Kronach
Unterstützung

Zeit mit Kindern und für Kinder

Der Kinderbetreuungsdienst vermittelt, wenn die Eltern stundenweise nicht auf ihre Kinder aufpassen können. Das Angebot ersetzt einen Hort oder eine Tagesmutter nicht.
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Christa Körner (links) und Lisa Gratzke vermitteln Eltern dann einen Betreuer für ihre Kinder, wenn Zeiten überbrückt werden müssen. Vor allem Zugezogene greifen auf den Dienst zurück.  Foto: Cindy Dötschel
Christa Körner (links) und Lisa Gratzke vermitteln Eltern dann einen Betreuer für ihre Kinder, wenn Zeiten überbrückt werden müssen. Vor allem Zugezogene greifen auf den Dienst zurück. Foto: Cindy Dötschel

Gerade für Leihomis spielt das Gefühl, gebraucht zu werden, die entscheidende Rolle. "Sie wollen ihre Freizeit sinnvoll nutzen", weiß Christa Körner, die bei der Caritas als Sozialpädagogin arbeitet. Gemeinsam mit Lisa Gratzke organisiert sie den Kinderbetreuungsdienst im Landkreis Kronach. "Wir vermitteln zwischen Familien und Betreuern", erklärt Gratzke, Gleichstellungsbeauftragte beim Landratsamt, ihr Projekt. Vor allem von zugezogenen Familien, bei denen Oma und Opa nicht in der Nähe wohnen, werde das Angebot angenommen.

Kein Ersatz für den Hort

Der Kinderbetreuungsdienst ist nicht als Ersatz für eine Tagesmutter oder einen Hort gedacht. "Die Betreuer sollen stundenweise einspringen, beispielsweise, wenn die Eltern einen Arzttermin haben oder länger auf der Arbeit sind als die Kinder in der Schule oder im Kindergarten", erklärt Gratzke. Damit sich auch Alleinerziehende oder sozial Schwache die Betreuung leisten können, liegt die Aufwandsentschädigung bei nur vier Euro pro Stunde. "Natürlich können die Familien freiwillig mehr bezahlen", sagt Körner.

Wenn eine Familie sich meldet und nach einem Betreuer fragt, versuchen Körner und Gratzke eine passende Kombination zu finden. Nach der Weitergabe der Kontaktdaten wird ein Kennenlernen empfohlen. "Es ist nicht immer so, dass es zwischen den Parteien passt, deswegen ist ein Treffen vorab umso wichtiger", erläutert Körner. So hätten die Kinder auch die Möglichkeit, den Betreuer gemeinsam mit den Eltern kennenzulernen. "Bei einem ersten Treffen kann Vertrauen aufgebaut und der Ablauf der Treffen besprochen werden", ergänzt Gratzke. Nach der Vermittlung haben sie und Körner nichts mehr mit der Familie oder den Betreuern zu tun.

Leihomis und typische Babysitter

Ein wichtiger Aspekt für Gratzke und Körner ist es, dass die Betreuer nicht als Haushaltshilfen gesehen werden. "Die Ehrenamtlichen sind nur dafür da, mit den Kindern zu spielen. Sie sollen das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein", betont Körner.

Als Betreuer engagieren sich hauptsächlich junge Mädchen oder Frauen, die nicht berufstätig sind. "Die typischen ,Leihomis‘ haben selbst Kinder, die aus dem Haus sind, und noch keine Enkel", berichtet Körner. Die Jugendlichen seien meist zwischen 15 und 16 Jahren alt und müssen erst das Babysitterdiplom ablegen, bevor sie vermittelt werden. Der Kurs umfasst sechs Unterrichtseinheiten.

"Auf dem Programm stehen unter anderem die Entwicklungspsychologie und die Aufsichtspflicht, bei der sechsten Einheit werden die Teilnehmer geprüft", sagt Körner. Der Kurs sei außerdem eine Möglichkeit, die Mädchen besser kennenzulernen. Für sie und Gratzke sei es wichtig zu wissen, wen sie an die Familien vermitteln. Die "Leihomis" werden vorab zu einem Gespräch eingeladen und müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Für die Betreuer werden regelmäßig Treffen organisiert, an denen diese freiwillig teilnehmen können. "Themen sind beispielsweise die Beschäftigung der Kinder ohne Material, im November kommt eine Pädagogin und informiert über Bewegung und Spiel", berichtet Gratzke. Die Treffen seien eine Geste der Wertschätzung für die Betreuer.

Kinder sind fröhlich und ehrlich

Eine der Leihomis ist Irmgard N., die früher als Altenpflegerin gearbeitet hat. "Mir fehlte der Kontakt mit jungen Leuten und meine eigenen Enkel wohnen weiter weg. Außerdem habe ich einfach Zeit", sagt die 66-Jährige. Sie dachte, dass ihr der Kontakt mit Kindern Freude bereiten würde und hat sich deshalb als Kinderbetreuerin gemeldet.

Normalerweise passt sie zwei Nachmittage die Woche auf zwei Geschwister im Alter von vier und zwei Jahren auf. "Gerade pausiere ich für kurze Zeit, weil die Familie ein weiteres Baby bekommen hat und deshalb die Großeltern aus England und dem Rheinland zu Gast sind", berichtet die Stockheimerin. Sobald die Großeltern wieder abgereist sind, springt Irmgard N. dann wieder ein. Je nach Wetter geht sie mit den Kindern auf den Spielplatz oder besucht diese zuhause, um mit ihnen zu basteln. Die Leihomi schätze den Kontakt zu den Kindern besonders, weil diese aufgeschlossen, fröhlich und ehrlich seien. "Wenn man mit Kindern zusammen ist, wird alles viel leichter."

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