Kulmbach
Jubiläum

100 Jahre Waldorfschule: "Idealismus ist bis heute spürbar"

Im Kulmbacher Einkaufszentrum "Fritz" ist eine interessante Ausstellung über die Waldorfschule Wernstein zu sehen.
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Franziska Bartels erklärt, wie an der Waldorfschule Gemälde entstehen. Im Bild (von links): Zweiter Bürgermeister Ralf Hartnack, Tim Petschke, stellvertretender Landrat Dieter Schaar und Dritter Bürgermeister Frank Wilzok  Uschi Prawitz
Franziska Bartels erklärt, wie an der Waldorfschule Gemälde entstehen. Im Bild (von links): Zweiter Bürgermeister Ralf Hartnack, Tim Petschke, stellvertretender Landrat Dieter Schaar und Dritter Bürgermeister Frank Wilzok Uschi Prawitz
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"Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will." Mit diesem Zitat von Francois Rabelais begrüßte der amtierende Schülervater Tim Petschke die Gäste der Vernissage "100 Jahre Waldorfschulen" im Einkaufszentrum "Fritz".

100 Bilder aus dem Schulalltag präsentiert die freie Waldorfschule Wernstein, daneben eine Auswahl kleiner Kunstwerke der aktuell rund 100 Schüler.

Mit nur drei Farben

"Bei den Gemälden ist anzumerken, dass den Schülern nur die drei Grundfarben Blau, Rot und Gelb zur Verfügung standen, alle anderen Farben mischten sie selbst." Ganz im Sinne einer freien Erziehung und Bildung.

Vor fast 40 Jahren kam der Waldorflehrer Richard Engelen nach Oberfranken, um eine Waldorfschule zu gründen - los ging es mit neun Schülern. "Dieser Idealismus ist noch heute spürbar", sagte Tim Petschke.

Ein Idealismus, die jeder Waldorflehrer teilt, so auch Franziska Bartels, die Tochter des Gründers. Sie verwies auf die Gründung der ersten Waldorfschule vor 100 Jahren in Stuttgart durch den Fabrikanten Emil Molt. "Ähnlich wie Fritz Hornschuch, der sich in Kulmbach um die Bedürfnisse seiner Arbeiter kümmerte, indem er Wohnungen und Badeanstalten baute, kümmerte sich Emil Molt um die Arbeiter in seiner Fabrik, indem er ihnen eine gute Bildung für ihre Kinder ermöglichte", erklärte Franziska Bartels.

Soziale Gerechtigkeit im Bildungswesen

Am 7. September 1919 startete die damals betriebseigene Schule mit 256 Kindern. "Molt lernte auf einer Tagung Rudolf Steiner kennen und war von dessen pädagogischem Konzept sofort angetan." Zum ersten Mal habe es im Bildungswesen soziale Gerechtigkeit gegeben.

Heute gibt es laut Bartels 1150 Waldorfschulen und 1800 Kindergärten in 80 Ländern. In Deutschland werden 90000 Jungen und Mädchen an 246 Waldorfschulen unterrichtet, die erste Waldorfschule in Bayern wurde 1946 gegründet.

"Anlässlich des Jubiläums feiern wir weltweit auch mit Gemeinschaftsaktionen", sagte Franziska Bartels. So richte beispielsweise jede Schule weltweit unter dem Titel "Bees and Trees" mindestens einen Bienenstock ein, hinzu komme eine Postkartenaktion. "Jede Schule schickt an eine andere auf der Welt eine selbstgestaltete Postkarte."Als kleine Schatzkammer bezeichnete die begeisterte Waldorflehrerin die Wernsteiner Einrichtung. Zum Jubiläum hatte sie einen Herzenswunsch: "Unsere Waldorfschule gibt es jetzt seit 39 Jahren, wir wünschen uns eine engere Anbindung an Kulmbach, und das nicht nur verkehrstechnisch."

Sinnvolle Ergänzung

Diesen Gedanken griff Dritter Bürgermeister Frank Wilzok gleich auf und sicherte zu, dass er das Anliegen in den Stadtrat bringen werde: "An der Stärkung der Zusammenarbeit können wir sicher arbeiten."

Stellvertretender Landrat Dieter Schaar betonte, wie wichtig die Waldorfschule als sinnvolle Ergänzung und Partner des staatlichen Schulsystems sei. "Mir gefällt bei euch das gemeinschaftliche Lernen und Handeln, das ist gerade in der heutigen Zeit wichtig", sagte er.

Die informative Ausstellung der Wernsteiner Waldorfschule ist noch bis zu den Faschingsferien im Einkaufszentrum "Fritz" zu sehen.

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