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Kulmbach
Gericht

67-Jährige soll Stiefsohn angefahren haben: Familie vor Gericht in Kulmbach

Eine 67-jährige aus dem Kreis Kulmbach soll ihren Stiefsohn angefahren haben - eine Episode in einem wohl schon länger schwelenden Familienzwist. Nun kam die Angelegenheit vor Gericht.
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Symbolbild: Christopher Schulz
Symbolbild: Christopher Schulz
Ein lang schwelender Familienkrach, zwei unversöhnlich wirkende Parteien und der Streit um das gemeinsame Grundstück - das war der Stoff, aus dem die Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Nötigung gemacht war. Richterin Sieglinde Tettman stellte am Donnerstag dieses Verfahren am Amtsgericht Kulmbach gegen Zahlung einer Geldbuße von 600 Euro vorläufig ein.

Laut der von Staatsanwalt Mario Jakobs verlesenen Anklage soll die 67-Jährige Angeklagte aus dem nördlichen Landkreis im Mai vergangenen Jahres gegen den Willen ihres Stiefsohns mit ihrem Seat Leon versucht haben, auf den gemeinsamen Parkplatz zu gelangen.

Versehen nicht auszuschließen

Auf diesem war der Stiefsohn allerdings gerade damit beschäftigt, einen Traktor einzuweisen, der ihm Holz geliefert hatte. Als er sich vor das Auto seiner Stiefmutter gestellt hatte, soll ihm die Rentnerin von hinten in die Knie gefahren sein, woraufhin der 51-Jährige mit dem Rücken auf der Motorhaube aufgeschlagen sein soll. Dabei zog er sich eine Reizung des Innenmeniskus zu.

In der Vernehmung stritt die Angeklagte ab, den Wagen bewusst auf ihren Stiefsohn gelenkt zu haben, konnte aber ein Versehen nicht ausschließen. Außerdem gab sie an, der Streit schwele schon sehr lange, wie lange genau könne sie schon gar nicht mehr sagen. Sie habe angeblich Ziegel holen wollen, als ihr von dem Mann der Weg in die Einfahrt versperrt wurde. Dabei habe dieser ohne Vorwarnung mit den Händen auf die Motorhaube geschlagen, versucht, sie aus dem Auto zu zerren und sie beleidigt.

Noch nie sei das Auffahren auf den Parkplatz konfliktfrei gewesen, deswegen laufe bereits ein anderes Verfahren.Unter anderem habe er ihr bereits gedroht, er schlage sie kurz und klein.

Das Opfer der mutmaßlichen Attacke gab an, die Angeklagte habe die ganze Zufahrt blockieren wollen und den Traktor nicht mehr herausgelassen. Er habe weder versucht, sie aus dem Auto zu zerren, noch habe er auf die Motorhaube geschlagen. Er habe sich nur dem Fahrzeug in den Weg gestellt und den Rücken zugewandt um den Traktor einzuweisen.Nach kurzer Zeit habe er von hinten einen Druck an beiden erst kürzlich operierten Knien gespürt und sich deshalb mit dem Rücken auf die Motorhaube geworfen.

"Danach habe ich die Autotür aufgerissen und sie angeschrien, ob sie denn noch ganz bei Trost ist", erinnerte sich der 51-Jährige. Ein Polizeibeamter sagte aus, dass die Stimmung "unharmonisch" gewesen sei, als er am Ort des Geschehens eintraf.

Der Geschädigte gab an, dass er trotz der Beschwerden im Knie zwar weiter seiner Tätigkeit nachgehen konnte. Er sei allerdings durch die Schmerzen sechs bis neun Monate lang eingeschränkt gewesen.
Der Holzlieferant sagte aus, er sei hinter seinem Traktor hervorgekommen, als er eine Diskussion zwischen der Angeklagten und ihrem Stiefsohn bemerkte. Dann habe er beobachtet, wie das Auto gegen den Mann gerollt sei. Ob absichtlich oder aus Versehen, habe er nicht beurteilen können.

Richterin Sieglinde Tettmann stellte in Absprache mit Staatsanwalt Jakobs und Verteidiger Thomas Goldfuß das Verfahren vorläufig ein.

Vollständig eingestellt wird das Verfahren, wenn sechs Monatsraten zu je 100 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung überwiesen sind.

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