Was ist der wüste Boanteng gegen Puck? Zidane gegen Zettel? König Fußball gegen den Feenkönig Oberon? Ein Nichts. Shakespeares jedenfalls hat mit seinem "Sommernachtstraum" das "Sommermärchen" der Fußballnation getoppt: Erstmals ein ausverkauftes Haus bei einer Premiere dieser Spielzeit der Naturbühne.

Und die Fußballabstinenzler haben's nicht bereut: Denn das junge Trebgaster Ensemble unter der Regie von Michal Sykora bietet einen heiteren "Sommernachtstraum" mit zauberhaften Tanz-Choreografien und dunkel-exotischen Klangwelten.


Verführung durch Licht


Dazu eine Verführung durch Licht: Die beiden Techniker Rainer Benedikt und Birgit Haßfürther erweisen sich als Lichtmagier, die die einmalige Naturkulisse am Wehelitzer Berg wirklich nutzen: Sie lassen Baumstümpfe, Felsvorspünge, Rampen in farbigem Licht erstrahlen. Überall funkeln Glühwürmchen - an der fantasievollen Königskrone Oberons, an Bändern und Girlanden oder in den transparenten Stoffen der Reifröcke der Elfen (Diana und Francesca Canola, Gabi Kranz, Kathrin Meier, Sabrina Schmitt und Susanne Handke). Für einen weiteren optischen Reiz der Inszenierung muss man nicht eigens nach Prag reisen: die "Laterna-Magika"-Leinwand auf der Hauptbühne. Gezeigt werden vorher gefilmte Video-Sequenzen - zum Beispiel ein grandioser Pferdeausritt in die fränkische Landschaft mit Hund - aus denen die Akteure auf der Bühne heraustreten.

Das effektvolle Spiel mit der Farbe findet in der Kostümausstattung seine Fortsetzung - ein Chapeau für Wolfram Broeder. Die jugendlichen Paare Hermia (Eva-Maria Thoma) und Lysander (Michael Bähr) beziehungsweise Helena (Sonja Welsch) und Demetrius (Philipp Gehringer) gehen in Weiß, das für ihre naive, ungezwungene Suche nach Liebe steht, während der tölpelhafte Handwerker-Haufen (Benedikt Lehmann, Michael Vogler, Markus Müller, Daniel Ganzleben und Doris Stein) in bunten Kanalarbeiter-Overalls herumkaspert.


Üble Macho-Methoden


Doch die zauberische Schönheit von Licht, Farbe und Aussehen der Personen täuscht. Es ist eine doppelbödige Welt, die uns bei Shakespeare begegnet. Vieles ist Traumgespinst, eine bloße Illusion. Dass die Welt aus den Fugen ist, sieht man am Verhältnis der Geschlechter: Der Elfenkönig Oberon (Rainer Dohlus) befindet sich wegen gegenseitiger Eifersucht mit Titania (Carolin Feulner) im ehelichen Clinch. Um sie fügsam zu machen, arbeitet er mit rüden Macho-Methoden: Er verbannt sie auf die Nebenbühne und verpasst ihr durch Puck (David Reichstein) einen Zaubersaft, bei dem sie sich in einen "Esel" (Markus Müller) verguckt.

Die komplette Kritik lesen Sie am Montag in der Bayerischen Rundschau.