Trebgast
Landwirtschaft

"Agrartour" der Grünen führte nach Trebgast und Lindau

Heimat, Genuss und Kultur sind in Bayern untrennbar miteinander verbunden. Wie können Verbraucher durch ihr Konsumverhalten einen Beitrag zum Erhalt der Heimat leisten? Dieser Frage geht die Landtagsfraktion der Grünen bei einer "Agrartour" nach, die sich jetzt nach Trebgast führte.
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MdL Ulrike Gote, Florian Schleicher und MdL Gisela Sengl im Lindauer Hofladen. Foto: Dieter Hübner
MdL Ulrike Gote, Florian Schleicher und MdL Gisela Sengl im Lindauer Hofladen. Foto: Dieter Hübner
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Eine ökologische und regional verankerte Landwirtschaft sorgt für frische Produkte. Gastronomie, Handwerk, Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung schaffen Werte in den Regionen. Diesen Reichtum, den der ländliche Raum bietet und einzigartig macht, sehen die Grünen in Bayern gefährdet.


Die Landtagsfraktion beschäftigt sich bei ihrer "Agrartour" durch alle Regierungsbezirke mit der Frage, wie diese Vielfalt erhalten werden kann. Informationen dazu holten sich jetzt Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote und die Agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl beim Biolandhof Schleicher in Lindau und bei der Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Begleitet wurden sie vom Kulmbacher Stadtrat Hans-Dieter Herold und den beiden Kreisräten Claus Gumprecht und Erich Luthardt.


Zu wenig Geld für die Forschung


Annette, Werner und Florian Schleicher machten kein Hehl daraus, dass sie die Biogas-Anlagen spüren, dass es zu wenige Läden gibt, in denen sie ihre Bio-Produkte anbieten können. Sie bemängelten, dass von staatlicher Seite zu wenig Geld in die Forschung für den biologischen Anbau, die Züchtung und die biologische Tierhaltung investiert werde.

Beispiele seien die Züchtung von gegen Krautfäule resistente Kartoffeln oder die Verwertung von Reststoffen und anderen Pflanzen bei Biogas-Anlagen. Das wäre ganz wichtig. "Wir arbeiten seit über 20 Jahren an vorderster Front, da gab es bei Aldi noch lange keine Bio-Produkte", erklärte Werner Schleicher. Ein Problem bei der biologischen Erzeugung sei die Verarbeitung und Vermarktung. Das sei alles sehr aufwändig und intensiv. Im Hofladen biete man ein großes Sortiment an. Im direkten Gespräch könne man die Kunden auch von den Vorteilen der Bio-Produkte überzeugen.


"Der Hof ist sehr vielfältig und gut aufgestellt"


Gisela Sengl nahm nur positive Eindrücke aus Lindau mit. "Der Hof ist sehr vielfältig und gut aufgestellt. Lebensmittelerzeugung verdient die höchste Wertschätzung. Die Grünen unterstützen die Forderung des Bauernverbands, den Preiskampf und den damit verbundenen Preisverfall von Lebensmitteln zu stoppen." Der Staat müsste ein Interesse daran haben, den Ökolandbau mehr zu unterstützen, forderte sie. "Wir brauchen keine Überproduktion für den Export, sondern eine umweltverträgliche Landwirtschaft, die der tatsächlichen Nachfrage gerecht wird."

Was passiert, wenn wild drauflos produziert werde, sehe man gerade bei der Milch, so Sengl. "Der Markt wird überschwemmt, der Preis fällt ins Bodenlose." Sie sei überzeugt, und Erfahrungen beim Ökolandbau auch in Bayern würden dies zeigen, dass eine Landwirtschaft ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide möglich ist.


Wirtshäuser sind soziale Treffpunkte


In der Bräuschänke der Brauerei Haberstumpf wurde über die Ursachen des zu beobachtenden Wirtshaussterbens diskutiert. Einen Grund machte man im Bau von immer mehr Vereinsheimen aus. "Wirtshäuser sind soziale Treffpunkte, sie bieten seit jeher der politischen Diskussion, der Kultur und regionalen Spezialitäten eine Heimat. Deshalb müssen sie erhalten bleiben", waren sich alle einig. Es gelte auch, das Image der Biertrinker zu verbessern. Auch die Frage, ob denn ein "Bio-Bier" sein muss, wo man hierzulande doch bereits nach dem ältesten und strengsten Lebensmittelgesetz, dem Reinheitsgebot, produziere, wurde gestellt.

Eine Möglichkeit für kleinere Brauereien, zu überleben, sei es, Nischen zu finden und kreative Biere zu brauen, die sich vom Einheitsgeschmack der "Bierfabriken" unterscheiden. "Ich kann mein Bier aus zehn Bieren anderer kleiner Brauereien identifizieren", fasste Braumeisterin Yvonne Wernlein zusammen. "Bei zehn Bieren von Großbrauereien ist diese Unterscheidung nicht mehr möglich."

Ganz nebenbei wurde noch ein Detail bekannt: Bierbrauen war früher ausschließlich Frauensache.
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