Kulmbach

Ausbildungsmesse in Kulmbach präsentiert Berufe

Bei der 25. Ausbildungsmesse im beruflichen Schulzentrum in Kulmbach konnten der Landkreis Kulmbach und der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft eine Rekordbeteiligung verbuchen. 107 Aussteller informierten Jugendliche über viele Ausbildungsberufe.
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David Gräf (12) und Niclas Linhardt (12), beide aus der siebten Klasse der Neuenmarkter Schule, interessieren sich für alles, was mit Autos etwas zu tun hat. Hier biegen die beiden Bleche. Dabei wird die eine Seite auseinandergezogen, erklären die beiden Foto: Sonja Adam
David Gräf (12) und Niclas Linhardt (12), beide aus der siebten Klasse der Neuenmarkter Schule, interessieren sich für alles, was mit Autos etwas zu tun hat. Hier biegen die beiden Bleche. Dabei wird die eine Seite auseinandergezogen, erklären die beiden Foto: Sonja Adam
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Jannik Titze ist erst 13 Jahre alt. Hochkonzentriert steht der Achtklässler, der die Max-Hundt-Schule besucht, in der Werkstatt des beruflichen Schulzentrums und versucht aus Kupferdraht nach einer Vorlage ein Flugzeug zu biegen. Lisa Köstner (20), eine Auszubildende in der Berufsrichtung Mechatronik, erklärt die Details. "Mechatroniker ist eigentlich kein Männerberuf mehr. In der Industrie gibt es unglaublich viele Hilfsmittel, der Beruf ist nicht anstrengend", erklärt sie Jannik Titze und jeder merkt ihr an, dass sie ihren Traumberuf gefunden hat. Lisa Köstner kann diesen Beruf nur empfehlen. Sie ist im zweiten Lehrjahr und lernt bei Glen Dimplex. "Ich weiß noch gar nicht, ob ich handwerklich geschickt bin", sagt Jannik Titze und möchte genau das bei der Ausbildungsmesse herausfinden. Die ersten beiden Biegungen für das Flugzeug hat er schon getätigt. Seine Konstruktion sieht allerdings nicht ganz so akkurat aus wie die von Lisa Köstner. "Ich denke, man muss schon ein bisschen ein Händchen dafür haben", sagt Titze offen und ehrlich. Er war schon im vergangenen Jahr bei der Ausbildungsmesse. "Die Ausbildungsmesse ist die Gelegenheit, um sich verschiedene Berufe anzuschauen, um sich mal die Firmen anzuschauen", sagt Jannik Titze.

Und sich umschauen - genau das tun auch hunderte andere Schüler. Sie bummeln von Stand zu Stand, sammeln Infomaterial ein, auch ein paar Give-aways. Im Nu hat jeder Interessent eine große Tasche Infomaterial zusammen und machen Kontakt geknüpft.

Vielleicht zur Polizei?

Nadine Tempel (14) ist mit ihrem Vater Georg zur Ausbildungsmesse gekommen. Sie lassen sich am Stand der Polizei beraten. "Ich bin schon in Weismain bei der Feuerwehr aktiv", erzählt Nadine Tempel und könnte sich gut vorstellen, dass Polizistin etwas für sie wäre. Oder eben eine andere Tätigkeit bei Rettungskräften. Petra Schoberth ist selbst seit 2000 bei der Polizei. Sie kommt ursprünglich aus Kempten, ist jetzt aber in Oberfranken, in Bayreuth, bei der Polizei. "Bei der Polizei kommt man auch mal rum", sagt sie offen und ehrlich. Denn eine Garantie, in der Heimat zu bleiben, gibt es nicht. Petra Schoberth trägt schon die neue blaue Polizeiuniform. "Das ist ein Trageversuch. Mein Kollege ist noch grün", erklärt sie.

Die meisten Firmen setzen auf klassische Informationsstände. Raps beispielsweise lässt die Azubis selbst die Interessenten beraten. Steffen Weißmann (15) aus Mainleus interessiert sich für die Fachrichtung Fachinformatiker. "Ich könnte mir aber auch Elektroniker vorstellen", sagt er. In Mathe hat er jedenfalls gute Noten.

