Erich Schiffelholz, örtlicher Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Kastellan Harald Stark und Gerhard Scheibe, der seit den sechziger Jahren Dohlen beobachtet, schauen sich auf der Plassenburg um, wie es dem Vogel des Jahres 2012 geht. Was sie sehen, ist durchaus erfreulich. "In den letzten Jahren hat's abgenommen, aber heuer hat sich der Bestand auf der Burg wieder erholt, die Dohlenkolonie ist größer geworden", meint Scheibe.

Aktuell hat Scheibe mindestens 14 Tiere auf der Burg gezählt, Frank Schneider vom LBV sogar 24. Die Diskrepanz erklärt Schiffelholz so: "Ende März, Anfang April legen die Dohlen ihre Eier, und nach 18 Tagen schlüpfen die Jungen. Man sieht jetzt also nicht immer alle Tiere, weil einer der Altvögel brütet."

Allerdings sind die Zahlen weit entfernt von früheren Beobachtungen. "In den siebziger Jahren sind es 70 bis 100 Dohlen auf der Burg gewesen. Wenn die über die Stadt geflogen sind, war es wie eine Wolke", weiß Scheibe.

Dohlenvorkommen melden


Über die Population auf der Plassenburg - hier ist die Dohlenwelt noch in Ordnung - weiß der LBV bestens Bescheid. Anders sieht es in der restlichen Stadt aus. "Wir würden uns wünschen, dass man uns weitere Dohlenvorkommen in Kulmbach meldet", sagt Schiffelholz, der solche Hinweise gerne entgegennimmt (Telefon 09229/8191, E-Mail kulmbach@lbv.de).

Mit den gewonnenen Daten will der LBV die Lebensbedingungen der intelligenten Vögel verbessern. Ob private Gebäude, Kirchtürme oder hohe Industriegebäude, "wir schauen uns alles im Einzelfall an", betont Schiffelholz. Mit abgeschlossenen Nisthilfen könne man dafür sorgen, dass es wenig Beeinträchtigungen gibt. Auch an die Waldbesitzer richtet er einen Appell: "Dohlen sind zu einem Drittel Höhlenbrüter. Bitte Bäume mit verlassenen Specht höhlen stehenlassen."

Dass etwas für die schwarz-gefiederten Vögel mit den silber-blauen Augen getan werden muss, steht außer Zweifel. "Bundesweit ist ein Rückgang feststellbar. In manchen Bundesländern stehen die kleinsten Rabenvögel auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, in Bayern auf der Vorwarnliste, man muss die Situation beobachten", so Schiffelholz.