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Melkendorf
Jubiläum

Aufträge wären das schönstes Geschenk

Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Melkendorf feierte ihr 30-jähriges Bestehen. Die 144 Mitarbeiter sind glücklich, eine Arbeit zu haben.
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Hans-Joachim Zapf ist schon mehr als 25 Jahre in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung tätig. Er "entgarnt" Garnrollen. Gerne erklärte er den Ehrengästen seine Arbeit. Fotos: Sonja Adam
Hans-Joachim Zapf ist schon mehr als 25 Jahre in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung tätig. Er "entgarnt" Garnrollen. Gerne erklärte er den Ehrengästen seine Arbeit. Fotos: Sonja Adam
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Hans-Joachim Zapf hätte auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance. Denn er hat eine Handicap. Doch er möchte arbeiten, ist leistungswillig und mit Feuereifer bei der Sache. "Ich mache Recycling", erklärt er seine Tätigkeit in der Melkendorfer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dann zeigt er den Gästen, was er tut: "Ich entgarne für die Firma Schöpf in Stammbach." Hans-Joachim Zapf ist einer von aktuell 144 Mitarbeitern der Melkendorfer Einrichtung, die gestern ihr 30-jähriges Bestehen feierte.

"Das macht auch Spaß"

Hinter Zapf hängt eine Urkunde, eine Auszeichnung für mehr als 25-jährige Tätigkeit in der Werkstatt. Die Weberei in Stammbach liefert kistenweise Garnrollen mit Resten an. Und die muss der Mitarbeiter dann vom Garn befreien. Denn ein Verweben wäre zu aufwändig, die Verknotungsarbeit würde viel zu viel Zeit kosten. "Aber die dicken Spulen aus Karton werden wieder verwendet", so Zapf, und strahlt: "Das macht auch Spaß."
Nur wenige Meter weiter sitzen weitere Menschen mit Behinderung. Sonja Hübner fertigt Stoffmusterkarten - auch für die namhafte Kulmbacher Firma Saum & Viebahn. An einer anderen Station montieren Bernd Meisel und Helmut Lauterbach Rohrschellen. Und am Nebentisch dreht sich alles um Lebensmittel: Dort verpackt Stefan Beck Grillsaucen für die Firma Raps in Kulmbach. "Das ist gute Arbeit", sagt Beck.
Vor dreißig Jahren wurde die Werkstatt ins Leben gerufen - damals mit vierzig Behinderten, erzählt Sozialpädagogin Doris Küffner. "Wir sind froh, dass uns viele Firmen aus Kulmbach und der Region Aufträge geben, aber wir können immer noch mehr gebrauchen", sagt sie, denn: "Die Zeiten werden schwieriger." Es sei immer schwerer, manuelle qualifizierte Arbeit zu finden pflichtet ihr Reinhard Wich, der Leiter des Werkes Kulmbach, bei.

Bierkästen aus Holz

In der Schreinerei fertigen die Mitarbeiter Einwegpaletten - genau nach Vorgabe. In der Schreinerei werden zudem Polsterplatten für Stühle bearbeitet. Auch kleine heimische Brauereien gehören zu den Kunden. Für sie werden die Holzkisten für die erlesenen Biere produziert.
Doch nicht nur in der Werkstatt wird gearbeitet. "Wir haben 160 Menschen mit Handicap und hätten eigentlich anbauen müssen. Aber wir wollten den Weg der Inklusion gehen und in der Region die Bereitschaft erzeugen, Menschen mit Behinderung zu integrieren. Das ist uns in den letzten fünf Jahren zunehmend gelungen", zog der Geschäftsführer der Diakonie Bayreuth, Hartmut Springfeld, bei einem kleinen Festakt eine Bilanz. Auch in Zukunft werde das Motto sein: "Von außen vor zu mittendrin".
Oberbürgermeister Henry Schramm freute sich über den Erfolg der Einrichtung. "Als am 2. April 1984 alles begann, galt es, den Menschen in einem geschätzten Raum einen Arbeitsplatz zu geben. Denn Arbeit sorgt für einen Sinn im Leben", so der OB.

Viel Geld vom Bezirk

Doch nicht nur die Stadt engagiere sich. Der Bezirk Oberfranken wende für solche Einrichtungen 330 Millionen Euro im Jahr auf. "Es ist gut für die Menschen, wenn sie einen geregelten Tagesablauf haben, denn das steigert das Selbstwertgefühl", sagte Schramm.
Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist außerdem ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Bayreuth und Kulmbach, betonte Landrat Klaus Peter Söllner. "Es gibt in Deutschland viele Organisationen, die sich ganzheitlich für die Menschen einsetzen, aber in Melkendorf wurde eine Erfolgsgeschichte geschrieben."
Zum Festakt kamen viele Freunde und Kunden, am Nachmittag stand ein Tag der offenen Tür auf dem Programm.

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