Neukenroth
Jubiläum

Zartes Pflänzchen wird starker Baum

Die Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen feiert am kommenden Sonntag ihr 50-jähriges Bestehen in der Zecherhalle in Neukenroth.
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Wolfgang Schirmer aus Neukenroth ist seit 20 Jahren Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen. Er ist Spezialist für Wertholz. Auf unserem Bild schneidet er starke Erdstammstücke auf dem Wertholzplatz in Himmelkron zurecht. Ein solches Bloch kann bei der Versteigerung durchaus 500 bis 1000 Euro Erlös bringen und geht an Furnierwerke sowie Schreinereien in Mitteleuropa. Friedwald Schedel
Wolfgang Schirmer aus Neukenroth ist seit 20 Jahren Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen. Er ist Spezialist für Wertholz. Auf unserem Bild schneidet er starke Erdstammstücke auf dem Wertholzplatz in Himmelkron zurecht. Ein solches Bloch kann bei der Versteigerung durchaus 500 bis 1000 Euro Erlös bringen und geht an Furnierwerke sowie Schreinereien in Mitteleuropa. Friedwald Schedel
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Der mit über 1500 Mitgliedern größte Verein des Landkreises Kronach, die Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen, feiert am kommenden Sonntag, 10. November, ihr 50-jähriges Bestehen. Nach einem Gottesdienst um 8.45 Uhr in der Kirche St. Katharina in Neukenroth findet der Festakt um 10 Uhr in der Zecherhalle statt. Dort hält der Präsident des Landesamtes für Wald und Forstwirtschaft, der aus Tettau stammende Olaf Schmidt, die Festansprache. Jedes Mitglied erhält ein Präsent und die Festschrift. Die Kronacher Jagdhornbläser umrahmen die Jubiläumsfeier musikalisch.

Am 7. November 1959 wurde die WBV Kronach-Rothenkirchen von 36 Waldbesitzern in der damaligen Gaststätte Hans-Veit in Rothenkirchen gegründet. Damit bewiesen diese Waldbesitzer Weitblick, denn nur in einer starken Gemeinschaft kann man die Herausforderungen der Zeit meistern und den Widrigkeiten trotzen. Inzwischen hat die WBV über 1500 Mitglieder und ist damit größter Verein im Landkreis Kronach.

Der Vorstand zeichnete sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten durch große Beständigkeit aus: Die führenden Mitglieder waren oder sind seit vielen Jahren zum Wohl ihrer Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen tätig. Gründungs-Vorsitzender Michael Lang aus Wolfersdorf und sein Stellvertreter Hermann Körner aus Teuschnitz waren über ein Vierteljahrhundert im Amt, Wolfgang Ruß aus Rothenkirchen war von 1970 bis 1994 1. Geschäftsführer, Karl Bär aus Unterrodach fungierte von 1974 bis 1992 als 2. Geschäftsführer. 15 Jahre war Rechnungsführer Berthold Raab aus Teuschnitz im Amt. Sein Nachfolger Hans-Ulrich Müller aus Unterrodach führt die Kasse inzwischen 35 Jahre.

Beisitzer Georg Bär aus Kathragrub war 20 Jahre im Amt. Sein Nachfolger Friedwald Schedel aus Steinberg ist seit über 30 Jahren auch Schriftführer. Franz Heil wurde von Reinhold Hofmann aus Häusles, der viele Jahre das Amt des 2. Vorsitzenden bekleidete, abgelöst. Georg Konrad wurde vor fast 25 Jahren zum 1. Vorsitzenden gewählt. Aufgrund ihrer großen Verdienste wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Wolfgang Ruß, Reinhold Hofmann, Karl Bär und Georg Bär. Michael Lang erhielt die Urkunde zur Ernennung zum Ehrenvorsitzenden.

Die Mitgliederzahl der Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen nahm schon kurz nach der Gründung stark zu. Bereits Ende November 1959 war die Zahl von 36 auf 75 angestiegen. Ende 1972 hatte die WBV 434 Mitglieder mit einer Waldfläche von 4424 Hektar. Dieser Schnitt von ungefähr zehn Hektar pro Mitglied blieb über viele Jahre gleich. 1992 konnte das 1000. Mitglied in der Jahresversammlung begrüßt werden. Bei der Jahresversammlung im Jubiläumsjahr 2019 hieß Vorsitzender Georg Konrad das 1500. Mitglied im Kreis der WBV willkommen.

