Kulmbach
Lesung

Aus Liebe zum schwarzen Humor

Die Schauspielerin Andrea Sawatzki präsentierte in der Buchhandlung Rupprecht ihren neuen Thriller.
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Horst Steiner aus Hof (links) überreichte der überraschten Schauspielerin eine Anstecknadel der Polizeigewerkschaft. Fotos: Uschi Prawitz
Horst Steiner aus Hof (links) überreichte der überraschten Schauspielerin eine Anstecknadel der Polizeigewerkschaft. Fotos: Uschi Prawitz
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Rund 150 Gäste drängten am Montagabend in die Buchhandlung Rupprecht, denn eine von Deutschlands beliebtesten Schauspielerinnen war nach Kulmbach gekommen, um aus ihrem aktuellen Psychothriller "Der Blick fremder Augen" vorzulesen. Und so betrat um Punkt 20 Uhr eine strahlende "Rothaarige so um die 50", wie sie sich selbst gern bezeichnet, das Podium. "Sie sind Schauspielerin, Hörbuchsprecherin, Mutter von zwei Kindern und Besitzerin von drei Hunden - warum auch noch Autorin?", wollte Geschäftsführerin Maria Rupprecht gleich zu Beginn von ihr wissen.
Andrea Sawatzki lächelte. "Ich wollte unbedingt noch etwas Neues machen", sagte die Schauspielerin und erklärte, wie sie im Verlauf ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Schirmherrin für die Stiftung "Ein Platz für Kinder" auf die Idee für ihr erstes Buch kam. "Ich habe immer wieder Fragmente meiner Begegnungen mit den Schicksalen dieser Kinder aufgeschrieben." Diese habe sie dann mit ihren Überlegungen verschiedenen Verlagen vorgelegt und der Piper Verlag habe zugeschlagen.
Die Autorentätigkeit ergänze sich dabei auch ganz gut mit der Schauspielerei. Das Studium von Menschen und des zugehörigen Umfelds, das beim Schreiben noch viel tiefer gehe, käme ihr auch als Schauspielerin sehr gelegen. Und damit deutete sie bereits an, dass Schreiben keinesfalls eine einfache Sache ist. "Ich hatte ja immer so romantische Vorstellungen vom Schreiben", grinste die Autorin, "habe mich mit einem Füller, einem Glas Wein und Kerzenlicht auf der Couch gesehen." Doch die Realität sehe anders aus: Geschrieben wird überall, ob auf Zugfahrten, in Hotelzimmern "oder wenn ich auf meine Kinder warte, bis sie mit dem Breakdance-Unterricht fertig sind." Andrea Sawatzki plauderte offen und bereitwillig aus dem Nähkästchen, sie lachte viel und zeigte mit einem Augenzwinkern ihren schwarzen Humor, Tabus scheint sie kaum zu kennen. Und das drückt sich auch in ihren Romanen aus.


Erster Roman verfilmt

Ein Psychothriller ist ihr neuestes Werk, in dem es eine junge Frau erfolgreich schafft, jahrlang die schrecklichen Erlebnisse ihrer Kindheit zu unterdrücken, bis eines Tages alles durch ein neues Trauma an die Oberfläche schwappt. Natürlich darf auch eine "Rothaarige so um die 50" nicht fehlen, denn "da achte ich jetzt immer ein wenig darauf", erzählte sie mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich spielt sie auch die Hauptrolle in einer Verfilmung ihres ersten humorvollen Romans mit dem Titel "Tief durchatmen, die Familie kommt", der am 21. Dezember im ZDF mit Axel Milberg als Partner an ihrer Seite zur Ausstrahlung kommt.
Doch zurück zur Lesung. Da herrschte zeitweise gebanntes Schweigen und Andrea Sawatzki verstand es, mit ihrem Publikum zu spielen. "Die Augen haben in den letzten Jahren ziemlich nachgelassen. Blind wie ein Maulwurf ist sie", las die Autorin aus Kapitel 42 ihres Thrillers vor. "Das Treppenlicht geht aus." Mit einem breiten Grinsen im Gesicht ließ sie ihre Zuhörer angespannt in der Luft hängen. "Die wirklich harten Szenen lasse ich bei der Lesung natürlich aus", brach sie schelmisch das Schweigen, und das Publikum klatschte beinahe schon vor Erleichterung. Denn anschaulich und mitreißend erzählen - das kann Andrea Sawatzki, und entsprechend begeistert sind ihre Fans.


Andenken von der Polizei

Auch die ganz neu gebackenen, die vorher noch gar nicht wussten, dass die berühmte Schauspielerin auch Bücher schreibt. Horst Steiner beispielsweise kam extra aus Hof angereist und überreichte Andrea Sawatzki eine Anstecknadel der Polizeigewerkschaft in Form von Handschellen. "...und ich hoffe, dass Sie die einmal in einem Ihrer nächsten Krimis tragen werden", sagte der Hofer.
Andrea Sawatzki freute sich. Die ganz ehrliche Freude einer Frau, die trotz oder vielleicht gerade aufgrund ihrer Beliebtheit auf dem Boden geblieben ist, eine Frau, die ihren Protagonistinnen oft gar nicht so unähnlich ist, "von Perfektionismus getrieben - aber das ist wohl auch so ein Frauending." Eine Frau, die Frauen aus der Seele spricht und damit ein breites Publikum erreicht.

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