Kronach
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Zwei starke Typen auf Heimatbesuch

Musical-Star Uli Scherbel aus Rothenkirchen und der Unterrodacher Leistungssportler Maximilian Kropf urlauben zurzeit in ihrer Heimat im Landkreis.
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Maximilian Kropf (stehend), Uli Scherbel, Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann und Tourismus-Chefin Kerstin Löw (rechts) schauen sich gemeinsam den von Musical-Darsteller Uli Scherbel eingesprochenen Imagefilm der Stadt Kronach.Heike Schülein
Maximilian Kropf (stehend), Uli Scherbel, Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann und Tourismus-Chefin Kerstin Löw (rechts) schauen sich gemeinsam den von Musical-Darsteller Uli Scherbel eingesprochenen Imagefilm der Stadt Kronach.Heike Schülein
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Heimat ist Heimat! Das gilt auch für den Musical-Star Uli Scherbel und Leistungssportler Maximilian Kropf. Beide, im Landkreis Kronach geboren und aufgewachsen, leben mittlerweile fern ihrer fränkischen Heimat. Den Rothenkirchener Uli Scherbel führen zahlreiche Hauptrollen in Musical-Produktionen an die Theaterbühnen ganz Deutschlands. Der aus Unterrodach stammende Polizist Maximilian Kropf, der der Rafting-Nationalmannschaft angehört, lebt seit 2018 beruflich bedingt in Augsburg. Bei einem Pressegespräch erzählten die beiden "Heimat-Urlauber" Kronachs Zweiter Bürgermeisterin Angela Hofmann sowie Tourismus-Chefin Dr. Kerstin Löw von ihren aktuellen Aktivitäten, neuen Plänen - und was Heimat für sie bedeutet.

Zwei Berufungen

"Ich wäre nicht der, der ich heute bin, wenn ich nicht im Landkreis Kronach geboren wäre, aber auch nicht, wenn ich nicht fortgegangen wäre", sagt Uli Scherbel. Geboren und aufgewachsen in Rothenkirchen, erlernte der Sänger, Tänzer und Schauspieler nach der Mittleren Reife zunächst den Beruf des Krankenpflegers. Obwohl er seinen Beruf liebt, zieht es ihn hinauf auf die Bühne.

"Ich habe zwei Berufungen und das Glück, zwei Berufe zu haben, die mir sehr viel bedeuten", ist der 48-Jährige dankbar. Der Weg auf die "Bretter, die die Welt bedeuten" ist schwer, aber er schafft es. Heute ist er ein absoluter Bühnenprofi; die Liste großer Musical-Produktionen, in denen er in den letzten 25 Jahren die Hauptrolle spielte, ist lang. Seinem Spitznamen "Ticket-Maschine" machte er erst wieder in der letzten Spielsaison am Landestheater Schleswig-Holstein alle Ehre. Dabei wandelte er im Stepptanz-Musical "Singing in the Rain" so erfolgreich auf den Spuren von Gene Kelly, dass zehn Zusatz-Aufführungen ins Programm genommen wurden. "Natürlich" wurde er dort auch für die Spielzeit 2019/2020 verpflichtet, dieses Mal in der Hauptrolle des Broadway-Klassikers "Guys and Dolls". Damit übernimmt er nun zum dritten Mal in Folge den Hauptpart einer Flensburger Musical-Produktion.

"Das freut mich total, aber es ist halt sehr weit weg von meiner Heimat", seufzt Scherbel, den die Fahrerei - natürlich umweltfreundlich mit dem Zug - schon "nervt". Neun, zehn Stunden sei er immer unterwegs.

Dennoch besucht der vielbeschäftigte Künstler seine Heimat, wann immer es ihm möglich ist - privat, aber auch um die Menschen hier mit seinen Gast-Auftritten zu erfreuen. Unvergessen sein Mephisto in Goethes Faust I bei den Faust-Festspielen sowie im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 bei den drei restlos ausverkauften Konzertabenden "Scherbe(l)n bringen Glück" im Kreiskulturraum. 2018 folgte ein Benefizkonzert in Rothenkirchen mit vielen hundert Gästen unter freiem Himmel.

Auch Maximilian Kropf ist so oft wie möglich daheim. Seit einem Jahr lebt der 27-Jährige in Augsburg, wo es ihm sehr gut gefällt. Und doch: "Das wird nie die Heimat sein. Wenn man mal sechs, acht Wochen nicht zuhause war, vermisst man das sehr", räumt er ein. Auch er beklagt die weite Heimreise und die verbesserungswürdigen Verkehrsverbindungen. "Auf der Autobahn geht es. Aber die 85 Kilometer auf der Landstraße ziehen sich", verdeutlicht das Mitglied im Deutschen Rafting-Nationalteam und frisch gebackener Euro-Cup Sieger 2019 der British Open.

