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"Zuhause im Glück": Folgt dem Eigenheim die Finanzamt-Forderung?

Folgt nach dem "Zuhause im Glück" die tiefe finanzielle Krise? Ehemalige Kandidaten warnen vor saftigen Forderungen des Finanzamts.
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Folgt nach dem großen Glück der große Finanzschock?  Rund um die Sendung "Zuhause im Glück" gibt es Diskussionen darum, ob die kostenlos erhaltenen Renovierungsleistungen einkommenssteuerpflichtig sind. Foto: Oliver Berg/dpa
Folgt nach dem großen Glück der große Finanzschock? Rund um die Sendung "Zuhause im Glück" gibt es Diskussionen darum, ob die kostenlos erhaltenen Renovierungsleistungen einkommenssteuerpflichtig sind. Foto: Oliver Berg/dpa

Folgt nach dem großen Glück die tiefe finanzielle Krise? Seit unsere Redaktion vor gut einer Woche vermeldete, dass die RTL II-Sendung "Zuhause im Glück" Station in Hesselbach macht, haben uns viele Zuschriften erreicht.

Der Tenor: Die Familie müsse gewarnt werden, dass saftige Steuernachzahlungen auf sie zukommen könnten. Eine frühere Teilnehmerin erzählte, sie habe vom Finanzamt eine Forderung von über 40 000 Euro für Einkommenssteuer und Zinsen erhalten. Der Grund: Durch die kostenlose Renovierung ihres Hauses habe sie steuerliche Vorteile erhalten.

Weitere ähnliche Geschichten erreichten unsere Redaktion. Der Vorwurf: Die Familien, die wegen ihrer durch Schicksalsschläge erlittenen finanziellen Notsituation ausgewählt wurden, würden ihrem steuerlichen Schicksal überlassen. Verschiedene Medien aus vielen Teilen Deutschlands haben schon über diesen Vorwurf berichtet.

Das sagt der Steuerberater

Doch kann das überhaupt sein? "Vom Grundsatz her ja. Entscheidend ist die Vertragsgestaltung", sagt Karl H. Fick, Steuerberater aus Kronach. Ein Vermögenszuwachs sei die kostenlos erhaltene Leistung auf jeden Fall. "Ob es sich um steuerrelevante Einkünfte handelt, ist eine komplizierte Geschichte."

Das Bayerische Landesamt für Steuern antwortete auf unsere Anfrage: "Die genaue Besteuerung hängt sehr stark von den Umständen des Einzelfalles ab, etwa den konkreten vertraglichen Vereinbarungen oder den übrigen Einkünften des Steuerpflichtigen." Die Behörde verweist auf eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2007, wonach Preisgelder für die Teilnahme als Kandidat an einer Fernsehshow als sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nr. 3 EStG steuerbar sind.

Entscheidendes Kriterium sei, dass der Auftritt des Kandidaten und das gewonnene Preisgeld in einem gegenseitigen Leistungsverhältnis stünden.In Abgrenzung dazu unterlägen Gewinne, die überwiegend vom Glück oder Zufall abhängen - und deshalb im Gegensatz zu dem Vorgehen bei "Zuhause im Glück" nicht auf einem Vertrag beruhen - nicht der Einkommensteuer.

Steuerberater Fick ist kritisch. "Ich kann nicht erkennen, dass es sich um steuerlich relevante Einkünfte handelt." Die Betroffenen könnten klagen und sollten sich zudem mit dem Finanzamt über Stundung oder Ratenzahlungen unterhalten. "Jeder hat ein pfändungsfreies Existenzminimum", betont Fick. Es sei aber möglich, dass auf das Haus eine Sicherungsgrundschuld eingetragen werde. "Beim Verkauf würde dann der Fiskus bedient."

Familien vor den Dreharbeiten informiert - Produktionsfirma aus dem Schneider

Und was sagt die Produktionsfirma? "Das Mitwirken an "Zuhause im Glück" ist vertraglich geregelt. Die Familien werden vor den Dreharbeiten in Kenntnis gesetzt, dass die Sachleistungen einkommenssteuerpflichtig sein können. Dies ist im Vertrag auch so vermerkt ", sagt eine Sprecherin der Ufa Show & Factual GmbH. RTL II schloss sich der Aussage an, die Hesselbacher Familie wollte sich aus vertragsrechtlichen Gründen nicht äußern.


Die Umsatzsteuer für die Bauleistungen, so die Ufa weiter, übernehme RTL II. Aus all den Jahren sei kein Fall bekannt, in dem ein Finanzamt die Renovierung als steuerpflichtiges Einkommen bewertet und tatsächlich Gelder eingefordert habe.

Allerdings räumt die Ufa eine veränderte Lage ein: "Wie wir jüngst durch eine Betriebsprüfung erfuhren, vertritt die Finanzverwaltung die Ansicht, dass Sach- und Dienstleistungen in sogenannten Helptainment-Formaten als einkommensteuerpflichtiges Einkommen zu werten sind." Familien, die sich bei der Ufa gemeldet hätten, würden auf Wunsch durch einen Steuerberater unterstützt.

Die Ufa kritisiert die Behörden: "Dass die Finanzämter nun Steuern einfordern, ist für uns unverständlich. Wir hoffen, dass sie ihren Auslegungs- und Ermessensspielraum nutzen, um den Hilfsgedanken der Sendung zu unterstützen."

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