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Gericht

Angeklagter aus dem Kreis Kulmbach sieht sich als Opfer

Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach soll eine junge Frau geschlagen haben. Er bestritt dies vehement - und der Richter stellte das Verfahren ein.
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Obwohl eine Frau einem jungen Mann aus dem Landkreis Kulmbach die Nase gebrochen hatte, fand der sich plötzlich auf der Anklagebank wieder. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Obwohl eine Frau einem jungen Mann aus dem Landkreis Kulmbach die Nase gebrochen hatte, fand der sich plötzlich auf der Anklagebank wieder. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Täter oder Opfer? Obwohl er einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, fand sich ein 20-jähriger Mann aus dem westlichen Landkreis Kulmbach plötzlich selbst auf der Anklagebank wieder.

Bei einer tätlichen Auseinandersetzung in den frühen Morgenstunden des 1. Mai vor dem Musikcenter in Trockau soll der angehende Student einer jungen Frau mehrfach unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass sie schmerzhafte Prellungen erlitt.


Mit gebrochener Nase nach Hause


Die Frau hatte damals zurückgeschlagen, der 20-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch. Offenbar hat deshalb gegen die Frau bereits eine Verhandlung stattgefunden. Ob sie verurteilt wurde oder nicht, konnten weder Jugendrichter Christoph Berner noch Staatsanwalt Stefan Kolb auf die Schnelle in Erfahrung bringen.


Der Angeklagte wusste dagegen "hundertprozentig sicher", dass er nicht zugeschlagen hatte. Er sei mit einem Kumpel nach draußen gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Dort sei es vermutlich wegen eines Feuerzeugs ganz plötzlich zu einer verbalen, dann zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen.


Keiner Schuld bewusst


"Die junge Frau und deren Freund haben damit begonnen", sagte der 20-Jährige. Er selbst sei sich keiner Schuld bewusst. Er habe die Frau nie zuvor gesehen, er habe sie auch nicht angefasst und schon gar nicht geschlagen. Sie habe dagegen hysterisch herumgeschrien und vier bis fünf Mal auf ihn eingeschlagen, plötzlich sei seine Nase gebrochen gewesen.

Deshalb habe er auch die Polizei gerufen und die Frau angezeigt. Warum er sich jetzt auf der Anklagebank wiederfinde, könne er sich nicht erklären.


Telefonisch krank gemeldet


Von einer größeren Auseinandersetzung, die eine Fülle von Verfahren nach sich gezogen habe, wusste auch Richter Berner. Problem des Gerichts war es allerdings, dass sich die junge Frau, deren Zeugenaussage mit Spannung erwartet wurde, wenige Minuten vor der Hauptverhandlung telefonisch krank gemeldet hatte. Sie sei plötzlich stark erkältet und könne nicht kommen, hieß es.

In ihrer polizeilichen Vernehmung hatte sie angegeben, dass ihr der Angeklagte mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Deshalb auch die Anklage.

"Keine Ahnung, warum sie so etwas behauptet", so der Angeklagte. Tatsächlich ergab ein Blick auf die Beweisfotos der Polizei, dass der Angeklagte weit mehr verletzt wurde als die junge Frau. Das sollte schließlich auch der Hauptgrund dafür sein, dass der Richter das Verfahren kurzerhand ohne weitere Sanktionen einstellte und die Kosten der Staatskasse aufbürdete.

Dem Angeklagten gab er noch mit auf dem Weg, sich die Geschichte als Lehre dienen zu lassen und Schlägereien künftig aus dem Weg zu gehen, auch wenn es darum gehe, einem Kumpel beizustehen.

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