Grundstein bei der DLRG gelegt

Eine Basis für das Rafting erhielt der Unterrodacher durch seine Ausbildung als Strömungsretter bei der DLRG Kronach. Als er dienstlich nach Augsburg versetzt wurde, fuhr er öfters im Eiskanal und trainierte im Kraftraum. Die Rafter vom Augsburger Kajak-Verein wurden auf ihn aufmerksam und fragten ihn, ob er raften könne. Dies habe er bejaht. Die Frage sei gewesen, ob man dies rettungstechnisch auf renntechnisch ummünzen könne. Man kann!

Heuer wurde die Sportskanone in die Nationalmannschaft aufgenommen, ohne zunächst zu wissen, um was für ein Team es sich dabei handelt. Das erfuhr er erst später von seinen Teamkollegen. Ein erster großer Höhepunkt für ihn sollte die Europameisterschaft in Bosnien-Herzegowina im Juni sein. Leider musste die Mannschaft drei Tage vor der Abreise ihre Teilnahme verletzungsbedingt absagen. Trotzdem fuhr er mit zwei weiteren Teamkollegen dorthin. "Wir hätten Europameister werden können", zeigt er sich sicher.

Dagegen räumte man nun beim Euro-Cup in London so richtig ab. Leider finde Rafting, wobei es sich um einen absoluten, auch nicht ungefährlichen Hochleistungssport handelt, in Deutschland kaum Beachtung. Nächstes Highlight ist für ihn die Rafting-WM 2020 in China.

So wie er kam auch Uli Scherbel über Umwege, Zufälle oder vielleicht auch Bestimmung zu seinem Glück. "Ich machte damals Zivil-Dienst an der Uni-Klinik Erlangen. Dem Chefarzt war es peinlich, dass ich da für ein Taschengeld arbeite. Er fragte mich, ob ich einen Wunsch hätte - und ich wünschte mir einen Stepptanzkurs", lacht der Rothenkirchener, der darauf prompt mit einem Kurs mit zehn Stepptanz-Stunden beschenkt wurde. "Da war ich 22 und das Unheil nahm seinen Lauf", so Scherbel weiter. Später schaffte er die Aufnahme an die Universität der Darstellenden Künste in Berlin als einer von zwölf unter mehreren hundert Bewerbern.

"Heute habe ich erfahren, dass tatsächlich ein junger Kronacher aus der Dance-Street von Petra Mahr-Richter auch dort aufgenommen wurde. Die nächste Generation wächst heran", freut er sich.

Anfangs, räumt er ein, habe er schon ein wenig damit gehadert, nicht in einer Theater-affineren Gegend aufgewachsen zu sein und sein Dialekt habe sich auch nicht unbedingt als karriereförderlich herausgestellt. Heute sei das anders. "Ich bin stolz auf meine Heimat. Ich habe hier Werte kennengelernt wie Zusammenhalt und Authentizität. Und ich bin auch stolz auf meinen fränkischen Dialekt, der manchmal noch mit mir durchgeht", strahlt er.

Fenster streichen und joggen

In seinem Urlaub hier ruhe er natürlich nicht nur aus. Gemeinsam habe man zuhause Fenster gestrichen, das Garagentor und sonst noch so einiges.

Er habe aber auch die Biertage in Rothenkirchen besucht und gestaunt, wie viel Bier hier manche vertragen. Auch auf dem Kronacher Freischießen war er. Dort habe man ihn zwar erkannt, aber bis auf eine Damengruppe, die ihm ein "Fröschla-Lied" vorgesungen habe, nicht übermäßig Beachtung geschenkt, was auch gut gewesen sei.

Beim Joggen mit seiner Nichte rund um die Ködeltalsperre habe er einmal mehr gemerkt, wie wunderschön es hier doch ist. "Das merkt man erst so richtig, wenn man woanders lebt und zurückkehrt", ist er sicher.

Dem schließt sich Kropf an. "Gestern war ich bei meinem Freund in Kronach, dessen Wohnung einen herrlichen Ausblick auf die Festung hat - traumhaft", schwärmt er. Apropos Festung: Die am Euro-Cup teilnehmende Mannschaft aus Nottingham habe tatsächlich die Festung Rosenberg gekannt - "Wasser auf den Mühlen" der Tourismus-Chefin sowie der Zweiten Bürgermeisterin.

Botschafter für Kronach

Laut Hofmann sei der Lebensweg der beiden beispielgebend. Beide hätten in ihrer Heimat den Grundstein für ihr Leben gelegt. Obwohl es sie in die Welt gezogen habe und sie dort Karriere gemacht hätten, hätten sie ihre Verbindung zur Heimat nicht abreißen lassen und identifizierten sich nach wie vor mit ihr. Damit seien sie Botschafter für Kronach im allerbesten Sinne. Für beide gab es kleine Kronacher Geschenke sowie - zusätzlich für Kropf - den von Scherbel eingesprochen Imagefilm der Kreisstadt.

Neues Solo-Konzert

Derzeit in Vorbereitung ist ein komplett neues Solo-Konzert von Uli Scherbel mit 27 neuen Songs, die er im kommenden Frühjahr in Kronach präsentieren wird. Zwei Termine sind fest eingeplant, einen dritten hat Kerstin Löw im Visier. Nähere Infos darüber erfolgen kurz vor dem ersten Advent.

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