Gründungs-Vorsitzender Michael Lang verglich das starke Wachstum des Vereins mit der Vegetation im Wald: Aus einem zarten Pflänzchen sei ein starker Baum geworden. Und die vielen Vorteile, die dieser mächtige Stamm mit seiner gewaltigen Krone bietet, bedeuten für die Mitglieder bares Geld. Angefangen von der Pflanzenbestellung und dem gemeinsamen Bezug von Verbissschutzmitteln sowie Zaun, über Sammelanträge für die Bezuschussung von Durchforstungsmaßnahmen oder Beihilfen bei Kalamitäten oder Waldpflegeverträge für Mitglieder, die sich nicht selbst um ihren Wald kümmern können, bis zur Vermarktung von Schwach- und Starkholz ist die Waldbesitzervereinigung für ihre Mitglieder immer der richtige Ansprechpartner, der zusammen mit der Forstlichen Vereinigung Oberfranken ganz andere Preise aushandeln kann als der einzelne Waldbesitzer.

Jedes Jahr werden zigtausende von Forstpflanzen, meistens förderfähige Laubgehölze oder klimatolerante Nadelbäumchen, von namhaften Baumschulen bezogen. Sammelbestellungen wurden in all den Jahren immer wieder für Sicherheitsausrüstung, Kettenöl, Zaunbau etc. auf den Weg gebracht. Bei vielen forstlichen Maßnahmen würden vor allem kleine Waldbesitzer unter die Bagatellgrenze fallen, das heißt, sie erhielten keine Förderung des Staates. Die WBV sorgt mit Sammelanträgen dafür, dass auch diese Waldbesitzer etwas Geld für ihre Aufwendungen erhalten.

Bei Kalamitäten bewährt

Auch bei Kalamitäten hat sich die WBV Kronach-Rothenkirchen bewährt. Nach den Sturmwurf- und Schneebruchkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte fungierte die WBV als kompetenter Ansprechpartner für die Mitglieder und sorgte dafür, dass das Schadholz schneller als sonst in die Sägewerke abtransportiert werden konnte. Bei der Borkenkäferplage der Jahre 2018 und 2019 kam auch die starke Gemeinschaft WBV an ihre Grenzen, denn die Sägewerke konnten nicht alles Schadholz auf einmal aufnehmen. Ohne die WBV jedoch wäre alles noch viel schlimmer gekommen. Die Waldbesitzervereinigung organisierte mehrmals eine leistungsstarke mobile Entrindungsanlage und koordinierte die Begiftung der Holzpolter dort, wo es keine Einschränkung wegen des Gewässerschutzes gab. Sammeleinschläge in Käfernestern, wo mehrere Waldbesitzer beteiligt waren, wurden ebenfalls durchgeführt.

Auch bei der Schädlingsbekämpfung - wie 1994 beim Hubschraubereinsatz gegen die Fichtengespinstblattwespe - zeichnen sich deutliche Vorteile für die Mitglieder ab. Den größten Teil der Kosten übernahm der Staat. Für die finanzielle Abwicklung sorgte die WBV mit dem unermüdlichen Rechnungsführer Hans-Ulrich Müller aus Unterrodach. Die Mitglieder hatten nur einen kleinen Teil des hohen Betrags, der für die Bekämpfung des gefährlichen Waldschädlings aufgewendet werden musste, zu tragen. Ohne WBV und den Sammelantrag hätte die Masse der betroffenen Waldbesitzer keinen Zuschuss erhalten, weil die sogenannte Bagatellgrenze nicht erreicht worden wäre.

Der Einsatz im Wald kann nur effizient funktionieren, wenn es ordentliche Wege für die Maschinen und Fahrzeuge gibt. Viele Hundert Kilometer Forstwege wurden in den vergangenen 50 Jahren mit Unterstützung und in Koordination durch die WBV neu gebaut, trassiert oder auf die geänderten Anforderungen mit einer maximalen Steigung von zehn Prozent ausgerichtet. Viele der alten Wege waren zu steil und durch Wasser ausgespült. Die Waldungen im Bereich der WBV Kronach-Rothenkirchen sind durch ein gutes Wegenetz erschlossen. Selbstverständlich gibt es da und dort noch Nachholbedarf.

