Stadtsteinach
Verhandlung

Arbeitsgericht muss über Kündigung des Mesners entscheiden

Der Stadtsteinacher Mesner Andreas Dremer hat gegen seine Kündigung geklagt. Die Verhandlung am Arbeitsgericht Bayreuth findet am 11. Juli statt.
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Ein schweres Kreuz hat Mesner Andreas Dremer derzeit zu tragen: Die Pfarrgemeinde Stadtsteinach hat ihm aus finanziellen Gründen gekündigt. Ob diese Entscheidung richtig war, muss nun das Arbeitsgericht Bayreuth beurteilen. Foto: BR-Archiv/Sonny Adam
Ein schweres Kreuz hat Mesner Andreas Dremer derzeit zu tragen: Die Pfarrgemeinde Stadtsteinach hat ihm aus finanziellen Gründen gekündigt. Ob diese Entscheidung richtig war, muss nun das Arbeitsgericht Bayreuth beurteilen. Foto: BR-Archiv/Sonny Adam
Die Kündigung, die sich für Mesner Andreas Dremer bereits im Herbst vergangenen Jahres abgezeichnet hatte, ist kurz nach Weihnachten Wirklichkeit geworden: Die Pfarrgemeinde Stadtsteinach eröffnete ihm, dass er nur noch bis 30. Juni 2017 beschäftigt werden kann - aus finanziellen Gründen. Im Klartext: Es ist kein Geld mehr da, um Dremers Gehalt zu bezahlen.

Doch damit ist der 39-Jährige nicht einverstanden. Er hat Klage eingereicht gegen die Pfarrei, für die er seit über 16 Jahren hauptamtlich tätig ist. Der Job ist sein Lebensinhalt, auch in seiner Freizeit engagiert er sich für alle möglichen kirchlichen Belange.

Ob er mit seiner Klage Erfolg haben wird? Die Entscheidung fällt am 11. Juli am Arbeitsgericht in Bayreuth. Dort fand am 21. Februar bereits ein Gütetermin statt, der allerdings ergebnislos endete. Dies teilte Dremers Rechtsanwalt Jürgen Schmidt aus Kulmbach der BR auf Anfrage mit.


Keine Einigung erzielt

"Herr Dremer möchte seine Stelle behalten, und vom Gericht ist auch die Weiterbeschäftigung angeregt worden. Man konnte sich aber nicht einigen", sagte Schmidt. Den Parteien sei nun aufgegeben worden, ihre Sicht der Dinge bis zur Verhandlung in einem Schriftsatz darzulegen.

An der leeren Kasse in St. Michael, die Begründung für die Kündigung des Mesners, hat sich erwartungsgemäß nichts geändert. Laut Kirchenpfleger Klaus Geier liegt für die ersten beiden Monate des neuen Jahres zwar noch kein Rechnungsabschluss vor, seine Hochrechnungen hätten aber nichts anderes ergeben. "Es könnte sogar sein, dass die finanzielle Situation noch etwas schlechter geworden ist", betont Geier, demzufolge die meisten Gläubigen, "von denen wir Rückmeldungen bekommen", Verständnis für die Pfarrgemeinde aufbringen. Rund 23 000 Euro beträgt das jährliche Defizit inzwischen.

Angesprochen auf frühere Äußerungen, wonach es "hintenrum" persönliche Anfeindungen und Beleidigungen gegen ihn gegeben habe, erklärte Geier, dass es "momentan ruhig" sei und das Thema offiziell niemanden interessiere. "Wenn kein Geld da ist, muss jeder so handeln. Wir machen das ja nicht aus einer Laune heraus, uns gefällt das auch nicht."


Nur mit Rücklage und Zuschüssen

Besonderen Wert legt der Kirchenpfleger auf die Feststellung, dass nicht nur das Mesnergehalt, sondern auch die Sanierung des Pfarrheims und des Benefiziatenhauses ausschließlich aus der Rücklage, mit Einnahmen aus der Asylbewerber-Betreuung und Zuschüssen aus Bamberg bezahlt wurden. Der Vorwurf, für Baumaßnahmen würden Gelder aus dem Pfarrhaushalt verwendet, sei nicht zutreffend. "In der jetzigen Situation könnten wir nicht einmal den Eigenanteil für die Sanierung der Orgel aufbringen", betont Geier, der auf den Hinweis, dass Andreas Dremer auch mit einer Gehaltskürzung einverstanden wäre, kurz überlegt. "5000 bis 6000 Euro pro Jahr wären vielleicht möglich", sagt er, um gleich einzuschränken: "Naja, selbst das wäre zu viel."

So muss nun das Arbeitsgericht Bayreuth entscheiden, wo die Pfarrgemeinde Stadtsteinach vom Leiter der Stabsstelle "Weltliches Recht" beim erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, Johannes Siedler, vertreten wird. Auch er wird seinen Schriftsatz ausschließlich auf die geschilderte Finanzlage abstellen. "Es ist Tatsache, dass die Gemeinde kein Geld hat, und das werde ich bei der Verhandlung erläutern", so der Justiziar.

Andreas Dremer geht indessen jeden Tag wie gewohnt seiner Arbeit nach, um eine neue Stelle hat er sich bislang nicht gekümmert. Wie beurteilt er die Aussichten? "Das ist ein schwebendes Verfahren, man kann da ganz schlecht eine Einschätzung abgeben", sagt der 39-Jährige und fügt hinzu: "Es heißt ja immer, vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand."


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