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Amnesty International Kulmbach will wachrütteln

Das Elend von Flüchtlingen berührt auch die Kulmbacher Gruppe von Amnesty International. Seit 20 Jahren kämpft sie gegen das Unrecht in der Welt - zum Jubiläum hat man sich einige Besonderheiten ausgedacht.
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AI-Gruppensprecher Peter Hennings schaut sich noch einmal die Bilder der Ausstellung für nächste Woche durch. Foto: K. Müller-Sanke
AI-Gruppensprecher Peter Hennings schaut sich noch einmal die Bilder der Ausstellung für nächste Woche durch. Foto: K. Müller-Sanke
"Wir haben eigentlich keinen Grund, uns selbst zu feiern - bei der katastrophalen Lage in der Welt." Der Gruppensprecher von Amnesty International Kulmbach, Peter Hennings, ist sichtlich bedrückt von all dem, was auf dem Globus derzeit falsch läuft. Doch vieles läuft auch richtig, viel Leid konnte gemildert werden.

Dass das so ist und sich die Situation auch weiter verbessern kann, dafür tritt Amnesty International seit Jahrzehnten ein. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Kulmbacher Gruppe der internationalen Organisation. Und auch wenn es - wie Hennings sagt - eigentlich nichts zu feiern gibt: Die Gruppe will die Gelegenheit doch nutzen, um sich zu präsentieren, um aufzurütteln und um den Kulmbachern ein Geschenk zu machen.

Im Mittelpunkt sollen dabei die beiden Themen stehen, die die Gruppe derzeit am meisten beschäftigent: Asylpolitik und Flüchtlinge. Dafür haben sich die Ehrenamtlichen mehrere Dinge ausgedacht: Zum Einen wird es in der nächsten Woche - beginnend am Fronleichnam, 4. Juni, eine dreitägige Ausstellung geben.

"Asyl ist Menschenrecht"
Unter dem Titel "Asyl ist Menschenrecht" werden in der Kulmbacher Spitalkirche Fotos, Schaubilder und Grafiken gezeigt, die demonstrieren, woher die Menschen eigentlich kommen, die zu uns flüchten, wie ihre oft gefährliche Reise aussieht und wie sie bei uns aufgenommen werden. Die Ausstellung wird von Pro Asyl zur Verfügung gestellt, geschulte Ehrenamtliche führen durch die Ausstellung.

Um die Ausstellung zu ergänzen und zu demonstrieren: "Wir gehören zusammen", wird außerdem am Mittwoch, 3. Juni, um 19.30 Uhr ein Gottesdienst abgehalten. Das Besondere: Es ist ein interreligiöser Gottesdienst, an dem mit Peter Hennings und Dekan Hans Roppelt sowohl ein evangelischer als auch ein katholischer Geistlicher teilnehmen. Bemerkenswert ist aber vor allem, dass sich mit Hodscha Ibrahim Kefci und Chasan Martin Arieh Rudolph auch ein muslimischer und sogar ein jüdischer Vertreter beteiligen und den Gottesdienst aktiv mitgestalten.

Auf diesen Höhepunkt freut sich Gruppensprecher Peter Hennings schon besonders. "Wir haben den Gottesdienst unter das Bibelwort ,Seid aber Täter des Wortes' gestellt. Wir wollen nicht nur reden, wir wollen damit auch ein Zeichen setzen!". Unter dem Motto "Neue Heimat Kulmbach" wird am Freitag dann eine Stadtführung speziell für Flüchtlinge und Asylbewerber angeboten. Der bekannte Kulmbacher Stadtführer Hermann Müller wird, begleitet von einem Englisch- und einem Arabisch-Dolmetscher, ab 16.30 Uhr die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten der Stadt erläutern. Treffpunkt ist vor der Dr.-Stammberger-Halle.

Am Samstag dann kommt mit dem früheren Generalsekretär von Amnesty International, Wolfgang Grenz, der auch Mitarbeiter der Fachkommission Asyl in Berlin ist, ein echter Asyl-Experte nach Kulmbach. Er wird am Samstagabend ab 19.30 Uhr - ebenfalls in der Kulmbacher Spitalkirche - über die Asylpolitik und das Asylrecht in Europa sprechen. Und wer Interesse an Amnesty International und speziell an der Kulmbacher Gruppe hat, wird in den Tagen der Ausstellung und der Aktionen viel Gelegenheit haben, mit Mitgliedern ins Gespräch zu kommen und sich über Ziele und Arbeit zu informieren.

"Bereits seit 1948 gibt es die international anerkannten Menschenrechte der UN. Leider werden sie ständig übertreten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, darauf hinzuweisen.", sagt Peter Hennings. Das geschieht durch öffentliche Aktionen, bei denen zum Beispiel Luftballons steigen gelassen werden. Oder auch durch die "Briefe gegen das Vergessen". Mit dieser bundesweiten Aktion ruft Amnesty Menschen dazu auf, mittels gezielter Briefe, zum Beispiel an Regierungen, Unrecht anzuprangern und zu bekämpfen.

Gefahr der Auflösung gebannt
Die Gruppe macht in Kulmbach immer wieder auf sich aufmerksam und nimmt einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein. Seit der Ankunft von immer mehr Asylbewerbern hat sich die Arbeit von Amnesty Kulmbach noch einmal deutlich ausgeweitet. Vor ein paar Jahren wäre die Gruppe einmal fast aufgelöst, davon ist man jetzt weit entfernt. Auch Peter Hennings bestätigt: "Die Aufgaben werden sicher nicht weniger."
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