Unterstützung durch Forstbehörde

In den vergangenen 50 Jahren konnte die WBV Kronach-Rothenkirchen so stark werden, weil es immer die großartige Unterstützung durch die Forstverwaltung gab. Vor allem die heimischen Förster und ihre Chefs, die Forstdirektoren, hatten immer ein offenes Ohr für die Belange der Waldbesitzer und unterstützten sie in herausragender Art und Weise. In den ersten 25 Jahren übernahm die Forstbehörde sogar die Geschäftsführung. Wolfgang Ruß fungierte neben seinen vielfältigen Aufgaben als Revierleiter auch als Geschäftsführer der WBV. Dann forderte der Staat dazu auf, dass sich die Waldbesitzervereinigungen auf eigene Füße stellen und effizient werden sollten. Zuerst war dies von herber Kritik begleitet, doch diese Vorgaben waren zielführend, denn die Aufgaben wuchsen so rasant an, dass statt eines nebenamtlichen Geschäftsführers wie vor mehr als 25 Jahren nun drei hauptamtliche Geschäftsführer (2,6 Vollzeitstellen) nötig sind, um Ansprechpartner für die über 1500 Waldbesitzer zu sein.

Im langjährigen und unvergessenen Forstdirektor Michael Schneider hatte die WBV stets einen Fürsprecher, der sich bei den übergeordneten Behörden für die Belange der Waldbesitzer einsetzte. Unermüdlich war Michael Schneider für den Wald und die Waldbauern auf Achse. Der Forstdirektor war aber auch ein Mahner, der schon vor vielen Jahren dazu aufforderte, die Monokultur Fichte im Frankenwald in einen stabilen Mischwald umzubauen. Immer wieder verwies Michael Schneider auf den Klimawandel und warnte: "Wenn Ihr den Wald nicht umbaut, macht das eines Tages der Borkenkäfer!" Wie recht er doch hatte.

Forstdirektor Schneider war, wenn es ihm zeitlich möglich war, bei den Informationsfahrten der Waldbesitzervereinigungen dabei und ergänzte die Ausführungen der örtlichen Förster mit seinem profunden Wissen. Die Fahrten sind sehr beliebt, der Bus oft schon kurz nach der Ausschreibung ausgebucht. Die Mehrtagesfahrten jeweils im Frühjahr führen zu sehenswerten und vorbildlichen Waldungen in Deutschland, bei den eintägigen Fahrten werden Ziele in der näheren Umgebung angesteuert.

Michael Schneider setzte sich auch dafür ein, dass der WBV ein Forstlicher Berater an die Seite gestellt wurde. Über viele Jahre war dies Wolfgang Hoh, dann für einige Jahre Andreas Pöllath und seit diesem Jahr ist Christof Maar neben seiner Aufgabe als Revierleiter zum Forstlichen Berater abgestellt worden.

Die Geschäftsführung

Nach den vielen Jahren an staatlicher Unterstützung bei der Geschäftsführung musste sich die WBV mit studierten Förstern ab 1994 auf eigene Beine stellen. Thomas Speth aus Mittelfranken war der erste nichtstaatliche Geschäftsführer in der Zeit von 1994 bis 1999. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Schirmer aus Neukenroth, der seit nunmehr 20 Jahren in dieser Position ist. Antje Hauptvogel und Hubertus Förtsch waren mehrere Jahre für die WBV als Geschäftsführer tätig. 2014 trat Tobias Wicklein aus Hirschfeld in die Geschäftsführung ein und seit diesem Jahr übernimmt Christin Müller-Lisa die vielfältigen Aufgaben in der Geschäftsführung mit. Geschäftsführer/in ist weit mehr als Holzvermarkter/in. Die Aufnahme der Polter und die Koordinierung der Abfuhr in die Sägewerke stellt gewiss eine zeitaufwendige Arbeit dar und beanspruchte vor allem bei der Borkenkäferproblematik der jüngsten Vergangenheit das Personal über alle Maßen. Daneben gilt es aber noch, viele weitere Aufgaben zu erledigen: Waldpflegeverträge mit Waldbesitzern, die sich nicht mehr selbst um ihre Hölzer kümmern können, müssen ausgearbeitet, Sammeleinschläge zum Teil mit Harvester koordiniert, Einschlagsunternehmen sowie weitere Firmen vermittelt werden, das GPS-Gerät zum Auffinden des exakten Grenzverlaufs ist sehr oft im Einsatz etc.

Jedes Jahr ist die WBV Kronach-Rothenkirchen auch bei der Wertholzsubmission (Versteigerung) im Dezember mit dabei. Dabei werden Erdstammstücke von Bäumen, die vor Jahrzehnten geastet wurden, zu einem hohen Preis beboten. So kann ein gut fünf Meter langes dickes Bloch durchaus 500 bis knapp 1000 Euro Erlös bringen. Zuerst wurden die Blöcher in Mauthaus aufgelegt, seit etlichen Jahren geschieht dies auf dem Wertholzplatz bei Himmelkron an der Autobahn A9. Die geschulten Augen der Geschäftsführer erkennen sofort, wo ein Sahnestück für Schreinereien und Furnierwerke steht und zu einem sehr hohen Preis vermarktet werden kann. Das ist ein weiterer Vorteil für die Mitglieder der WBV. Durch die Geschäftsführung wird ein deutlich höherer Erlös beim Holzverkauf erzielt.

Dreh- und Angelpunkt ist das Büro in Teuschnitz, das einige Jahre auch von den beiden weiteren Waldbesitzervereinigungen des Landkreises Kronach mit als gemeinsames Büro genutzt wurde, bevor die WBV Rennsteig und WBV Frankenwald wieder eigene Wege gehen wollten. Ansprechpartnerinnen im WBV-Büro in Teuschnitz sind seit einigen Jahren Manuela Jung und Ramona Friedel. Die beiden Damen leisten weit mehr als nur die Anrufe der Waldbesitzer entgegenzunehmen, die Holzlisten zu bearbeiten und die Abrechnungen durchzuführen und die WBV ist froh, so motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben.

Die WBV hat eine ganze Reihe von Waldwarten, die sich auf Wunsch um die Waldungen kümmern. Sie setzen die Waldpflegeverträge um. Im WBV-Büro in Teuschnitz liegen die Kontaktdaten der Waldwarte vor und können erfragt werden.

Die Maschinen der WBV

Die Zahl der Maschinen und Geräte, die die WBV ihren Mitgliedern zum Selbstkostenpreis verleiht, hat sich in all den Jahren kontinuierlich gesteigert. Die Geräte werden sehr gut angenommen, weil sie die schwere Waldarbeit sehr erleichtern. Der große Sägespalter schafft pro Stunde acht bis zwölf Ster Brennholz. Fast ohne Kraftaufwand wird aus bis zu vier Meter langen Stücken, die am Boden liegen, Scheitholz, das per Förderband auf einem Anhänger landet. Neueste Maschine ist eine Trommelsäge mit Förderband, die für vorgespaltenes stärkeres Holz und Wipfelstücke mit bis zu 20 Zentimetern Durchmesser sowie starke Äste sehr gut geeignet ist und mit der man ebenfalls mehrere Ster Brennholz pro Stunde aufarbeiten kann. Die vorgespaltenen Meterstücke kann man mit dem Bündelgerät bündeln, so dass man nicht mehr jedes Stück mit der Hand anfassen muss. Ein leistungsfähiger 20-Tonnen-Senkrechtspalter kann sowohl Meter- als auch kürzere Stücke aufspalten.

Angesichts der Borkenkäferproblematik gewinnt der Häcksler immer mehr an Bedeutung, denn wenn vom Borkenkäfer befallenes Material gehäckselt wird, haben die Plagegeister keine Überlebenschance. Wegen der neuesten Kalamitäten wird der Rückewagen der WBV seit Jahren so stark nachgefragt, dass sich der Vorstand entschieden hat, einen zweiten Rückewagen mit deutlich verbesserter Technik und weiteren Anwendungsmöglichkeiten anzuschaffen. Wenn sich weiterer Bedarf ergibt, den Maschinenpark kontinuierlich auszubauen, haben die Vorstandsmitglieder der WBV dafür immer ein offenes Ohr.

Auszeichnungen

Viele Mitglieder der WBV Kronach-Rothenkirchen sind seit vielen Jahren dabei, ihren Wald in einen gesunden Mischwald umzubauen, der dem Klimawandel gerecht wird. Einige Mitglieder wurden wegen ihrer vorbildlichen Waldbewirtschaftung mit dem Staatspreis ausgezeichnet, unter anderem Hermann Körner, Edgar und Claudia Götz sowie die Pfarrpfründestiftung Kronach. Gerade bei der derzeitigen Borkenkäferproblematik sollten die betroffenen Waldbesitzer nicht verzweifeln oder gar aufgeben. Sonst geht nicht nur ihr eigener Wald zugrunde, sondern auch der ihrer Nachbarn. Vielmehr bietet die Borkenkäferkatastrophe die Chance, den Waldumbau zu forcieren. Die Waldbesitzervereinigung hat schon ihre Fühler ausgestreckt, um weitere staatliche Hilfen für die betroffenen Eigentümer zu erreichen.

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