Himmelkron

Als Heu und Stroh auf der Speisekarte standen

Ein Vulkanausbruch in Indonesien vor 200 Jahren sorgte auch in Europa für eine katastrophale Notlage. Das "Hungerkästchen" des damaligen Gastwirts Müller in der Himmelkroner Stiftskirche erinnert daran.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das "Hungerkästchen", mit dem ein Gastwirt nach dem gewaltigen Vulkanausbruch in Indonesien an die Notlage im Jahr 1816 erinnerte, ist im Stiftskirchenmuseum Himmelkron ausgestellt. Foto: Reinhard Stelzer
Das "Hungerkästchen", mit dem ein Gastwirt nach dem gewaltigen Vulkanausbruch in Indonesien an die Notlage im Jahr 1816 erinnerte, ist im Stiftskirchenmuseum Himmelkron ausgestellt. Foto: Reinhard Stelzer
Fast unglaublich, aber wahr: Ein gewaltiger Vulkanausbruch im April 1815 in Indonesien hatte auch Folgen für die Bewohner des Landkreises Kulmbach. Bei der Naturkatastrophe wurden Schutt- und Aschemassen bis in eine Höhe von 20 Kilometern und mehr emporgeschleudert. Durch die winzigen Aschepartikel in den großen Höhen verminderte sich die Sonneneinstrahlung, es folgten kühle, nasse Sommer und sehr kalte Winter. 1816 sprach man auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel davon, dass der Sommer in diesem Jahr ausgefallen ist.

Erster schöner Tag: 28. Juni

Zur Jahresmitte notierte Goethe in Weimar: "Erster schöner Tag" - es war der 28. Juni 1816. Aufgrund der sehr schlechten Ernten explodierte der Brotpreis. In Lindau am Bodensee kam die Obstblüte erst im August. In Württemberg fiel die Weinernte miserabel aus. In der Schweiz verhungerten zahlreiche Menschen.
Die Arbeitslosigkeit nahm stark zu.

Spatzen sollten getötet werden

Es erging die Aufforderung, Spatzen zu töten, damit mehr Getreidekörner für die Menschen übrig bleiben. In den abgelegenen Bergdörfern der Mittelgebirge aßen die Menschen verzweifelt Heu und Stroh.

In der Stiftskirche Himmelkron befindet sich ein so genanntes Hungerkästchen, mit dem der damalige Gastwirt Müller an die schreckliche Zeit erinnert. Darin sind einige Getreideähren ausgestellt und die extrem hohen Preise für Nahrungsmittel aufgezählt. Darunter ist geschrieben: "Denk- und Dankmahl göttlicher Hülfe aus der schröklichen Hungersnoth und Brodtheuerung von der Mißerndte 1816 bis zur Segens-Erndte 1818. Gestiftet am frohen Erndte-Feste 1818 den 4. Oktober, Johann Friedrich Müller, Gaststätte zu Himmelcron".
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren