Wenn sich eine musikalische Gruppierung "Capella Serenissima" nennt, dann muss der Abend eigentlich gelingen. Der Name des Quartetts, das in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes in Kronach gastierte, jedenfalls erinnerte an "La Serenissima Republica di San Marco", an die Allerdurchlauchteste Republik des Heiligen Markus - an Venedig. Und durchlaucht war auch die Musik, die das Quartett zu bieten hatte. Dorothea Lieb (Zink), Ruth Ellner (Barockvioline), Yosuke Kurihara (Barockposaune und Viola da Gamba) und Ralf Waldner (Cembalo) haben sich weltberühmte Komponisten, die in diesem Jahr Geburtstag oder ein Todes-Jubiläum feiern, ausgesucht: Und die vier Musiker hatten ein Händchen für musikalische Harmonie. Mit der Sonata 16 von Giuseppe Scarani eröffnete das Quartett das zauberhafte Konzert.

Doch sehens- und hörenswert waren nicht nur die Werke, die Harmonien, die zauberhaften Klänge - wie geschaffen, um einen Sonntagabend stilecht ausklingen zu lassen, sondern die Instrumente waren echte Besonderheiten. Dorothea Lieb spielte auf einem echten Zink. Das ist eine Mischung aus Blockflöte und Trompete. Sie begeisterte mit dem heute völlig in Vergessenheit geratenen Instrument solistisch und gemeinsam mit den anderen seltenen Instrumenten.

Yosuke Kurihara spielte historische Barockposaune - ein Instrument, mit engerer Mensur und kleinerem Schallbecher und Viola da Gamba, einer Bein-Geige. Und Ruth Ellner hatte eine Barock-Violine dabei. Die Violinen hatten früher einen wesentlich kürzeren Hals. Auch der Steg ist anders geformt, so ließen sich auf Barockviolinen Akkorde leichter spielen.
Bei "Laudate Dominum" stand Yosuke Kurihara mit seiner Barockposaune im Mittelpunkt. Das Instrument erklang samtweich, unaufdringlich - wie es einem göttlichen Loblied angemessen sein sollte.

Aus der Feder des venezianischen Komponisten Giovanni Bassano stammte die Diminution über "Susanne ung jour". Bei diesem Werk muszierten Ralf Waldner (Cembalo) und Dorothea Zink zusammen.
Sehr vielsagend war auch Biagio Marinis Sonata quarta und seine Passacaille. Die Passacaille war ursprünglich ein sehr erotischer Schlager des 17. Jahrhunderts, wurde dann aber in die geistliche Musik adaptiert.

Mit dem Werk "La Monica" tat sich Ralf Waldner hervor. Er ließ die Töne auf dem Cembalo quasi von den Fingerspitzen perlen und begeisterte das Publikum.
Und mit Giovanni Martino Cesares "La Augustana" und mit "Zefiro torna e di soavi accenti" aus der Feder des venezianischen Kopmponisten, Gambisten und Priesters Claudio Monteverdi wurde das Konzert perfekt.
Nur einen einzigen deutschen Komponisten hatte das Quartett "Capella Serenissima" in sein barockes Repertoire aufgenommen: Johann Rosenmüller (1619 oder 1617 bis 1684). Allerdings wirkte Rosenmüller nicht nur in Deutschland, sondern auch im weltberühmten Markusdom in Venedig. In Italien nannte er sich sogar "Giovanni Rosenmiller". Und natürlich trugen auch seine Kompositionen italienische Züge. Beim Sonntagskonzert in Kronach brachten die Musiker die Sonatea quarta zu Gehör. Sie fügte sich hervorragend in den barocken Klangzauber ein.