Kulmbach

69 Kulmbacher nehmen als Chor weihnachtliche CD auf

Das Ensemble "Vocalisto" lud zu einer CD-Aufnahme, und 69 Männer und Frauen aus dem Landkreis Kulmbach kamen. Auch BR-Mitarbeiterin Sonja Adam reihte sich in den Chor ein und hatte richtig Spaß.
Artikel drucken Artikel einbetten
69 Männer und Frauen nahmen an den CD-Aufnahmen teil und präsentierten sich erstaunlich text- und notensicher. Foto: Sonja Adam
69 Männer und Frauen nahmen an den CD-Aufnahmen teil und präsentierten sich erstaunlich text- und notensicher. Foto: Sonja Adam
+7 Bilder
Spontan und ohne groß zu überlegen, habe ich mich noch am Tag der Pressekonferenz von "Vocalisto " als Nummer eins für die Teilnahme am Projektchor gemeldet. Am 6. Oktober war das, also noch vor der Veröffentlichung des offiziellen Aufrufs. Als Kind war ich schließlich auch immer im Chor, dachte ich mir, und zudem war ich schlicht und ergreifend neugierig, wie viele Kulmbacher sich wohl melden würden.

So ein Projektchor verpflichtet zu nichts. Nur an einem einzigen Abend sollten Probe und CD-Aufnahme über die Bühne gehen. Und "O du fröhliche" wird mir auch nach mehr als 30-jähriger Chorabstinenz noch einigermaßen tongetreu über die Lippen gehen, war ich fest überzeugt.

Fünfstimmige Variante

Dann geriet das Thema fast ein bisschen in Vergessenheit. Am 18. Oktober kam plötzlich eine Mail mit den Noten.
Barbara Baumann hatte einen vier- bis fünfstimmigen Satz ausgearbeitet. "Nachdem die Besetzung vielversprechend aussieht, werden wir neben dem vier- bis fünfstimmigen ,O du fröhliche'- Satz wahrscheinlich unter Vorbehalt noch ein zweites Stück einstudieren", stand da.

Vielleicht schafft es auch "Herbei o ihr Gläub'gen", der schöne Satz von Josef Silcher, auf die Scheibe, haben sich die Baumanns wohl gedacht. Na gut - das Lied kenne ich. Und als Sopran hätte ich auch bei diesem Lied die Melodiestimme. Vorsichtshalber schaue ich aber auch mal die Begleitung an. Sie verläuft relativ parallel zur Melodiestimme, wäre sicher auch machbar, überlege ich noch.

Professionelle Vorbereitung

An der Mail hängt auch gleich noch ein Autoschild mit dem Hinweis "Projektchorteilnehmer". Sehr professionell. Eingesungen sollte man kommen und keine raschelnde Kleidung tragen, mahnen Barbara und Hubertus Baumann.

In die Schlosskirche der Plassenburg kamen letztlich 69 Sängerinnen und Sänge - viel mehr als erwartet. Viele kennt man aus der Kulmbacher Musikszene. Aber es sind auch einige Menschen dabei, die aus Zeitgründen nicht regelmäßig singen. Einige Lehrer sind mit von der Partie, einige Fans von "Vocalisto".

"Damit nichts raschelt"


Noch einmal werden die Noten verteilt, im Din-A3-Format. "Damit nichts raschelt", heißt es. So langsam kommen mir Zweifel, ob ich bei dieser Professionalität mithalten kann. Aber die Teilnehmer sind alle sympathisch, einige Kinder und Jugendliche sind dabei. Und auch die Männer machen sich nicht rar - ungewöhnlich.

Der wohl exotischste Teilnehmer ist Pater Thomas Muttam, Kaplan von St. Hedwig. "Ich singe gerne, ich habe auch in Seßlach im Männerchor Liederkranz gesungen", erzählt der 36-jährige Tenor. "Ich habe schon geübt", gibt er zu. Denn natürlich wollte Pater Thomas Muttam, der aus Indien stammt, alle Worte korrekt aussprechen. Und dies gelang ihm auch. Man merkte ihm seine Leidenschaft für Musik an. An seiner früheren Wirkungsstätte hat er sogar deutsche Volkslieder gesungen, erzählt der Kaplan.

Erst einmal die Töne halten

Dann beginnt Barbara Baumann mit dem Einsingen. Erst einmal die Konsonanten - und Töne halten. Soweit klappt das schon gut. Nur das A will nicht so recht als ein Ton kommen. "Manche müssen ihre Position verlassen", sagt Barbara Baumann und lacht. Na gut, diejenigen, die es betroffen hat, leisten den Anweisungen Folge.

Schon beim ersten Durchsingen treten die ersten Unstimmigkeiten auf. Nein, der Chor soll nicht "Christ ist geboren" singen, sondern "Christ ward geboren", steht da. Und es sind auch nicht die himmlischen Heere, die "Gott" Ehre jauchzen, sondern ein "Dir" soll gesungen werden. Eine gewisse Fröhlichkeit solle mitschwingen, wünscht sich Barbara Baumann. Und zu getragen soll das Lied auch nicht sein, ein bisschen schneller als bei einem Weihnachtsgottesdienst, lauten die Anweisungen. Die Dirigentin feilt an dem weichen "D", das die meisten fränkischen Sänger auszeichnet, und an der Dynamik.

Mindestens 25 Mal singen die 69 Sängerinnen und Sänger "O du fröhliche", Hubertus Baumann spielt dazu die Orgel. Marion Schmid probiert mit ihrem glockenhellen Sopran eine Überstimme.

Tontechniker merkt jedes Fehlerchen

Und dann folgt "Herbei, o ihr Gläub'gen". Auch an diesem Lied wird gefeilt. "Ich brauche noch mal den Anfang", moniert nach dem x-ten Mal Tontechniker Benjamin Wuthe. Er ist ein Profi, hört auf Anhieb, ob der Anfang ungenau, halbherzig oder einfach tonlich schief war. Mal stören tapsende Füße, die den Takt mitgeklopft haben, mal ist es ein falscher Ton.

"Gekauft", sagt Benjamin Wuthe schließlich nach eineinhalb Stunden Gesangesleistung. Die CD-Produktion kann von statten gehen - und jeder einzelne Teilnehmer hat ein garantiert persönliches Weihnachtsgeschenk. Alle Akteure werden auf dem Booklet namentlich genannt.

Am Ende bleibt ein gewisser Stolz, dass man mit dabei war- auch bei mir. Denn eins ist klar: Singen kann richtig Spaß machen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren