Harsdorf
Brauchtum

30 Maibaum-Diebe kamen in der Nacht

Eigentlich waren die Harsdorfer überzeugt: In diesem Jahr wird es nicht gelingen, ihren Maibaum zu klauen. Doch da hatten sie sich getäuscht ...
Artikel drucken Artikel einbetten
20 junge Männer hörten beim Maibaumaufstellen auf das Kommando von Gemeinderat Hermann Hofmann (rechts). Nach 20 Minute war der 21 m hohe Baumstamm mit Muskelkraft hochgestemmt. Foto: Werner Reißaus
20 junge Männer hörten beim Maibaumaufstellen auf das Kommando von Gemeinderat Hermann Hofmann (rechts). Nach 20 Minute war der 21 m hohe Baumstamm mit Muskelkraft hochgestemmt. Foto: Werner Reißaus
+1 Bild
Die "Diebe" rückten in der vergangenen Woche in Sandreuth an, um den staatlichen Maibaum aus einer Scheune zu klauen. Zunächst allerdings ohne Erfolg, denn die Harsdorfer wollten auf Nummer sicher gehen und hatten den Maibaum kurzerhand mit Bagger und Stapler auf den zweiten Stock der Scheune gehievt. So musste am ersten Abend des beabsichtigten "Maibaum-Klaus" die "Maibaum-Mafia" unverrichteter Dinge wieder abziehen. Doch am nächsten Abend rückten die jungen Männer aus Neufang und Waldau gleich mit 30 Personen an und schafften das Unmögliche: gemeinsam wuchteten sie den Maibaum aus einer Höhe von nahezu fünf Metern herunter.
Zimmerermeister Wilhelm Lauterbach hatte in der Nacht nichts bemerkt, doch am Morgen musste er feststellen: "Die Jungs haben das Unmögliche geschafft und es war offensichtlich eine klasse Truppe, denn es war weitaus schwieriger, den Baum runterzuholen als ihn mit Hilfe eines Baggers hochzuhieven. So gesehen haben sie uns sogar einen Gefallen getan."


Acht Kästen Bier

Wilhelm Lauterbach war im Übrigen voll des Lobes über die "Maibaum-Mafia", die keinen Schaden anrichtete und am nächsten Tag einfach die übliche "Auslösung" einforderte. Die musste TSV-Vorsitzender und zweiter Bürgermeister Manfred Zapf aushandeln. Am Ende waren beide Seiten mit acht Kästen Bier einverstanden.
Pünktlich am Morgen des 1. Mai wurde der Maibaum - wie vereinbart - nach Harsdorf gebracht. Zimmerermeister Wilhelm Lauterbach: "Das war eine anständige Gruppe, und wir hatten den Vorteil, dass wir nicht mehr tagelang auf den Maibaum aufpassen mussten."
Pünktlich um 14 Uhr zog der Tross mit dem geschmückten Maibaum - vorneweg der Bürgermeister mit den Gemeinderäten und der Blasmusik - vom Raiffeisenplatz zum Festplatz in der Dorfmitte, wo bereits viele Schaulustige und Besucher des Maifestes warteten. Unter der Anleitung von Gemeinderat Hermann Hofmann schickten sich dann die Fußballer des TSV Harsdorf an, den stattlichen Maibaum mit seinen 21 Metern Stück für Stück mit Hilfe von Holzstangen und Muskelkraft hochzustemmen.


Alle hören auf ein Kommando

Für Hermann Hofmann, der bei den Fußballern für eine halbe Stunden deren Spielführer war, war es keine schwierige Aufgabe: "Es waren ja alles junge Männer. Ich habe ihnen gesagt, ihr müsst bloß auf mich hören, und dann machen die auch genau das. Bei den alten Hasen ist doch jeder gescheiter. Wir haben vorher alles sauber abtrassiert und der Baum wurde mit Seilen doppelt gesichert. Wir hatten zum Glück kein Regenwetter, denn da treten beim Hochstemmen schon mehr Schwierigkeiten auf, die die volle Konzentration fordern."


Tusch und Beifall

Nach 20 Minuten war alles geschafft, und der Maibaum stand. Als er in der Verankerung saß, ließen die "Wiesenttaler Musikanten" einen Tusch ertönen und Beifall brandete auf.
Bürgermeister Günther Hübner dankte dem TSV Harsdorf für das Engagement, das Brauchtum Jahr für Jahr mit den anderen Ortsvereinen wie der Feuerwehr, dem Männergesangverein und dem Obst- und Gartenbauverein am Leben zu halten: "Sie haben es nicht besonders leicht gehabt, denn der Baum ist erst heute Morgen nach dem Klau wieder angeliefert worden." Mit Verwunderung sprach Hübner über die großen, bayerischen Radiosender, die dazu aufrufen, die Maibäume oft viele Tage vorher zu klauen: "Da reicht oft nicht mehr die Walpurgisnacht oder der Tag vor dem 29. Mai. Es müssen also Wochen davor sein, damit man Wettbewerbe ausschreiben kann." Diese Auffassung von Tradition sei schon etwas verwunderlich.


Ein Schabernack

"Denen, die die ganze Arbeit machen und den Baum aufstellen, wird weniger gedankt und Aufmerksamkeit geschenkt als denen, die sich mit solchen Aktionen auseinandersetzen. Früher haben sich die Ortsburschen vom Nachbarort einen Schabernack erlaubt, heute werden dazu Vereine gegründet."
Anschließend spielten die "Wiesenttaler Musikanten" zur Unterhaltung auf, und die Besucher freuten sich über das Fest unter dem sonnigen Frühlingshimmel.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren