Willmersreuth
Bürgerversammlung

Ärger wegen Gießkannen-Pfand im Friedhof

Durch den Pfandautomaten für Gießkannen, der im Friedhof aufgestellt worden ist, sehen sich die Willmersreuther als Diebe an den Pranger gestellt. Bürgermeister Adam lenkte in der Bürgerversammlung schließlich ein. Er versprach, dass das Gerät abgebaut wird.
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Damit Ordnung auf dem Friedhof herrscht, hatte die Gemeinde im September 2012 einen Gießkannenständer mit Pfandautomat aufgestellt. Viele Einwohner sehen sich deshalb "als Diebe hingestellt". Foto: Stephan Stöckel
Damit Ordnung auf dem Friedhof herrscht, hatte die Gemeinde im September 2012 einen Gießkannenständer mit Pfandautomat aufgestellt. Viele Einwohner sehen sich deshalb "als Diebe hingestellt". Foto: Stephan Stöckel
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Die Dame mittleren Alters, die kurz vor Sonnenuntergang noch die Blumen auf ihrem Familiengrab gießt und namentlich nicht genannt werden möchte, versteht die Welt nicht mehr: "Muss man auf einem kleinen Friedhof einen verschließbaren Gießkannen-Ständer mit Pfandautomat aufstellen? Und dann darf man auch noch mit zwei Zwei-Euro-Münzen bezahlen, wo man doch von den Einkaufswagen der Supermärkte her einen Euro gewohnt ist. Das ist eine Frechheit."

Das meinen auch die Bürger ein paar hundert Meter weiter im Willmersreuther "Gasthof zur Linde", wo bei der Bürgerversammlung die Wellen der Empörung hochschlagen. "Wir werden als Diebe hingestellt.
Die Automaten gehören weg", macht Reiner Lindner seinem Ärger unter dem Beifall der rund 20 Zuhörer Luft.
Den Stein ins Rollen gebracht, hat Gemeinderat Jürgen Karg (SPD), der feststellt: "Die Aktion der Gemeinde ist im Dorf nicht gut angekommen."

"Möchte, dass Ordnung herrscht"

Bürgermeister Dieter Adam von den Freien Wählern (FW) hingegen stellt klar: "Ich möchte, dass auf dem Friedhof Ordnung herrscht und die Kannen nicht kreuz und quer herumstehen. Deshalb haben wir im September vergangenen Jahres den Ständer aus Stahl mit Pfandautomaten aufgestellt." Man habe die Willmersreuther keineswegs als Diebe hinstellen wollen. Es seien auch keine gemeindlichen Sprenger abhandengekommen, betont der Redner.

Nach reger Diskussion gibt sich das Gemeindeoberhaupt geschlagen: Die Pfandautomaten würden von dem stählernen Baum abmontiert, verspricht er. "Aber wehe es herrscht Unordnung, dann wird das Münzsystem sofort wieder eingeführt", warnt Adam in der Bürgerversammlung, in der sich fast alles um das Thema Friedhof dreht.

Eine Erweiterung des Gottesackers hält Adam für nicht nötig. Zwischen einzelnen Gräbern gebe es Lücken. Zudem gehe der Trend hin zur Feuerbestattung und zu anonymen Wiesengräbern, bei denen die Toten ebenfalls verbrannt werden. Der Bürgermeister informiert die Einwohner, dass nach Mainleus nun auch in Willmersreuth solche Wiesengräber geschaffen werden sollen. Als geeigneten Standort hat er eine 30 bis 40 Quadratmeter große Fläche für 25 bis 30 Gräber neben dem Kriegerdenkmal ins Auge gefasst. Seitens der Willmersreuther regt sich dagegen kein Wiederstand.

Gezählt sind die Tage des alten Müllcontainers rechts neben dem Friedhofstor. Auf Anfrage von Else Engelhardt teilt Adam mit, dass links vom Leichenhaus zwei neue Container für eine saubere Müllentsorgung aufgestellt werden.

Neben dem gemeindlichen Friedhof gibt es noch einen kleineren rund um die Pfarrkiche. Siegfried Fröba will wissen, ob dort die Anlage neuer Gräber erlaubt sei. "Nein. In den bestehenden Gräbern können jedoch die direkten Nachkommen der Verstorbenen wieder bestattet werden", klärt ihn Lothar Kaiser auf, der Vertrauensmann im Kirchenvorstand war.

Baugebiet ist angedacht

Neben dem alles beherrschenden Thema "Friedhof" werden am Rande auch noch ein paar andere Punkte angesprochen. Nach Auskunft Adams werde darüber nachgedacht, ein fünf Hektar großes Baugebiet in Willmersreuth beim Hochbehälter in Richtung Motschenbach auszuweisen. "Das Gelände bietet Platz für zehn bis 15 Einheiten und könnte in mehreren Etappen erschlossen werden", sagt Adam. Vorskizzen seien bereits erstellt worden. Diese würden in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen besprochen werden. Der Bedarf nach Wohnraum, so der Bürgermeister, sei vorhanden.

Oskar Reuß informiert Adam darüber, dass die alte Straße von Willmersreuth nach Motschenbach bei starkem Regen immer wieder ausgeschwemmt wird. Adam sichert zu, die Fuhre wieder herzurichten.
Die Willmersreuther "Krumba", die kürzlich gefeiert wurde, nahm der Bürgermeister zum Anlass, das ehrenamtliche Engagement der Bürger in dem Ortsteil zu würdigen.
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