Das BRK erregt mit einem Alterssimulationsanzug die Aufmerksamkeit vieler Besucher. Den trägt Marion Hohlweg. "Eigentlich bin ich 53 und mache beim BRK Bayreuth im dritten Lehrjahr die Ausbildung zur Altenpflegefachkraft", sagt Hohlweg. "Aber jetzt bin ich gerade 91", erklärt sie. Der Anzug simuliert Gelenkversteifungen, schlechte Augen. Und der Anzug sorgt für Aufsehen bei der Ausbildungsmesse. Denn tatsächlich bewegt sich die Auszubildende wie eine alte Frau. Ständig wird sie angesprochen.

Von Heilerziehung bis zu Kältetechnik

Im gesamten beruflichen Schulzentrum präsentierten sich die verschiedenen Firmen der Region. Zudem gab es Fachvorträge über das Berufsbild Heilerziehungspflege, über Kältetechnik, über berufliche Karrieren bei der Bundeswehr, über den Beruf Erzieher, über die Ausbildung zum Diätassistentenden oder über Ausbildung und Studium beider Bundespolizei und viele weitere Berufe. Die ASCO Sprachenschule Coburg informierte über Fremdsprachenberufe, die Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe multi lingua über die Ausbildung zum staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondenten. Und auch Ergotherapie oder die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt waren Themen.

Absolut im Trend lagen aber Kursangebote zu den Themen Rohrbearbeitung, Kältetechnik, Blechbearbeitung, Holztechnik, CAD-Bauzeichnen, Bautechnik, Florist oder Workshops der Brauer und Mälzer. Überall dort, wo sich etwas bewegte, war besonders viel Andrang. Denn die Schüler wollten sich live informieren, wollten auch mal etwas ausprobieren.

"Ich will auf jeden Fall etwas mit Autos machen", waren sich David Gräf (12) und Niclas Linhardt (12), sicher, nachdem sie erste Biegeversuche hinter sich gebracht hatten. Beide besuchen aktuell die siebte Klasse der Neudrossenfelder Hauptschule. Und ein bisschen Spaß war für die Schüler auch angesagt. Denn viele Firmen haben Verlosungsaktionen angeboten, manche auch interessante Workshops. Ellena Ennen (14),die derzeit die achte Klasse der Max-Hundt-Schule besucht, schnupperte einmal in den Bereich Floristik. "Das gefällt mir auch", sagte ihre zwei Jahre jüngere Schwester Vivien Ennen, die gerade einmal in der fünften Klasse ist.

Gute Leute sind gefragt

Bei der 25. Ausbildungsmesse im beruflichen Schulzentrum präsentierten sich 107 Aussteller. Das sei eine Rekordbeteiligung zeigte sich Landrat Klaus Peter Söllner stolz auf die Messe. Auch in Kulmbach sei der Run auf "gute Leute" schon zu spüren. Denn es wird schwieriger, alle Positionen zu besetzen, merkte Michael Pfitzner vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft an. Besonders freute sich Pfitzner, dass die Abitura der traditionellen Aubildungsmesse keinerlei Abbruch getan habe. Denn die beiden Ausbildungsmessen sprechen jeweils gezielt ein anderes Publikum an.

Der Run nach guten Fachkräften habe auch in Kulmbach schon begonnen, stellte Clemens Dereschkewitz, Geschäftsführer von alpha innotec, fest.

Eröffnet wurde die Ausbildungsmesse von Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Wenning betonte, dass das duale Ausbildungssystem in Deutschland wichtig und richtig sei und dass man sich dieses Ausbildungssystem durch internationale Ansichten nicht miesmachen lassen solle. Seitens der Stadt war Bürgermeister Stefan Schaffranek zugegen.

Joachim Meier, der Leiter des beruflichen Schulzentrums, freute sich, dass das berufliche Schulzentrum regelrecht überrannt wurde. Und viele Schüler gingen hinterher mit völlig neuen Erkenntnissen aus der Messe heraus.

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