Kulmbach

Ausbildungsmesse liefert Kulmbacher Schülern Perspektiven

Die Ausbildungsmesse in Kulmbach ist ein Muss für alle Schüler, bei denen demnächst der Abschluss ansteht. Zahlreiche Firmen aus der Region präsentieren sich und liefern gute Ideen und viel Wissenswertes rund um das Thema Berufswahl.
Artikel drucken Artikel einbetten
Lisa Köstner zeigt Valentin Bruhn (14) und Erik Heilsberg (14, hinten), wie man richtig lötet. Valentin besucht derzeit die Carl-von-Linde-Realschule und schaut sich auf der Ausbildungsmesse um. Fotos: Sonja Adam
Lisa Köstner zeigt Valentin Bruhn (14) und Erik Heilsberg (14, hinten), wie man richtig lötet. Valentin besucht derzeit die Carl-von-Linde-Realschule und schaut sich auf der Ausbildungsmesse um. Fotos: Sonja Adam
+17 Bilder
Schwer bepackt mit einer ganzen Tüte voller Informationsbroschüren sitzt Jan Henrik (15) mit seiner Mutter Elke Ufer in der Caféteria des Berufschulzentrums und redet und redet und redet. In aller Ruhe diskutiert er mit seiner Mutter die verschiedenen Möglichkeiten der Berufswahl durch - während sich nebenan die Massen durch die Gänge mit Informationsständen schieben.

"Ich bin jetzt in der neunten Klasse der Realschule in Kulmbach und möchte irgend etwas Handwerkliches machen", weiß Jan Henrik schon. Doch wie genau das Handwerkliche aussehen könnte, darüber ist er sich noch nicht ganz im Klaren. "Aber man kann sich hier ja alles mal anschauen", sagt der Schüler. Nicht nur für sich selbst hat er sich umgesehen, sondern auch jede Menge Informationen über ein mögliches Duales Studium für seine 17-jährige Schwester mitgenommen.

"Ich finde so eine Messe gut. Denn man bekommt wirklich neue Eindrücke und kann sich einfach gut informieren. Es sind ja alle Firmen da", sagt Mama Ufer. Außerdem sucht ihr Sohn noch ein Praktikum - und auch deshalb ist der Kontakt zur Wirtschaft wichtig. An den Ständen kann man unverbindlich die Verantwortlichen treffen und ansprechen.

Doch nicht nur diejenigen, bei denen der Schulabschluss unmittelbar bevorsteht, sondern auch jüngere Schüler sehen sich um: Benjamin Theunert ist mit seinen 13 Jahren einer, der noch ein paar Jahre Zeit hat. Er besucht derzeit die siebte Klasse der Montessori-Schule in Bayreuth und hat Interesse an einem handwerklichen Beruf. Gemeinsam mit seinem Vater nutzt er die Ausbildungsmesse, um sich aus erster Hand zu informieren.

"Was ich mal werden will - das ist eine gute Frage. Wahrscheinlich eher etwas mit Menschen", verrät Marcel Kaim (17). Er ist in der Hans-Edelmann-Schule und befasst sich sehr konkret mit dem Thema Berufswahl. "Einen Bürojob möchte ich auf keinen Fall", stellt er schnell fest - auch nach den ersten Gesprächen an den Ständen. "Es ist immer das Problem, dass ein Teil von den Berufen gut ist, und dass mir ein Teil eben nicht so gefällt", sagt er, bleibt aber am Ball und schaut weiter.

Florian Konrad (18) und Gabriel Moser (16) kickern. Aber nicht einfach so. Die beiden Gegnerinnen sind Franziska Wirsing (18) und Kim Hörath (21), beides technische Produktdesignerinnen bei Schrutka und Peukert, und die erzählen nebenbei von ihrem Beruf. "Ich mache jetzt erst mal die Schule fertig, das ist ja klar - ich hab noch ein bisschen Zeit", sagt Gabriel Moser. Doch er braucht noch ein Praktikum - und vielleicht könnte er in diesem Bereich tätig werden, überlegt er.

Überhaupt knüpfen bei der Ausbildungsmesse schon lange nicht mehr nur Haupt- und Realschüler, bei denen der Abschluss vor der Tür steht, Kontakte zur Wirtschaft, sondern auch viele Gymnasiasten. Cosima Göldner (15) und ihre Freundin Theresa Vießmann (16) schauen am Stand der MTA-Schule in Bayreuth durchs Mikroskop und sind begeistert. "Wir stellen hier die verschiedenen Themenbereiche vor - Mikrobiologie, Histologie, Hämatologie und chemische Analysen", erklärt Waltraud Deinlein von der Schule.

Auch die neue Sozialministerin Emilia Müller konnte beim Anblick der Mikroskope nicht widerstehen und wagte einen Blick. "Man wird ja nicht als Ministerin geboren, ich war doch am Institut für Biochemie, Mikrobiologie und Genetik und am Institut für Physiologie an der Uni in Regensburg", erzählt die frisch gekürte Sozialministerin. "Die Ausbildungsmesse ist ein Markt der Möglichkeiten", sagt Müller und freut sich, dass im Landkreis Kulmbach auf 100 Bewerber 198 offene Stellen kommen.

"Unsere duale Ausbildung in Deutschland ist ein Exportschlager, der sich auch in anderen europäischen Ländern durchsetzt", so Müller. "Es ist eine ungeheure Trostlosigkeit, wenn man beispielsweise in Ländern wie Griechenland eine Jugendarbeitslosigkeit von 64 Prozent hat", meint Müller und betont, dass der Schulterschluss zwischen Schule und Wirtschaft wichtig und richtig ist.

CSU-Bundestagsabgeordneter Hartmut Koschyk lobt ebenfalls die duale Ausbildung und berichtet von dualen Ausbildungseinrichtungen in China, die nicht nur von deutschen Firmen genutzt werden.

Bei der 24. Ausbildungsmesse im beruflichen Schulzentrum präsentieren sich am Samstag mehr als hundert Aussteller, zeigt sich auch Landrat Klaus Peter Söllner stolz auf die Messe. "Die Firmen legen großen Wert auf ihre Präsentation", so der Landrat. "Es ist schön, wenn man sieht, wie interessiert die jungen Menschen sind. Sie schauen sich um, was es gibt. Und die Eltern sind auch dankbar, weil die Ausbildungsmesse einfach eine gute Möglichkeit ist, sich zu informieren", sagt Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm. Auch in Kulmbach sei der Run auf "gute Leute" schon zu spüren. Denn es wird schwieriger, alle Positionen zu besetzen. Deshalb präsentieren sich bei der Ausbildungsmesse auch der Landkreis und die Stadtwerke Kulmbach.

"Wir können froh sein, dass wir hier so gut aufgestellt sind", betont CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Und Michael Pfitzner vom Arbeitskreis Schule und Wirtschaft freut sich einfach nur über den gigantischen Ansturm, der schon am Morgen eingesetzt hat. Die Ausbildungsmesse hat sich zu einem echten Forum entwickelt, das für alle Schularten interessant ist.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren