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Kulmbach
Prozess

42-Jähriger mit 1,6 Promille vor dem Kulmbacher Amtsgericht

Ohne Führerschein betrunken Autofahren: Diesesmal wurde die Verhandlung beendet, obwohl der Angeklagte wieder alkoholisiert kam.
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Mit einem Alkoholtest wurde dem Angeklagten nachgewiesen, dass er betrunken zu seiner eigenen Verhandlung kam.  Foto: Uli Deck/dpa
Mit einem Alkoholtest wurde dem Angeklagten nachgewiesen, dass er betrunken zu seiner eigenen Verhandlung kam. Foto: Uli Deck/dpa
Es war keine gewöhnliche Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht, denn sie begann mit einem Alkoholtest. Das Ergebnis: 1,6 Promille. Bei dem 42-jährigen Angeklagten jedoch kein Einzelfall. Bereits zur ersten Verhandlung im August war er alkoholisiert gekommen. Da er damals ständig dazwischen quatschte und desorientiert wirkte, entschied Richterin Sieglinde Tettmann, die Verhandlung zu verschieben und ihm mit Olaf Schröder einen Pflichtanwalt zur Seite zu stellen.

Diesesmal wollte sie den Sachverhalt aufklären: Am 6.März war der 42-Jährige aus Schwarzenbach an der Saale mit einem Bekannten in einem Auto eines anderen Bekannten unterwegs. Zwischen Thurnau und Krumme Fohre kam er von der Straße ab. Als ein vorbeifahrender Passant den beiden Verunglückten helfen wollte, merkte er sofort, dass Alkohol mit im Spiel war. Die Beamten staunten später nicht schlecht als bei der Blutentnahme im Krankenhaus ein Wert von 2,79 Promille herauskam. Auch einen Führerschein hatte der Angeklagte nicht. Trotzdem war er an drei weiteren Tagen mit dem Auto im Landkreis unterwegs gewesen. Die Staatsanwaltschaft legte ihm Fahren ohne Fahrerlaubnis in drei Fällen sowie Trunkenheit im Verkehr zur Last. Angaben wollte der Angeklagte in der Verhandlung keine machen.

Der Bekannte, der dem 42-Jährigen sein Auto geliehen hatte, trat als Zeuge auf. Er bestätigte, dass der Angeklagte das Auto drei Mal fuhr. Auch an die Strecken konnte er sich genau erinnern. "Er sagt, er hat kein Alkoholproblem. Doch ich sehe das anders", so der Zeuge. Auch die beiden Polizeibeamten, die den Unfall damals aufgenommen hatten, schilderten die Geschehnisse nochmals vor Gericht. "Er hat noch vollkommen klar gewirkt. Über das Ergebnisdes Alcotests waren wir dann sehr überrascht", erzählte der Polizeibeamte. Bereits auf der Fahrt ins Krankenhaus habe der Angeklagte zugegeben, dass er das Auto gefahren und in der Nacht zuvor von 20 Uhr bis 4 Uhr morgens getrunken hatte.


Kein einzelner Vorfall

Im Bundeszentralregister des Angeklagten sind 14 Eintragungen, die meisten davon drehen sich um das Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Trunkenheit im Verkehr.

Den Unfall bei Krumme Fohre mit 2,79 Promille baute er drei Tage vor einer Hauptverhandlung in Hof, in der ähnliche Vorfälle verhandelt wurden. "Ihre Freundin war schwanger - und sie fahren drei Tage vor der Hauptverhandlung in Hof wieder betrunken Auto: Wie kann das sein?", fragte Richterin Sieglinde Tettmann in den Raum.
Rechtsreferendar der Staatsanwaltschaft Bayreuth, Johannes Müller, und sein Kollege Holger Gebhardt sahen den angeklagten Sachverhalt als bestätigt und forderten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung. "Es ist nicht zu erwarten, dass Sie straffrei bleiben", meinte Johannes Müller.

Der Pflichtverteidiger des Angeklagten konnte der Staatsanwaltschaft zustimmen, dass es dieses Mal nicht mit einer Geldstrafe getan ist, sondern dass es eine Freiheitsstrafe sein muss. Er forderte elf Monate, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. "Der Strafrichter in Hof hat eine günstige Sozialprognose für meinen Mandanten erstellt - und das ist doch was", sagte er.

Richterin Sieglinde Tettmann sah das ganz anders. Schließlich habe der Richter in Hof nicht gewusst, dass der Angeklagte drei Tage vor der Hauptverhandlung schon wieder betrunken Auto gefahren ist. Sieglinde Tettmann verurteilte den 42-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. "Ich sehe bei ihnen keine günstige Sozialprognose. Das kann immer wieder vorkommen." Revision oder Berufung könne innerhalb von einer Woche eingereicht werden.

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