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Wirsberg
Standesamt

1500 Mal: "Ja, ich will"

Mit 1500 Trauungen ist Wirsbergs Bürgermeister Hermann Anselstetter wohl bundesweit Spitzenreiter. Der Ort ist bekannt als "fränkisches Gretna Green".
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Hermann Anselstetter vollzog seine 1500. Eheschließung als Standesbeamter seit Gründung des "Hochzeitsdorfes im Grünen". Rechts das Brautpaar Isabelle Schmidt und Yorck Tanko Janke.
Hermann Anselstetter vollzog seine 1500. Eheschließung als Standesbeamter seit Gründung des "Hochzeitsdorfes im Grünen". Rechts das Brautpaar Isabelle Schmidt und Yorck Tanko Janke.
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Bürgermeister Hermann Anselstetter hat schon viele Eheschließungen als Standesbeamter vollzogen, aber die am Samstag im Pavillon des "Reiterhofes" war etwas Besonderes, denn es war seine 1500. Eheschließung in 34 Jahren als Standesbeamter des Markts Wirsberg. Diese außergewöhnlich hohe Trauungszahl dürfte für einen ehrenamtlichen Bürgermeister in Bayern oder in der gesamten Bundesrepublik wohl einmalig sein.

Standesbeamte Hermann Anselstetter sprach bei seiner jüngsten Eheschließung auch über das von ihm initiierte "Hochzeitsdorf".

Im März 1983 präsentierte Bürgermeister Anselstetter sein in Deutschland einmaliges Hochzeitsarrangement. Schon ein Jahr später lobte die bundesweite Medienwelt den idyllischen Kurort als "Hochzeitsdorf im Grünen" und "Fränkisches Gretna Green". Waren es 1983 38 Paare, die den Weg ins Kurort-Standesamt fanden, so traten zwei Jahre später schon 103 und 1994 sogar 146 Brautpaare aus allen Bundesländern vor die Wirsberger Standesbeamten.

Anselstetter hatte mit seinen Standesbeamten Karl Hahn und Hans Dünkel, Ortspfarrer Lothar von Kieseritzky, neun Gastronomiebetrieben, dem DDM, Hochzeitsfotografen, Blumenschmuckspezialisten, Hochzeitskutschern und Londoner Taxi-Besitzern ein attraktives Hochzeitsangebot kreiert, das die Hochzeitsszene in Deutschland aufhorchen ließ.

Herzstück des speziellen Heiratsservices war das traumhafte Angebot an Hochzeitsterminen, eingebunden in ein Paket von besonderen Hochzeitszimmern, kulinarischen Köstlichkeiten und fränkischen Hochzeitsbräuchen. Anselstetter: "Im Luftkurort waren von da an standesamtliche Trauungen außerhalb der Dienstzeiten, an Abenden, in den Morgenstunden, an Wochenenden und Feiertagen möglich. Das war ein Novum in Deutschland und sorgt bis heute für unbezahlbare Werbung, wie sie Wirsberg noch nie erlebt hat. Seit 1983 haben sich im Rathaus und im gewidmeten Standesamt des Hotels Reiterhof bereits 2540 Brautpaare das Ja-Wort gegeben."


Neben den beruflichen Standesbeamten Karl Hahn, Hans Dünkel, Silvia Nüßel, Andrea Müller und Gamze Karanfil hat sich auch der ehrenamtliche Bürgermeister, Hermann Anselstetter, im Trauungsdienst engagiert, um den deutschlandweiten Bekanntheitsgrad des Hochzeitsdorfes zu forcieren. Das Gemeindeoberhaupt konnte nun am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein im idyllischen Park des Hotels Reiterhof seit Gründung des Hochzeitsdorfes seine 1500. Trauung vollziehen.

Der Bürgermeister ist besonders stolz darauf, dass er diese Hochzeitsmarke ohne Marketingfirma und ohne finanziellen Aufwand bundesweit platzieren konnte. "Im Februar 1992 las ich in der BZ-Berlin die Schlagzeile ,Kein Herz für die Brautpaare?'. Da erklärte ein Spandauer Standesbeamter, dass die Berliner Standesämter am Samstag, 29. Februar, trotz vieler Nachfragen von Brautpaaren, alle geschlossen bleiben.

Dann gab er der Berliner Leserschaft den Geheimtipp, sich im Hochzeitsdorf Wirsberg trauen zu lassen. Das, und die vielen Reportagen in Funk, Fernsehen, Illustrierten und Tageszeitungen bis hin zum Bayernkurier, der Bangkok Post und US-Zeitungen, beweisen die Einmaligkeit unseres unbürokratischen Hochzeitsdienstes", schwärmt der Hochzeits-Bürgermeister.

1983 hatte Anselstetter sich erinnert, dass im Posthotel schon immer auswärtige Hochzeitsgesellschaften feierten und einige für die kirchliche Trauung die Johanniskirche wünschten. "Wieso sollte das nicht mit dem wenige Schritte entfernten Standesamt klappen?", erzählt Anselstetter.

Er verrät einen weiteren Auslöser für den Schritt zur Hochzeitsdorf-Konzeption: "Als sich ein bekannter Kulmbacher Kommunalpolitiker 1981 spätabends nach einer Stadtratssitzung von mir in Wirsberg trauen ließ, war ich mir sicher, dass ein Angebot mit Heiratsterminen außerhalb der Dienstzeit Zukunft haben wird."


3000 Brautleute

Dass Bürgermeister Anselstetter nun schon über 3000 Brautleuten im Beisein von rund 25 000 Hochzeitsgästen aus verschiedenen Nationen das Ja-Wort abgenommen hat, kann er aber selbst kaum fassen: "Ich möchte keine einzige Trauung missen. Ob das frühmorgens um 3.25 Uhr war, mittags um 12.12 Uhr, bei Sonnenaufgang am Heiligen Abend oder acht Stunden im Takt an Silvester: Jede einzelne Trauung hatte ihr eigenes Flair. "
"Gerade der Erfahrungsschatz sorgt dafür, dass man auf jedes Brautpaar persönlich eingeht, ihre Stimmungen erfasst, sich gut vorbereitet, die Besonderheiten bezüglich ihrer eigenen Liebesgeschichte erfasst und immer wieder neue Gedanken für die Trauungsrede gewinnt", sagt Anselstetter.

Auch den Wandel im Beriechd er gesetzlichen Vorgaben erlebte der Wirsberger hautnah mit: Stellte das Wirsberger Standesamt in den ersten Angebotsjahren als Service noch Trauzeugen vom Ort, so erfordern die Vorschriften heute gar keine Trauzeugen mehr. Der Wegfall der Aufgebotsfrist zählt ebenso zum Wandel wie die Neuaufnahme von Trauungen gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und die Möglichkeit, Trauungen auch in Schlössern, Hotels, Feengrotten, Museen oder in einer Almhütte durchzuführen.

Eines blieb aber bis zum heutigen Tag gleich: Die Freude der Brautpaare über das Wirsberger Hochzeitsbäumchen, das sie sich aussuchen können.
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