Kulmbach
Drogenprozess

Angeklagte schweigen, Zeuge sturzbetrunken

Wegen mehr als 150 Fällen, in denen er von 2012 bis 2014 mit Haschisch und Marihuana und in einigen Einzelfällen auch mit Crystal gehandelt haben soll, muss sich ein 30-jähriger Russlanddeutscher aus Kulmbach vor dem Amtsgericht verantworten. Mit auf der Anklagebank sitzt die Freundin des Mannes.
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Mit Haschisch, Marihuana und Crystal soll ein 30-jähriger Kulmbacher gehandelt haben. Deswegen sitzt er zusammen mit seiner Freundin auf der Anklagebank. Foto: Symbolbild Christopher Schulz.
Mit Haschisch, Marihuana und Crystal soll ein 30-jähriger Kulmbacher gehandelt haben. Deswegen sitzt er zusammen mit seiner Freundin auf der Anklagebank. Foto: Symbolbild Christopher Schulz.
Weil beide zum Prozessauftakt keine Angaben machten, die Vernehmung mehrerer Belastungszeugen zu nichts führte und sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in einem Rechtsgespräch nicht verständigen konnten, wird die Verhandlung für zwei Wochen unterbrochen und dann nochmals mit möglichen Belastungszeugen fortgesetzt.

Für einen Paukenschlag sorgte gleich der erste Zeuge, von dem sich das Gericht eigentlich Aufklärung erhofft hatte. Der Mann war ganz offensichtlich sturzbetrunken, lallte im Zeugenstand und hatte wahrscheinlich überhaupt keine Orientierung.

Wieder nach Hause geschickt

Während er selbst von Kreislaufproblemen sprach, äußerte vorsitzende Richterin Nicole Allstadt den Verdacht, dass der Zeuge wohl nicht nüchtern sei.
Wegen schwerer Bedenken in Bezug auf die Vernehmungsfähigkeit des Mannes, schickte ihn das Gericht erst einmal wieder nach Hause. Ob er beim Angeklagten jemals Drogen gekauft hatte, blieb im Dunkeln.

Auch der zweite Zeuge half nicht wirklich weiter. Er wurde in Fußfesseln aus dem Gefängnis vorgeführt, berief sich aber gleich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht. Das hat tatsächlich jeder Zeuge, wenn er sich durch wahrheitsgemäße Angaben selbst belasten würde. Bei diesem Zeugen stand ebenfalls der dringende Verdacht im Raum, dass er Geschäfte mit dem Angeklagten gemacht hat.

"Es waren nicht so viele Fälle"

Die Bombe ließ schließlich der dritte Zeuge platzen. Der 48-jährige Kulmbacher war bereits im November wegen genau der angeklagten 150 Fälle des Ankaufs von Haschisch und Marihuana rechtskräftig zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Genau das sollten nach den Ermittlungen der Polizei die Fälle sein, wegen denen sich nun der 30-jährige Russlanddeutsche verantworten muss. "Es waren aber gar nicht so viele Fälle", behauptete der Mann jetzt. Die Ermittler hätten ihm seine Worte im Mund herumgedreht, er sei fix und fertig gewesen und habe alles nur noch abgenickt, erklärte der Zeuge, obwohl ihn die Richterin bereits auf die mögliche Strafbarkeit seiner Aussage wegen falscher Verdächtigung hinwies.

Einige Fälle des Drogenerwerbs waren es aber dann doch. Fünf bis sechs Mal will der 48-Jährige nun Haschisch und Marihuana in kleinen Mengen beim Angeklagten gekauft haben. Ansonsten habe man zwar in einer Vielzahl von Fällen miteinander konsumiert, meist nahe der Bank unterhalb der Berliner Brücke. Allerdings habe ihm der Angeklagte, warum auch immer, den Stoff jedes Mal kostenlos überlassen.

"Da tun sich Fragen auf", sagte Richterin Nicole Allstadt angesichts der Riesendifferenz von angeklagten 150 Fällen und den fünf bis sechs Fällen aus der Zeugenaussage.

Die beiden ermittelnden Beamten der Kriminalpolizei in Bayreuth erläuterten, dass sie über eine Telekommunikationsauswertung auf die beiden Angeklagten gekommen sind. Rund 15 000 Kontakte, verteilt auf zwei Jahre, seien ausgewertet worden, rund die Hälfte soll konkret auf Drogengeschäfte hinweisen. Aus den Telefonaten und SMS-Nachrichten sei auch ersichtlich, dass die Angeklagten intensive Kontakte zur Kulmbacher Drogenszene hatten. Sogar Stimmenvergleiche seien durchgeführt worden, weil beispielsweise ein Handy auf einen ganz anderen Namen zugelassen war.

Verhandlung unterbrochen

Nachdem ein internes Rechtsgespräch zwischen allen Beteiligten nicht zu einem Ergebnis führte, entschied das Gericht, die Verhandlung zu unterbrechen und zum neuen Termin am 24. März noch einmal zwei Zeugen zu laden. Darunter wird auch der Mann sein, der diesmal nicht vernehmungsfähig war. Vorsorglich ordnete das Gericht an, dass der Mann diesmal mit seinem Anwalt kommen soll.
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