklichkeit.

"Es gibt in der Tat Anteile des Studiums, die sehr verschult wirken. Und für vertiefte Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge bleibt bei sechs Semestern nicht wirklich die Zeit", bestätigt Anne Becker. Die 29-Jährige hat deswegen nach dem Bachelor-Abschluss an der Universität Bamberg gleich noch den Master angehängt. Ein Schritt, den sie nicht bereut - denn der Master war Grund voraussetzung für jene Stelle, die sie seit Ende April bekleidet: Personalreferentin bei der Kulmbacher Brauerei.

Zweigleisig gedacht

Die 29-Jährige hat von Anfang an nicht allein auf das Uni-Pferd gesetzt. "Nach zwei Semestern Betriebswirtschaftslehre habe ich mich entschlossen, eine Studienpause einzulegen und eine Berufsausbildung begonnen, weil ich mir dachte: Das ist doch was Handfesteres." Anne Becker geht bei einem Dienstleistungsunternehmen in Pegnitz in die Lehre, macht nach 21 Monaten den Abschluss als Kauffrau für Büromanagement.

Danach setzt sie ihr Studium fort. Baut erst den Bachelor of Science in BWL mit Schwerpunkt Bildungsmanagement ("Ich hatte damals vor, an einer Berufsschule zu unterrichten"), hängt dann weitere Semester an und legt den Master in Wirtschaftspädagogik nach. Den Plan mit der Berufsschule legt sie zunächst ad acta, als sie auf die Stellenanzeige der Brauerei aufmerksam wird.

"Ich bin dankbar, dass ich hier Einblicke in viele Unternehmensbereiche gewinne", sagt sie und fügt an: "Insofern haben sich die Jahre an der Uni gelohnt. Manchmal fragt man sich ja, ob es richtig war, sozusagen diesen Zwischenschritt einzulegen. Andere in meinem Alter haben schon zehn Jahre Berufserfahrung und auch entsprechend Geld verdient. Aber mit meiner Vorgeschichte bin ich ja kein ganz typischer Bachelor-Fall."

Forderung nach Verknappung

Derweil hat DIHK-Präsident Eric Schweitzer aus dem Umfrageergebnis die Forderung abgeleitet: "Die Zahl der Studienplätze kann nicht grenzenlos steigen. Ich bin dafür, sie wieder zu verknappen." Deutschland leide ohnehin an einer Überakademisierung, und der Studierenden-Boom gehe zulasten der dualen Berufsausbildung. "Die Hochschulen müssen mit sinnvollen Zulassungsbeschränkungen, die sich nicht nur an Abiturnoten orientieren dürfen, geeignete Kandidaten für die richtigen Fächer finden."

Dem entgegnet Martin Huber, Vizepräsident für Lehre und Studierende an der Universität Bayreuth: Es sei nicht Aufgabe der Hochschule, mundgerecht Arbeitskräfte für einen ganz bestimmten Job auf den Markt zu bringen. "Ein Wirtschaftsingenieur muss über die Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge verfügen und sich zugleich Ingenieurwissen aneignen. Er muss mit dieser Qualifikation später in einem Energieunternehmen genauso einsetzbar sein wie bei einem Maschinenbauer."

Huber sagt, in der Wirtschaft müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, den Bachelor-Abschluss mit dem Diplom zu vergleichen. "Es ist ein grundständiges Studium mit sechs Semestern. Die eigentlichen Kompetenzen für einen späteren Beruf sollen sich die Absolventen eben gerade im jeweiligen Unternehmen aneignen. Das ist ja auch eine Chance für die Betriebe, sich ihre Mitarbeiter entsprechend den Anforderungen zu formen."

Grundlagen vermitteln

Die Universität müsse in der Ausprägung der Lehre berücksichtigen, dass sie vor allem Grundlagen vermittelt, damit die Studierenden in die Lage versetzt werden, sich später selbst weiterbilden zu können. Der Bachelor-Abschluss sei hier als Schnittstelle zu sehen, sagt Huber, "denn der Weg kann ein weiterer an der Universität sein zum Master oder eben alternativ in den Beruf." Allerdings sieht Huber bei der Zahl der Studierenden einen Scheitelpunkt erreicht, bedingt auch durch die Umstellung am Gymnasium von G9 auf G8.

Nicht immer gleich studieren

Apropos Abitur: Es muss nicht automatisch das Studium folgen, bringt Heribert Trunk, Oberfrankens IHK-Präsident, eine Alternative ins Gespräch: "Warum sich nicht für einen Studiengang an einer Fachhochschule einschreiben? Oder gleich eine berufliche Ausbildung beginnen." Die Aussichten hier seien so gut wie selten zuvor, sagt Trunk - nicht zuletzt auch deswegen, weil künftig deutlich mehr Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen als nachrücken. Stichwort Fachkräftemangel.

Eine Mischung aus beidem? Das geht auch, weiß Uwe Ströhlein, Ausbildungsleiter bei Ireks. "Wir haben bei uns im Haus sehr gute Erfahrungen mit dem System ,Hochschule Dual' gemacht. Die Ireks bietet in Kooperation mit der Hochschule Hof Abiturienten die Möglichkeit, eine IHK-Ausbildung zum Fachinformatiker oder Industriekaufmann zu absolvieren, gekoppelt mit einem Bachelor-Studium. Das alles ist auf eine Dauer von viereinhalb Jahren angelegt; der FH-Abschluss ist der Bachelor of Arts. Derzeit gibt es beim Backmittelhersteller vier junge Leute, die diesen Weg beschreiten.

Das Prozedere läuft laut Ströhlein wie folgt ab: "Die ersten 13 Monate gehören der regulären Ausbildung im Unternehmen, danach gehen die jungen Leute ins Studium an der Fachhochschule." Alle Beteiligten zögen daraus Nutzen. "Die Unternehmen und die Berufsschulen, die die IHK-Ausbildung begleiten, aber auch die Hochschulen erkennen gegenseitig Ausbildungsinhalte an - so lässt sich auch die gesamte Ausbildungsdauer verkürzen. Die Teilnehmer müssen allerdings ein hohes Maß an Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Engagement mitbringen! Nur so lässt sich diese Kombination von Ausbildung und Studium parallel bewältigen."

Die Azubis seien in diesem ersten, 13-monatigen Turnus regulär in den Ausbildungsrhythmus eingebunden, würden alle zwei Monate versetzt und lernten so alle Bereiche des Unternehmens kennen. "Und der Arbeitgeber lernt den Auszubildenden kennen", fügt Ströhlein hinzu. Danach geht der Auszubildende zum Studieren, hat aber parallel zu den zweieinhalb Jahren der Ausbildung auch noch Berufsschulunterricht.

In den vorlesungsfreien Zeiten im Februar sowie im August und September kehrt der Studierende ins Unternehmen zurück und arbeitet aktiv mit. "Der Vorteil für ihn: Er kennt das Unternehmen bereits aus seiner Praxisphase und ist selber im Kollegenkreis bereits bekannt und integriert. Wir als Betrieb ziehen aus dieser Konstellation den Mehrwert, dass der Betreffende auch während seines Studiums in den Semesterferien für vier respektive acht Wochen in der Firma tätig ist. Und wir wissen auch, wo er seine Stärken hat und am besten eingesetzt werden kann."

Im Gegensatz dazu komme etwa ein uns unbekannter Werkstudent für acht Wochen und geht dann wieder. Und ein Hochschulabsolvent sei für ein Unternehmen immer ein relativ unbekanntes Wesen.
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