Kronach
Protest

Zwei Dutzend Gefangene streiken in der JVA Kronach

Über 20 Häftlinge wehrten sich am Mittwochabend friedlich gegen eine Neuregelung in der Justizvollzugsanstalt Kronach. Nach einer Stunde beendeten sie ihren Sitzstreik. Die kritisierten Aufschlusszeiten werden laut JVA-Leiter Ullrich Mann jedoch nicht geändert.
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Leiter Ullrich Mann - hier anlässlich seiner Amtseinführung im Jahr 2014 - ist froh, dass die Situation auf einem Gang der JVA Kronach nicht eskaliert ist. Häftlinge und Personal seien vernünftig miteinander umgegangen. Foto: Archiv/Friedwald Schedel
Leiter Ullrich Mann - hier anlässlich seiner Amtseinführung im Jahr 2014 - ist froh, dass die Situation auf einem Gang der JVA Kronach nicht eskaliert ist. Häftlinge und Personal seien vernünftig miteinander umgegangen. Foto: Archiv/Friedwald Schedel
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Rund 25 Häftlinge, alles Strafgefangene, sitzen in einem Gang der Justizvollzugsanstalt auf dem Boden. Es ist kurz nach 18.30 Uhr. Eigentlich sollten die Männer jetzt schon in ihren Zellen sein. Sie sind aber in den Streik getreten. Der verläuft friedlich. Weil die Gefangenen sich vernünftig verhalten und nicht ein böses Wort verlieren. Und weil das Personal der Justizvollzugsanstalt gut geschult ist, mit der Situation umgehen kann. JVA-Leiter Ullrich Mann zollt daher beiden Seiten Anerkennung für ihr deeskalierendes Verhalten in dieser Lage.

Aus Sicherheitsgründen wurden die so genannten Aufschlusszeiten in der Haftanstalt geändert. Bis Anfang der Woche durften sich die Gefangenen abends bis 19.15 Uhr relativ frei in den Gängen bewegen. Seit Mittwoch wird schon um 18.30 Uhr der Riegel vorgeschoben. Damit wollten sich die rund zwei Dutzend Streikenden nicht abfinden. "Sie haben sich geweigert, in die Hafträume zurückzukehren", erklärt Ullrich Mann. Die Häftlinge hätten sich dann auf dem Gang hingesetzt, sich dabei aber sehr friedlich verhalten.

"Das Wichtigste ist, dass man eine solche Situation nicht eskalieren lässt, dass man miteinander spricht", freut sich der Anstaltsleiter, dass beide Seiten vernünftig miteinander umgegangen sind. Natürlich musste sich die Leitung der Justizvollzugsanstalt parallel für ein mögliches Zuspitzen der Lage rüsten. Daher wurde die Polizeiinspektion Kronach informiert. "Mehrere Streifen sind zusammengezogen worden", stellt Polizeisprecher Alexander Czech fest. Wie Mann ist auch er froh, dass deren Einsatz vor Ort letztlich nicht nötig war. "Die Lage war sehr schnell bereinigt", sagt Czech über den "nicht alltäglichen" Alarm für die Polizei. Mann unterstrich derweil das gute Zusammenspiel mit den Ordnungshütern und deren schnelle Reaktion.


Friedlich in die Zellen

Etwa eine Stunde nach Beginn des Sitzstreiks war der Spuk vorbei. Die Gefangenen ließen sich gegen 19.30 Uhr vollkommen widerstandslos wieder in ihren Hafträumen einschließen.

An der Haltung der JVA zu den neuen Aufschlusszeiten wird die Aktion der Häftlinge aber nichts ändern. "Wir lassen uns nicht erpressen!", betont Mann. Der Sicherheitsaspekt erfordere diese Änderung; es sei ja nur eine Phase im Tagesablauf - längst nicht die einzige - in der sich die Betroffenen "halbwegs in Freiheit" innerhalb der mit etwas über 100 Straf- und Untersuchungsgefangenen belegten JVA bewegen könnten. Deshalb müsse sich keiner Sorgen machen, dass die Häftlinge nun nur noch in ihren Zellen schmoren müssen.

Für die am Streik beteiligten Gefangenen wird die Aktion allerdings ein Nachspiel haben. "Die zwei Rädelsführer werden in andere Anstalten verlegt", stellt Mann fest. Das sei durchaus üblich nach einem solchen Zwischenfall. "Es ist oft so, dass bestimmte Gefangene andere zum Mitmachen drängen", weist er auf eine Gruppendynamik hin, die häufig von den Rädelsführern ausgenützt werde. Die Verlegung solle das entschärfen. Was die Mitläufer angehe, so habe der Anstaltsleiter die Möglichkeit, verschiedene disziplinarische Maßnahmen zu treffen, von denen es einen ganzen Katalog gebe.


Staatsanwaltschaft entscheidet

Ob auch strafrechtliche Mittel ergriffen werden, müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden. Da die Gefangenen gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen hätten - sie sind den Anordnungen der JVA-Bediensteten und dem vorgeschriebenen Tagesablauf nicht gefolgt -, sei dies durchaus denkbar.
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